DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
An Afghan woman offers a typical Afghan vegan flat bread called -Bolani- for sale from underneath her burka during the late afternoon in the streets of Mazar-i-Sharif on July 1, 2014.  During the holy month of Ramadan, Muslims around the world focus on prayer, fasting, giving to charity, and religious devotion.          AFP PHOTO/FARSHAD USYAN

Die Mutter reiste komplett verhüllt nach Raqqa. SymbolBild: AFP

«Habe getan, was getan werden musste»

Holländerin rettet Tochter aus der Hauptstadt des Islamischen Staats

Aicha, 18, konvertierte zum Islam und ging nach Syrien. Doch das Leben im Islamischen Staat war anders, als es sich die Holländerin erträumt hatte. Also schickte sie einen Hilferuf – vollverschleiert eilte ihre Mutter nach Raqqa.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Derzeit gibt es für Nichtmuslime wohl keinen gefährlicheren Ort als Raqqa. Die Stadt in Syrien ist so etwas wie die inoffizielle Hauptstadt des Islamischen Staats (IS). Die Fanatiker haben hier ein religiöses Schreckensregime errichtet. Sie steinigen angebliche Ehebrecherinnen, hacken Dieben die Hand ab, lynchen mutmassliche Spione des Assad-Regimes. Frauen sollen nur in Ausnahmefällen das Haus verlassen und dürfen sich, wenn überhaupt, nur vollverschleiert auf den Strassen bewegen.

Eine Frau aus Holland hat sich trotzdem in das Herz des IS-«Kalifats» gewagt, um ihre Tochter aus den Fängen der Dschihadisten zu befreien. Ihre Tochter Aicha war im Februar dieses Jahres wie zahlreiche andere Teenagerinnen aus Europa nach Syrien gegangen. Sie war erst kurz zuvor zum Islam konvertiert und hatte sich binnen weniger Monate radikalisiert.

In Syrien heiratete die inzwischen 19-Jährige Omar Yilmaz, einen bekannten holländisch-türkischen Islamisten, der einst in der holländischen Armee gedient hatte. «Sie sah in ihm so etwas wie Robin Hood», sagte Aichas Mutter Monique im September in einem Fernsehinterview. Holländische Medien haben nur die Vornamen der beiden Frauen veröffentlicht. 

Die Mutter hatte noch die Polizei über die Reisepläne ihrer Tochter informiert. Die Behörden zogen Aichas Reisepass ein, sie setzte sich aber mit ihrem Personalausweis in die Türkei ab und gelangte schliesslich nach Syrien.

Die Mutter reiste gegen den Rat der Polizei nach Raqqa

Omar Yilmaz sagte der BBC, er habe die junge Frau aus Maastricht geheiratet, nachdem der IS-Kämpfer, der eigentlich für sie bestimmt war, getötet wurde. Doch offenbar lief das Eheleben in Syrien nicht so, wie sich die beiden Niederländer das vorgestellt hatten. «Es hat nicht funktioniert, wir haben uns getrennt. Sie ist ihren Weg gegangen und ich meinen», sagte Yilmaz der BBC.

Im Oktober reiste Mutter Monique zum ersten Mal in die Türkei. Sie scheiterte jedoch bei dem Versuch, über die syrische Grenze zu gelangen. Dann erreichte sie in diesem Monat ein Hilferuf ihrer Tochter. Monique wagte einen zweiten Versuch. Gegen den Rat der Polizei reiste sie komplett verhüllt nach Raqqa. Dort machte Monique ihre Tochter ausfindig und brachte sie über die Grenze in die Türkei. «Manchmal muss man tun, was man tun muss», sagte sie dem Allgemeen Dagblatt

Nun warten beide auf die Erlaubnis, in ihr Heimatland zurückzukehren. Der Anwalt der Familie hofft darauf, dass Monique und Aicha innerhalb der nächsten Woche nach Holland reisen können. Das Problem: Aicha besitzt keinen gültigen Reisepass, zudem werden die Sicherheitsbehörden die junge Frau bei ihrer Rückkehr ausführlich befragen. Unter anderem muss geklärt werden, ob sie an Verbrechen der IS-Terroristen beteiligt war. (syd)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Wie ein Vater seine Tochter aus den Fängen des IS zurückholen will

Leonora verliess Deutschland, um sich mit 15 dem IS in Syrien anzuschliessen. Heute kämpft ihr Vater darum, seine Tochter zurückzuholen.

Sechs Tage ist Leonora nun schon verschwunden. Wortlos ist sie aus dem Haus gegangen, damals, an diesem Freitag Anfang März 2015. Wochenende bei Mama, sagte sie zu Maik Messing, ihrem Papa. Doch das stimmte nicht. Leo, wie sie ihr Vater nennt, ist an diesem Abend in die Türkei geflogen und von dort im Kleinbus weiter nach Syrien. Fort von ihrer Heimat, dieser Idylle zwischen Südharz und Kyffhäusergebirge. Von diesem Stück heile Welt.

Es ist Mitte März 2015, als auf dem Handy von Maik Messing …

Artikel lesen
Link zum Artikel