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Dixie Chicks, Uncle Ben's und Co. – was «Black Lives Matter» schon verändert hat



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Entertainment Weekly, May 2 2003: Dixie Chicks
The Dixie Chicks set off a firestorm when they criticized then-president George W. Bush for invading Iraq on the grounds that Iraq was manufacturing weapons of mass destruction. The Dixie Chicks used their weapons of mass distraction on this provocative cover.

Heissen jetzt nur noch «The Chicks». Bild: entertainment

Denkmälern geht es an den Kragen, doch nicht nur denen aus Stein. In der Debatte über Rassismus und Kolonialismus werden längst auch Symbole, Logos und alte Witze infrage gestellt. Bands ändern ihre Namen, Klassiker aus Film und Comedy kommen wegen ihrer Klischees auf den Prüfstand.

Die Countrypop-Band Dixie Chicks legte nun die Axt an ihren Namen an und strich kurzerhand das «Dixie» – eine Bezeichnung der US-Südstaaten, die noch aus der Zeit der Sklaverei stammt. Eine Begründung für den Schritt wurde zwar nicht geliefert, in einem zeitgleich veröffentlichen Musikvideo zeigen The Chicks, wie sich das Frauen-Trio nun nennt, Aufnahmen von Antirassismus-Demonstrationen.

Das Statement scheint klar. «Popmusik arbeitet besonders mit Symbolen», sagt Medienwissenschaftler und Popkulturexperte Mario Anastasiadis von der Universität Bonn. Der Bandname sei dabei ein zentrales Identifikationsmerkmal für Fans. «Die Änderung kann ein dramatischer Schritt in der Karriere von Musikern sein.» Aktuell sei dieser mit Blick auf die Black-Lives-Matter-Bewegung und die Reaktion der Regierung von Präsident Donald Trump vor allem symbolpolitisch.

epa08480488 (FILE) - (L-R) Hillary Scott, Charles Kelley, and Dave Haywood of the US band Lady Antbellum perform at the Klipsch Music Center in Indianapolis, Indiana, 24 June 2012  (reissued 12 June 2020). The group on 11 June 2020 announced the change of their band name from Lady Antebellum to Lady A to remove reference made in the US' South of the term antebellum which is connotated with the pre-Civil War era. The move comes as slave trader statues are removed and Black Live Matters (BLM) protests are taking place across the world in the wake of the death of George Floyd, an unarmed black man who died in police custody in the US.  EPA/STEVE C.MITCHELL *** Local Caption *** 50403086

Aus «Lady Antebellum» wird «Lady A.» Bild: keystone

Ebenso vor zwei Wochen: Da haben die US-Countrystars von Lady Antebellum etwas vom Namen abgeknapst und firmieren seither als Lady A. Mit dem lateinischen Begriff «ante bellum» («vor dem Krieg») wird sich in den USA auf die Zeit vor dem Bürgerkrieg (1861-1865) bezogen, als Sklaverei allgegenwärtig war. «Prominente springen jetzt auf mit übereindeutigen Statements», sagt Anastasiadis. «Sie gehen das Risiko ein, dass eine Änderung des Namens zu Kritik bei den Fans führen kann – bis hin zum Karriereknick.»

Die Ära der Südstaaten ist in den USA bis heute sinnprägend - auch in der Kultur. Bei den Demos gegen rassistische Diskriminierung fallen immer wieder die Symbole der weissen Mehrheitsgesellschaft aus der Kolonialzeit. Statuen von Südstaaten-Militärs werden von ihren Sockeln geholt.

Aus für die Südstaaten-Flagge

Doch auch ideelle Denkmäler geraten nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd in den Fokus. Kürzlich etwa wurde das Südstaatenepos «Vom Winde verweht» vom Streamingdienst HBO Max zeitweise aus dem Programm gestrichen – wegen seiner Schönfärberei von Sklaverei und dem klischeebeladenen Bild von Schwarzen. Mittlerweile ist der Hollywood-Klassiker zwar wieder zu sehen, allerdings mit einordnenden Hinweisen zum historischen Kontext.

Und auch im deutschen Sprachraum wird erneut gefragt, wie viel Rassismus in Alltag und Kultur zu finden ist – und womöglich ersetzt werden sollte. Schon vor Jahren stand das N-Wort für Schwarze etwa in Kinderbüchern wie Michael Endes «Jim Knopf» in der Kritik. Otfried Preussler stimmte einer Änderung des Wortes in seiner «Kleinen Hexe» zu, was damals in Deutschland Debatten auslöste.

Auch im Alltag begegnet man immer wieder belasteten Begriffen aus der Kolonialzeit – nicht selten zum Beispiel Apotheken mit dem Wort «Mohr» im Namen. In Frankfurt am Main entfernte eine Apotheke 2018 ihr Logo, das eine schwarze Frau mit Turban und grossen Ohrringen zeigte. Genauso jüngst in Wien: Eine Pharmazeutin verdeckte das diskriminierende Bild eines Schwarzen im Schaufenster ihrer «Mohren-Apotheke», eine Änderung des Namens soll folgen.

Der US-Lebensmittelgigant Pepsi gibt seiner 130 Jahre alten Marke «Aunt Jemima» einen neuen Anstrich. Das Maskottchen bisher: eine schwarze Frau als freundliche Dienerin. Einen Neustart soll es noch in diesem Jahr geben. Und auch der lächelnde Schwarze auf den Reispackungen von Uncle Ben's wird weiterentwickelt, um rassistische Vorurteile zu bekämpfen, so der US-Konzern Mars. Wie genau das geschehen soll, wurde aber noch nicht erklärt.

Uncle Ben's rice are on display  Thursday, June 18, 2020 in Jackson, Miss. The owner of the Uncle Ben's brand of rice says the brand will

Bild: keystone

Immer wieder gab es in der Vergangenheit auch Kritik am Emblem der Sarotti-Schokolade – ebenso an einem Mainzer Dachdeckerbetrieb namens Neger, der in seinem Firmenlogo ein Männchen mit dicken Lippen und riesigen Ohrringen zeigt.

In der Regel wurden solche Zeichen oder Namen mit Verweis auf die Tradition verteidigt. Ob ein solches Argument in der weltweiten Rassismus-Debatte von heute noch ausreicht, wird sich zeigen. (aeg/sda/dpa)

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Tödliche Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA

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