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Die Welt im Corona-Dilemma: Vorsicht oder Rückkehr zum Normalbetrieb?

Ein Überblick über die Situation in verschiedenen europäischen Ländern und den USA.



Die Versuchung, Beschränkungen des öffentlichen Lebens zurückzufahren, ist gross angesichts der wirtschaftlichen Verluste. Aber Virologen warnen: Auch wer zu früh kommt, den bestraft das Leben. Es bestehe das Risiko, dass die Infiziertenzahlen wieder hochschnellen könnten. Der prominente Immunologe und Berater Trumps, Anthony Fauci, hält eine Rückkehr zur Normalität allenfalls schrittweise und mit regionalen Abstufungen für möglich.

USA wollen Wirtschaft bald wieder hochfahren

Das öffentliche Leben in den USA steht wegen der Krise in weiten Teilen still, was der Wirtschaft extrem zu schaffen macht. Ursprünglich hatte Trump eine Rückkehr zur Normalität schon für diese Tage, zu Ostern, in Aussicht gestellt. Aber dann traf die Covid-19-Pandemie die USA mit voller Wucht, täglich gibt es seither traurige Rekorde. Die USA haben inzwischen in absoluten Zahlen weltweit die meisten Toten durch die Corona-Epidemie zu verzeichnen: Mehr als 22'000 Menschen starben bis zum Abend des Ostersonntag im Zusammenhang mit dem Virus.

epaselect epa08355254 In an aerial photograph, a backhoe is seen  next to large burial trenches and abandoned buildings on Hart Island, located in the Long Island sound, off the coast of the Bronx, New York, USA, on 10 April 2020. New York City has used the island for many years to bury unclaimed bodies and officials have suggested the idea of temporary burials of victims of COVID-19 on the island, which is the country?s largest public burial ground. The island was once a Civil War prison camp, a tuberculosis patient colony, and a burial site for unclaimed victims of HIV/AIDS epidemic in the 1980s. New York City is still the epicenter of the coronavirus outbreak in the United States and there are continuing concerns that the health care system, and morgues, will be inundated with COVID-19 patients.  EPA/JUSTIN LANE

Auf Hart Island in New York werden Massengräber ausgehoben – falls sie gebraucht werden. Bild: EPA

Trump will die Wirtschaft rasch wieder zum Laufen bringen und voraussichtlich am Dienstag ein Expertengremium vorstellen, das über den Zeitplan für eine Lockerung der geltenden Beschränkungen beraten soll. Aber nachdem der Präsident sich schon massive Kritik der oppositionellen Demokraten und der Medien einhandelte, die Corona-Gefahr lange verharmlost und das Steuer erst viel zu spät herumgerissen zu haben, warnt Fauci seinen Chef jetzt vor übereilten Schritten in die andere Richtung: Möglicherweise könnte der Prozess einer vorsichtigen Öffnung «zumindest auf gewisse Weise» im kommenden Monat beginnen.

Vorhersagen dieser Art seien aber schwierig, und man dürfe nicht vorschnell handeln. Das Eis, auf dem sich Politiker und Experten in der Corona-Krise bewegen, ist immer noch dünn, vieles über das Virus immer noch nicht genau bekannt.

Sicheres Contact-Tracing, Made in Switzerland

Am Sonntag versuchte Trump den Vorwurf zu entkräften, er habe zu spät auf die heraufziehende Pandemie reagiert. Er verstehe nicht, warum die Medien und die US-Demokraten ihn dann so heftig für die Einführung eines Einreiseverbots aus China kritisiert hätten, schrieb er auf Twitter und fügte hinzu: «Korrupte Medien!». Ranghohe Berater des Präsidenten hatten Medienberichten zufolge bereits Ende Januar vor einer Coronavirus-Pandemie gewarnt, in deren Folge Hunderttausende Amerikaner ums Leben kommen könnten. Trump selbst beteuerte noch bis Anfang März, das Virus sei für die USA kein Grund zur Sorge.

Spanier kehren zu Arbeit zurück

In Spanien, wo Ostermontag kein Feiertag ist, steht die erste Lockerung der strikten Ausgehbeschränkungen für die fast 47 Millionen Einwohner an. Seit zwei Wochen durfte nur noch zur Arbeit, wer in unverzichtbaren Branchen tätig ist. Ab Montag dürfen die meisten Spanier nun an ihre Arbeitsplätze zurückkehren – die strenge Ausgehsperre, die noch bis mindestens Mitternacht am 25. April gilt, bleibt aber ansonsten bestehen. Privat dürfen die Menschen seit Mitte März nur noch zum Einkaufen und in Sonderfällen vor die Tür.

epaselect epa08359122 A deliverer rides on a scooter along an empty highway in Valencia, Spain, 12 April 2020. Spain is currently under lockdown due to the coronavirus pandemic.  EPA/KAI FOERSTERLING

Momentaufnahme vom Sonntag: Nur ein Essenslieferant ist in Barcelona unterwegs. Bild: EPA

«Die Pandemie wird kontrolliert. Die Daten werden in den kommenden Wochen dank des wirtschaftlichen Winterschlafes noch besser sein», sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez mit Blick auf die zweiwöchige Zwangspause der Arbeitnehmer. Die positive Tendenz im Kampf gegen das Virus hielt derweil auch über Ostern an. Binnen 24 Stunden wurden knapp 4200 neue Fälle registriert, eine Zunahme um knapp 2,6 Prozent auf insgesamt 166'000 – eine vergleichsweise niedrige Zuwachsrate.

So sieht der Lockdown in Barcelona aus:

Italien zählt weniger Todesfälle

Einen Hoffnungsschimmer gab es auch aus Italien. Dort wurden am Ostersonntag 431 Corona-Tote binnen 24 Stunden registriert. So niedrig war der Anstieg seit längerem nicht gewesen. Insgesamt starben in dem Land seit Februar 19'899 Menschen im Zusammenhang mit der Covid-19-Krankheit, wie der Zivilschutz mitteilte. Die Gesamtzahl der Infizierten stieg moderat auf 156'363 Fälle (plus gut 4000).

epa08358307 View of the square and church of Santa Maria Novella in Florence during lockdown emergency period aimed at stopping the spread of the Covid-19 coronavirus. Although the lockdown and full absence of people, the scenery of the Italian squares and monuments remain fascinating, Florence, Italy, 11 April 2020..(issued 12 April 2020)  EPA/FABIO MUZZI

Füllen sich die Florenzer Plätze bald wieder? Bild: EPA

Grossbritannien noch nicht über den Berg

Von einem «düsteren Tag» sprach jedoch der britische Gesundheitsminister Matt Hancock. Die Corona-Todeszahlen hatten am Wochenende die 10'000er-Marke übersprungen. Experten rechnen mit einer hohen Dunkelziffer, da vor allem viele Opfer in Seniorenheimen noch nicht erfasst sind. Viele Experten fürchten, dass das Gesundheitssystem der Krise nicht standhalten werde und Grossbritannien schon bald das am schlimmsten von der Pandemie betroffene Land in Europa sein könnte.

Hospital staff takes a break outside St Thomas' Hospital in central London as British Prime Minister Boris Johnson is in intensive care fighting the coronavirus in London, Tuesday, April 7, 2020. Johnson was admitted to St Thomas' hospital in central London on Sunday after his coronavirus symptoms persisted for 10 days. Having been in hospital for tests and observation, his doctors advised that he be admitted to intensive care on Monday evening. The new coronavirus causes mild or moderate symptoms for most people, but for some, especially older adults and people with existing health problems, it can cause more severe illness or death.(AP Photo/Kirsty Wigglesworth)

Medizinisches Personal des St.Thomas-Spitals in London macht eine Pause. Bild: AP

Aber zumindest der an Covid-19 erkrankte Premierminister Boris Johnson hat seine schwere Erkrankung überstanden. Er konnte das Krankenhaus verlassen und soll sich nun auf dem Landsitz Chequers erholen. Der 55-Jährige lobte die Mitarbeiter des St.Thomas' Hospitals in höchsten Tönen: «Ich verdanke ihnen mein Leben.» Es wird erwartet, dass er erst in einigen Wochen die Regierungsgeschäfte übernehmen kann. Johnson ist über den Berg, sein Land noch nicht.

Frankreich weiter hart getroffen

Die Massnahmen zur Eindämmung des Virus beginnen in Frankreich Wirkung zu zeigen, dennoch bleibt die Lage ernst. Fast 14 400 Menschen sind an den Folgen von Covid-19 verstorben, wie das Gesundheitsministerium am Sonntagabend in Paris mitteilte. Wenigstens sank am vierten Tag in Folge die Zahl der Menschen, die auf der Intensivstation behandelt werden, leicht. «Diese Daten bestätigen, dass die Epidemie in unserem Land in dynamischer Weise weitergeht und es weiterhin hart trifft», so das Gesundheitsministerium. Man beobachte den Beginn «eines sehr hohen Plateaus», müsse aber wachsam bleiben.

Am Montagabend wollte sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erneut mit einer Rede an seine Landsleute wenden. Es wird erwartet, dass der Präsident die Dauer der Verlängerung der strengen Ausgangsbeschränkungen verkünden wird. Das «Journal du Dimanche» schrieb, dass sogar eine Verlängerung der Ausgangsbeschränkung bis Mitte oder Ende Mai möglich sei. Die Regelungen gelten in Frankreich seit dem 17. März. Das Haus dürfen die Menschen nur für notwendige Dinge wie Einkaufen verlassen, Spazieren gehen oder Sport ist nur eine Stunde pro Tag im Umkreis von einem Kilometer zur Wohnung erlaubt.

(sda/dpa)

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