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A picture of George Floyd hangs on a fence outside the Hennepin County Government Center, Tuesday, March 30, 2021, in Minneapolis where the trial for former Minneapolis police officer Derek Chauvin continues. Chauvin is charged with murder in the death of Floyd during an arrest last May in Minneapolis. (AP Photo/Jim Mone)

Bild: keystone

Prozess im Fall George Floyd: «Polizisten liessen mich keine Erste Hilfe leisten»

Es ist der zweite Tag im Verfahren gegen den weissen Ex-Polizisten, der auf George Floyds Hals kniete. Eine Feuerwehrfrau, die vor Ort war, schildert: Die Polizei habe ihr verwehrt, dem sterbenden Mann zu helfen.



Ein Artikel von

T-Online

Im Prozess gegen einen weissen Ex-US-Polizisten wegen des gewaltsamen Todes des Afroamerikaners George Floyd hat unter anderem die 18-Jährige ausgesagt, die das Video von dessen Festnahme im vergangenen Mai aufgenommen hatte. «Ich bin nächtelang wach geblieben und habe mich bei George Floyd entschuldigt, dass ich nicht mehr getan habe», sagte Darnella Frazier am Dienstag (Ortszeit) vor Gericht. Sie wisse aber, «das ist nicht was ich hätte tun sollen, das ist was er hätte tun sollen», sagte sie an den Angeklagten Derek Chauvin gewandt.

Sie habe nur wenige Meter von Floyd entfernt gestanden und angeboten, dem sterbenden Mann zu helfen. «Die Polizeibeamten liessen mich nicht an den Tatort», sagte Hansen vor Gericht und kämpfte mit den Tränen.

Hansen ist eine Feuerwehrfrau, die zum Zeitpunkt der Tat in zivil in Minneapolis unterwegs war. «Es wurde ein Mann getötet», sagte die 27-Jährige. «Und ich hätte in der Lage sein können, nach besten Kräften medizinische Hilfe zu leisten, und diesem Menschen wurde dieses Recht verweigert.» Sie erinnere sich daran, den Beamten angeboten zu haben, sie durch die Reanimation zu führen, doch auch das sei abgelehnt worden. «Völlig verzweifelt», sagte sie unter Tränen, als sie gefragt wurde, was sie fühlte, als Chauvin ihre Bitten weiterhin ignorierte. «Ich wollte unbedingt helfen.»

Der Ex-Polizist Chauvin hatte am 25. Mai 2020 dem wegen eines mutmasslich falschen 20-Dollar-Scheins festgenommenen Floyd minutenlang das Knie in den Nacken gedrückt, obwohl dieser mehrfach klagte, er bekomme keine Luft. Floyds auf dem Handyvideo festgehaltener Tod löste in den USA beispiellose Proteste der Black-Lives-Matter-Bewegung gegen Rassismus und Polizeigewalt aus. «Ich habe einen schwarzen Vater, ich habe einen schwarzen Bruder», sagte Frazier vor Gericht. «Es hätte einer von ihnen sein können».

Anklage wegen Mordes und Totschlags

Zum Auftakt des Prozesses am Montag waren Freunde und Angehörige des Afroamerikaners acht Minuten und 46 Sekunden vor dem Gerichtsgebäude in Minneapolis niedergekniet, was exakt der Zeit entsprach, die Chauvin Floyd sein Knie in den Nacken drückte.

Chauvin ist vor dem Gericht im US-Bundesstaat Minnesota wegen Mordes und Totschlags angeklagt. Dem 44-Jährigen drohen bis zu 40 Jahre Haft, falls er für den am schwersten wiegenden Vorwurf, «Mord zweiten Grades», verurteilt wird. Da die Öffentlichkeit aufgrund der Corona-Pandemie nicht an der Verhandlung teilnehmen kann, wird diese im Internet übertragen. Es wird erwartet, dass der Prozess etwa einen Monat lang dauert.

Drei weitere ehemalige Polizeibeamte sind ebenfalls im Zusammenhang mit dem Tod von Floyd angeklagt worden. Sie sollen zu einem späteren Zeitpunkt einzeln vor Gericht gestellt werden.

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quelle: keystone / john minchillo
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