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President Donald Trump listens as California Gov. Gavin Newsom speaks during a briefing at Sacramento McClellan Airport, in McClellan Park, Calif., Monday, Sept. 14, 2020, on the western wildfires. (AP Photo/Andrew Harnik)
Donald Trump

Donald Trump im Gespräch mit Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom. Bild: keystone

Brände in den USA schüren Angst vor Klimawandel – und Trump so: «Es wird wieder kühler»

Die Brände historischen Ausmasses schüren die Ängste vor den Folgen des Klimawandels. US-Präsident Donald Trump sieht die Gründe allerdings woanders.

denise sternberg, lena klimkeit / dpa



Komplett niedergebrannte Häuser, zerstörte Autos, verkohlte Natur: Wo die Feuer im Westen der USA bereits gewütet haben, ist wenig übrig geblieben. Allein in Kalifornien kamen 24 Menschen ums Leben, wie Gouverneur Gavin Newsom am Montag sagte. Elf weitere starben laut US-Medien in Oregon und Washington. Zehntausende sind auf der Flucht. Die Bevölkerung fürchtet sich vor den Folgen des Klimawandels. Nicht so Trump.

Bei einem Besuch in Kalifornien bemängelte der Republikaner das aus seiner Sicht schlechte Forstmanagement, was er auch schon in den vergangenen Jahren als Grund für die Ausmasse der Waldbrände anführte. Die Bedrohung durch den Klimawandel spielte er bei einem Treffen mit Einsatzkräften und Vertretern von Newsoms Regierung herunter.

«Es wird anfangen, kühler zu werden, schauen Sie einfach zu», sagte Trump zu dem kalifornischen Minister Wade Crowfoot. Crowfoot entgegnete: «Ich wünschte, die Wissenschaft würde Ihnen zustimmen.» Trump erwiderte: «Nun, ich denke nicht, dass die Wissenschaft es wirklich weiss.» Crowfoot hatte zuvor angemahnt, dass der Klimawandel anerkannt und mit der Wissenschaft zusammengearbeitet werden müsse.

Die Szene im Video:

Konsens in Wissenschaft

Wissenschaftler sehen es als erwiesen an, dass die Klimakrise Wetterextreme wie Trockenheit und Hitze verschärft, die zu heftigeren Waldbränden beitragen können. Trump hat sich in der Vergangenheit mehrfach skeptisch geäussert, ob es den Klimawandel überhaupt gibt und falls ja, ob er vom Menschen verursacht ist. Seine Regierung hat viele Vorschriften im Bereich des Umweltschutzes aufgeweicht und setzt sich unter anderem auch mit Nachdruck für die Förderung von Kohle und Öl ein. Über Windräder macht Trump sich dagegen lustig.

Anstatt seine Politik auf wissenschaftliche Erkenntnisse zu stützen, betätige sich Trump als «Klima-Brandstifter», sagte der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden in Wilmington im Bundesstaat Delaware. Obwohl der «Westen im wahrsten Sinne des Wortes in Flammen steht», verleugne Trump weiter den Klimawandel.

Gouverneure schlagen Alarm

Die Gouverneure der betroffenen Bundesstaaten schlagen Alarm. Newsom betonte, der Klimawandel sei real. «Das ist ein Weckruf, dass wir alles tun müssen, was wir können, um den Klimawandel zu bekämpfen», sagte Oregons Gouverneurin Kate Brown am Sonntag beim TV-Sender CBS. Washingtons Gouverneur Jay Inslee beklagte beim Sender ABC, dass «während die gesamte Westküste der Vereinigten Staaten in Brand steht», der Präsident leugne, dass es sich dabei nicht nur um Waldbrände, sondern um «Klimabrände» handele.

«Das ist ein Weckruf, dass wir alles tun müssen, was wir können, um den Klimawandel zu bekämpfen.»

Kate Brown

FILE - In this March 16, 2020, file photo, Oregon Gov. Kate Brown speaks at a news conference in Portland, Ore., to announce a four-week ban on eat-in dining at bars and restaurants, due to COVID-19, throughout the state. As she was putting the finishing touches on a reopening plan in May, Oregon Gov. Kate Brown received a letter from a coalition of business groups pressing for more say in the process. (AP Photo/Gillian Flaccus, File)
Kate Brown

Oregons Gouverneurin Kate Brown. Bild: keystone

Mehr als 30'000 Feuerwehrleute und Helfer sind im Einsatz, um der Flammen Herr zu werden. Schon jetzt sind laut Behörden rund 19'000 Quadratkilometer Land verkohlt, was fast der Hälfte der Fläche von der Schweiz entspricht. In Oregon sind rund 4000 Quadratkilometer Waldfläche abgebrannt – doppelt so viel wie in einem durchschnittlichen Jahr. Die Flammen bedrohen nicht nur Hab und Gut, sondern die Gesundheit der Menschen.

«In unserer Region herrscht derzeit die schlechteste Luftqualität der Welt», sagte die Gesundheitsbeauftragte vom Clackamas County südöstlich der Stadt Portland im US-Bundesstaat Oregon, Sarah Present, am Sonntag (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz. «Es ist nicht nur ungesund, sondern liegt im gefährlichen Bereich.»

Szenen wie aus einem Katastrophenfilm

Seit Tagen vernebelt Rauch die Sicht in Teilen des US-Westens, bedeckt den Himmel und färbt diesen teilweise rötlich. Fotos sehen aus, als wären sie mit einem Filter bearbeitet worden.

In this photo provided by Frederic Larson, the Golden Gate Bridge is seen at 11 a.m. PT amid a smoky, orange hue caused by the ongoing wildfires, Wednesday, Sept. 9, 2020, in San Francisco. (Frederic Larson via AP)

Die Golden Gate Bridge bei San Francisco am 9. September. Bild: keystone

Menschen berichteten von Ascheflocken. Für Montag gab die US-Wetterbehörde Warnungen für mehrere Gebiete an der Westküste heraus. Starke Winde und hohe Temperaturen könnten die Flammen weiter schüren, hiess es. Etwas feuchtere Luft in den kommenden Tagen könne aber bei der Eindämmung der Feuer helfen.

In Oregon haben Flammen die Kleinstadt Detroit nahezu komplett zerstört, wie CNN berichtete. Dort stünden nur noch etwa zwei Dutzend Gebäude. Mehrere Feuerwehrleute im Ort hätten ihr eigenes Zuhause verloren und kämpften nun für den Schutz der verbliebenen Häuser. Anwohnerin Elizabeth Smith sagte dem Sender, ihr Haus sei vollkommen zerstört worden. «Es sieht aus, als sei eine Bombe explodiert.»

«Es war noch nie so heiss, es war noch nie so verraucht in all den Jahren, in denen ich hier lebe.»

In Kalifornien gilt die vermutlich noch wochenlange Waldbrandsaison bereits jetzt als die schlimmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Was man dort sehe, seien Ereignisse, bei denen man klar sagen könne, dass der Klimawandel sie verschlimmert habe, sagte der Klima-Experte Zeke Hausfather der Denkfabrik Breakthrough Institute der «Los Angeles Times». «Leute, die seit 30, 40 Jahren in Kalifornien leben, sagen, es ist beispiellos, es war noch nie so heiss, es war noch nie so verraucht in all den Jahren, in denen ich hier lebe.»

Die von den Bränden im Westen der USA verursachten Partikelwolken sind auch in Los Angeles sichtbar. Die Partikel wurden von Windströmungen auch nach Europa getragen. (Themenbild)

Die von den Bränden im Westen der USA verursachten Partikelwolken sind auch in Los Angeles sichtbar. Bild: sda

Ländliche und bewaldete Gebiete sind in den drei Bundesstaaten besonders betroffen. Doch auch Millionen Menschen in den Grossstädten an der Westküste – darunter Los Angeles, San Francisco, Seattle und Portland – bekommen die Auswirkungen zu spüren. Dort verschlechtert der Rauch die Luftqualität ebenfalls dramatisch. Die vier US-Metropolen befinden sich nach Informationen der Webseite IQAir unter den Top-Ten der Städte mit der weltweit gravierendsten Luftverschmutzung. Portland steht an erster Stelle. (sda/dpa)

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Die USA brennen

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