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Wikileaks founder Julian Assange leaves in a prison van after appearing at Westminster Magistrates Court, for an administrative hearing in London, Monday, Jan. 13, 2020. Assange made a brief court appearance Monday in his bid to prevent extradition to the United States to face serious espionage charges. (Dominic Lipinski/PA Wire via AP)

Wikileaks-Gründer Julian Assange: Bei der am Montag beginnenden Anhörung entscheidet sich seine Zukunft. Bild: AP

Vater von Wikileaks-Gründer Assange: «Die Schweiz wird Julian ein Visum anbieten»

John Shipton, der Vater von Julian Assange, spricht im Interview über Asyl in der Schweiz und den schlechten Gesundheitszustand des Whistleblowers.

Stefan Schocher aus Wien / ch media



Am kommenden Montag beginnt in London die Anhörung, die über die Zukunft von Julian Assange entscheidet. Die US-Justiz hat einen Auslieferungsantrag für den Wikileaks-Gründer gestellt. Assange soll mitgeholfen haben, geheimes Material über US-Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan zu veröffentlichen. Wird er verurteilt, drohen ihm bis zu 175 Jahre Haft. Assanges Vater, John Shipton, sagt im Gespräch, warum sein Sohn am ehesten in der Schweiz Asyl finden könnte.

Sie sind derzeit in Europa unterwegs und treffen sich mit Politikern. Was erwarten Sie von Ihren Treffen?
John Shipton: Ich werde für Julian eintreten und klar machen, dass es einen historischen Wandel in Europa gibt: Für freie Meinungsäusserung und freien Austausch in der europäischen Gemeinschaft. Es gibt eine anschwellende Unterstützung für Julian.

Promis demonstrieren für Assange

Kurz vor Beginn der Anhörung des Wikileaks-Gründers Julian Assange haben Prominente am Samstag auf einem Protestmarsch in London dessen Freiheit gefordert. Sie demonstrierten gegen die mögliche Auslieferung des gebürtigen Australiers an die USA.Zu den Teilnehmern gehörten der Musiker und Produzent Brian Eno, Roger Waters (Pink Floyd), Chrissie Hynde (The Pretenders), die Rapperin M.I.A. und der frühere griechische Finanzminister Gianis Varoufakis. Der Protestzug endete in der Nähe des Parlaments. (sda)

In welchem Land sehen sie denn die grössten Chancen auf Asyl für ihren Sohn?
Fangen wir doch in der Mitte an: der Schweiz. Die Schweiz wird Julian ein humanitäres Visum anbieten. Das ist die erste offizielle Anerkennung, und sehr wichtig. Auch in Frankreich wird es einen Versuch geben. Im absoluten Herzen Europas zu sein, würde bedeuten, in der Schweiz zu sein. Er kann sich dort von den Folgen seiner Folter erholen. Und er kann von dort aus Gastprofessuren in ganz Europa annehmen. Es wäre eine sehr feine Sache für Europa, eine Stimme wie Julian im Herzen Europas sitzen zu haben. Ich selbst lebe in Melbourne – und hätte es natürlich gerne, würde Julian eine Strasse weiter leben und auf eine Tasse Tee oder Kaffee vorbeikommen.

epaselect epa08061633 John Shipton, father of WikiLeaks founder Julian Assange, poses for a portrait in Brisbane, Australia, 11 December 2019. Shipton is in Brisbane to speak on his son's condition and prospects of being extradited to the USA to face espionage charges.  EPA/GLENN HUNT AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT

John Shipton, Vater von Julian Assange, kämpft für seinen Sohn. Bild: EPA

«Sein Gesundheitszustand ist ein Problem nach neun Jahren zunehmender psychologischer Folter.»

Was ist denn das Ziel Ihrer Mission?
Ich bin gerade in Wien, um mich mit dem Aussenministerium zu treffen, um hier für Beistand für Julian zu werben. Damit Österreich Teil dieser globalen Bewegung wird, die sich wünscht, dass Julian frei kommt – als Ikone der Unterdrückung von Journalisten und Publizisten. Das wird passieren. Aber Unterdrückung wird passieren, wenn Julian an die USA ausgeliefert wird. Das hiesse, dass jeder Bürger Europas, der seine Regierung in den Beziehungen zu den USA verstehen will, vor Gericht gestellt und ausgeliefert werden kann. Die Unterdrückung von Journalisten ist ein globales Problem. Wenn es nicht jetzt gelöst wird, dann wird es den Geschmack und den Geruch des kommenden Jahrhunderts bestimmen.

«Julian ist ein feinfühliger Mensch aber eben einer mit einem sehr starken Willen.»

Wie ist der gesundheitliche und mentale Zustand Julian Assanges?
Ich kann seinen mentalen zustand nicht kommentieren. Ich kann nur meinen eigenen mentalen zustand kommentieren. Sein Gesundheitszustand ist ein Problem nach neun Jahren zunehmender psychologischer Folter, wie sie Nils Melzer (UNO-Sonderberichterstatter über Folter, Anm.d.Red.) in seinem Bericht hervorgehoben hat. Julian ist ein Intellektueller, ein feinfühliger Mensch. Und er sitzt in einem Hochsicherheitsgefängnis zusammen mit Terroristen und Mördern; ein feinfühliger Mensch aber eben einer mit einem sehr starken Willen.

Was erwarten sie von der Auslieferungsanhörung am Montag?
Ich arbeite jeden Tag, wie wir alle, für Julians Freiheit – in Erwartung eines eventuellen Erfolgs. Aber ich nehme jeden Tag, wie er kommt.

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