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Boris Johnson bietet 3 Millionen Hongkongern Staatsbürgerschaft an – China reagiert heftig

Aus Protest gegen das neue Sicherheitsgesetz bietet die ehemalige Kolonialmacht Grossbritannien Millionen ehemaliger Untertanen in Hongkong die Einbürgerung an. China will sich dem Plan widersetzen.



Nach dem Erlass eines scharfen Gesetzes zum Schutz der nationalen Sicherheit in Hongkong ist ein heftiger Streit zwischen China und Grossbritannien über den Umgang mit den ehemaligen britischen Untertanen entbrannt.

So stösst das Angebot des britischen Premierministers Boris Johnson, bis zu drei Millionen Bewohnern der ehemaligen britischen Kronkolonie eine Einbürgerung in Aussicht zu stellen, in Peking auf heftigen Widerstand.

epa08520120 British Prime Minister Boris Johnson leaves 10 Downing Street to attend Prime Ministers Questions (PMQs) at the Houses of Parliament, Central London, Britain, 01 July 2020.  EPA/WILL OLIVER

Grossbritanniens Premierminister Boris Johnson. Bild: keystone

Bei ungenehmigten Protesten gegen das Sicherheitsgesetz wurden am Mittwoch in Hongkong mehr als 370 Personen festgenommen, wie die Polizei berichtete. Zehn seien wegen Verstössen gegen das neue Dekret in Haft genommen worden.

Es war zum 23. Jahrestag der Rückgabe Hongkongs an China am Mittwoch in Kraft getreten. Das weitreichende und vage formulierte Gesetz aus Peking richtet sich gegen Separatismus, Untergrabung der Staatsgewalt, Terrorismus und «geheime Absprachen» mit chinafeindlichen Kräften im Ausland.

Aus Protest gegen das Gesetz bestellte die britische Regierung den chinesischen Botschafter Liu Xiaoming in London ins Aussenministerium ein. Aussenminister Dominic Raab warf der kommunistischen Führung in Peking vor, mit dem Gesetz die bisher garantierten Freiheiten in Hongkong zu strangulieren. «Das ist ein schwerwiegender und zutiefst beunruhigender Schritt», sagte Raab im Parlament in London.

China sprach hingegen von einer Einmischung Grossbritanniens in innere Angelegenheiten und widersetzt sich den britischen Plänen, Millionen Hongkongern die Einbürgerung zu ermöglichen. «Alle Landsleute, die in Hongkong wohnen, sind chinesische Staatsbürger», hatte Aussenamtssprecher Zhao Lijian schon zuvor betont.

Einbürgerung für Menschen aus Hongkong

Bislang können sich Bürger Hongkongs bis zu sechs Monate ohne Visum in Grossbritannien aufhalten, wenn sie den Status eines British National Overseas (BNO) haben. Derzeit haben rund 350'000 Hongkonger einen solchen Ausweis.

Theoretisch wären aber knapp drei Millionen berechtigt, einen derartigen Pass zu beantragen. Sie sollen nach dem Angebot künftig sogar bis zu fünf Jahre in Grossbritannien bleiben und arbeiten dürfen – mit Aussicht auf Einbürgerung.

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Bereitschaftspolizisten verhaftet eine Demonstrantin während einer Demonstration im Einkaufsviertel Causeway Bay. Bild: Vincent Yu/AP/dpa

China betrachtet den BNO-Pass allerdings nur als «Reisedokument», das kein längeres Aufenthaltsrecht in Grossbritannien ermöglichen dürfe. Das britische Angebot verstosse gegen Vereinbarungen zwischen China und Grossbritannien, wonach es kein Bleiberecht für Besitzer eines BNO-Passes geben solle, zitierte die chinesische Zeitung «Global Times» einen Sprecher der chinesischen Botschaft in London.

Sollte die britische Seite darauf beharren, einseitig die betreffende Praxis zu ändern, wäre es eine Verletzung eingegangener Verpflichtungen und internationalen Rechts. Das britische Angebot an die Hongkonger stimme auch nicht «mit dem Geist der chinesisch-britischen gemeinsamen Erklärung» für die Rückgabe der Kronkolonie an China überein, wurde der Sprecher zitiert.

Internationale Kritik am Sicherheitsgesetz

Das neue Sicherheitsgesetz war in Hongkong und international auf scharfe Kritik gestossen. Es gibt Chinas Staatssicherheitsorganen weitreichende Vollmachten in der eigentlich autonomen chinesischen Sonderverwaltungsregion.

Obwohl den sieben Millionen Hongkongern beim Souveränitätswechsel 1997 Freiheitsrechte und Autonomie garantiert worden waren, können chinesische Staatssicherheitsorgane in Hongkong künftig eigenmächtig Ermittlungen ausführen und Rechtshoheit ausüben.

Der britische Premierminister Boris Johnson sah einen «deutlichen und ernsten Bruch» der «Gemeinsamen Erklärung» mit China über die Rückgabe Hongkongs. Das Gesetz verletze Hongkongs Autonomierechte und stehe im Widerspruch zum Grundgesetz der Sonderverwaltungszone, sagte Johnson. Es sieht als Höchststrafe lebenslange Haft vor, wendet sich auch gegen Ausländer und ermöglicht Auslieferungen nach China.

Bei den Protesten am Mittwoch in Hongkong wurden auch sieben Polizisten verletzt. Ein Beamter sei sogar mit einer Stichwaffe verletzt worden, berichtete die Polizei. Wie die «South China Morning Post» berichtete, wurde der 24-jährige Angreifer später vor dem Abflug nach Grossbritannien an Bord eines Flugzeuges festgenommen. (sda/dpa)

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