International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Police detain protestors during the demonstration in Hong Kong, Sunday, Sept. 29, 2019.  Riot police fired tear gas Sunday after a large crowd of protesters at a Hong Kong shopping district ignored warnings to disperse in a second straight day of clashes, sparking fears of more violence ahead of China's National Day. (AP Photo/Kin Cheung) (AP Photo/Kin Cheung)

Die Gewalt bei den Protesten in Hongkong scheint sich inkrementell zu verstärken. Bild: AP

Proteste in Hongkong erneut von Gewalt überschattet



In Hongkong sind die angekündigten mehrtägigen Proteste der Demokratiebewegung von Gewalt überschattet worden. Die Polizei setzte am Wochenende wiederholt Tränengas und Wasserwerfer gegen radikale Aktivisten ein. Diese bewarfen die Sicherheitskräfte mit Steinen und Brandsätzen.

In friedlichen Massenkundgebungen gingen derweil erneut zehntausende Bürger der chinesischen Sonderverwaltungszone auf die Strasse. Nach Grosskundgebungen am Freitag und Samstag hatten Hongkonger Aktivisten für Sonntag zu erneuten Demonstrationen aufgerufen.

Im Einkaufsviertel Causeway Bay wurden mehrere Menschen angehalten, durchsucht und festgenommen. Die Beamten wurden daraufhin von wütenden Demonstranten bedrängt, die in Sprechchören unter anderem «Korrupte Polizisten» riefen.

«Die Menschen sind gerüstet für einen langen Kampf»

Auf einen Flaschenwurf antwortete die Polizei mit Tränengas. Trotzdem setzte sich kurz darauf ein Protestzug mit mehreren tausend Teilnehmern in Bewegung.

Zehntausende waren bereits am Samstag anlässlich des fünften Jahrestags der «Regenschirm-Proteste» auf die Strasse gegangen. Am Abend versammelten sich die Demonstranten in einem Park neben dem Stadtparlament.

Einige radikale Demonstranten begannen Steine und Molotow-Cocktails zu werfen. Als die Polizei mit einem Wasserwerfer sowie Tränengas und Pfefferspray reagierte, lösten sich die Gruppe schnell auf.

Achtung: Das Video ist nichts für schwache Nerven!

Erinnerung an Regenschirmproteste

Die Szenen erinnerten stark an die «Regenschirm-Proteste»: Nicht nur fanden sie an der gleichen Stelle statt, sondern sie wurden auch durch das Vorgehen der Polizei gegenüber den Demonstranten angestachelt. Verglichen mit den Demonstrationen in diesem Sommer waren die «Regenschirm-Proteste» insgesamt jedoch gemässigter.

Die «Regenschirm-Bewegung» hatte 2014 wochenlang für freie Wahlen in Hongkong demonstriert und den Grundstein für die derzeitigen Proteste gelegt. Den Namen bekam sie durch die allgegenwärtigen Regenschirme, die die studentischen Demonstranten damals zum Schutz gegen die Polizei verwendeten.

«Die Menschen sind gerüstet für einen langen Kampf», sagte die Demonstrantin Yuan, die die «Regenschirm-Proteste» vor fünf Jahren noch weitgehend aus der Ferne beobachtet hatte. Das Verhalten der Polizei sei ein Auslöser für die Leute, jetzt auf die Strasse zu gehen, erklärte die 29-jährige Ingenieurin.

Police fire blue-colored liquid on protestors in Hong Kong, Saturday, Sept. 28, 2019. Protesters streamed onto a main road nearby and some targeted government buildings that were barricaded. Police initially used a hose to fire pepper spray after some demonstrators threw bricks. A water cannon truck later fired a blue liquid, used to identify protesters, after protesters lobbed gasoline bombs through the barriers. (AP Photo/Vincent Thian)

Die Polizei setzte eine blaue Flüssigkeit gegen die Demonstranten ein – um die Demonstranten zu markieren. Bild: AP

Solidaritäts-Kundgebungen

Die Demokratiebewegung hatte am Freitag mit den vorerst auf vier Tage angelegten Demonstrationen begonnen. Die Aktivisten wollen vor den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China am Dienstag ein Zeichen gegen Peking setzen. Für Montag planten Studenten einen eintägigen Streik. Für Dienstag riefen sie die Hongkonger auf, sich als Zeichen der Trauer in schwarz zu kleiden.

Aus Solidarität mit der Protestbewegung in Hongkong demonstrierten jeweils rund tausend Menschen in der australischen Metropole Sydney und Taiwans Hauptstadt Taipeh. Auch in Europa und Nordamerika waren Kundgebungen vorgesehen.

Pro-China supporters wave Chinese national flags at the Peak in Hong Kong Sunday, Sept. 29, 2019. Hundreds of pro-Beijing supporters sang Chinese national anthem and waved red flags ahead of China's National Day, in a counter to months-long pro-democracy protests viewed as a challenge to Beijing's rule. (AP Photo/Vincent Yu)

Auch Pro-China Proteste fanden am Wochenende in Hongkong statt. Bild: AP

Die Aktivisten der Demokratiebewegung in Hongkong gehen seit mehr als drei Monaten gegen die Einschränkung demokratischer Rechte durch China auf die Strasse. Die Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungszone hatten sich anfänglich gegen ein geplantes Gesetz gerichtet, das Überstellungen von Verdächtigen an Festland-China vorsah.

Unter dem Druck der Demonstranten zog die Regierungschefin Carrie Lam das Gesetz zurück. Mittlerweile richten sich die Proteste aber generell gegen die pekingtreue Führung in Hongkong und die Beschneidung der Demokratie. (mim/sda/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Hongkong: Neuste Bilder der Proteste und vom Generalstreik

«Hongkong ist das neue Berlin in einem neuen Kalten Krieg»

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Härtere Linie gegenüber China: Die Peking-Kritiker im Bundeshaus formieren sich

Politiker von SP bis SVP schliessen sich einem internationalen Bündnis an, das sich Chinas wachsendem Einfluss entgegenstellt. Dabei sind auch prominente Parlamentarier.

Menschenrechte oder Wirtschaftsinteressen? Freiheitliche Werte oder totalitäre Züge? Geht es um China, steht die Schweiz in einem schwierigen Spannungsfeld. Als erstes Land Kontinentaleuropas hat sie mit der Volksrepublik ein Freihandelsabkommen unterzeichnet, und die Kontakte in der Unternehmenswelt gelten bis auf die obersten Stufen als hervorragend. China ist der drittwichtigste Handelspartner der Schweiz.

Doch die erhoffte politische Öffnung im Reich der Mitte blieb aus. Offensive …

Artikel lesen
Link zum Artikel