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Minneapolis will seine Stadtpolizei abschaffen – und ist damit nicht allein

Ganz Amerika diskutiert über seine Polizeieinheiten. Die Stadt Minneapolis plant derweil bereits Drastisches.

Renzo Ruf aus Washington / ch media



Minneapolis prescht vor. Neun des derzeit 12 Mitglieder zählenden Parlaments der grössten Stadt im Bundesstaat Minnesota gaben am Wochenende das Versprechen ab, die Stadtpolizei (Minneapolis Police Department oder MPD) abzuschaffen.

Die Behörde, die mehr als 1100 Personen beschäftigt, könne weder reformiert noch zur Verantwortung gezogen werden, sagten die Stadtparlamentarier während eines gemeinsamen Auftritts. Deshalb sei nun die Zeit gekommen, sich Gedanken über eine «polizeifreie Zukunft» zu machen, wie auch immer diese aussehen werde.

Alondra Cano, a City Council member, speaks during

Alondra Cano, Mitglied des Stadtparlaments von Minneapolis, hält am 7. Juni 2020 eine Rede zum Thema finanzielle Einschränkung der Polizei. Bild: keystone

Dieser doch recht radikale Vorstoss – der von acht demokratischen und einem grünen Abgeordneten unterstützt wird – ist eine der zahlreichen Ideen, mit denen Lokalpolitiker im ganzen Land in den vergangenen Tagen auf die anhaltenden Proteste gegen Polizeigewalt reagiert haben.

Minneapolis war der eigentliche Auslöser dieser Demonstrationen, starb der 46 Jahre alte George Floyd doch vor zwei Wochen in Gewahrsam von vier MPD-Polizisten. Der Hauptverantwortliche dieser Tötung, der mittlerweile entlassene Polizist Derek Chauvin, wurde am Montag erstmals nach der Anklageerhebung einem Richter vorgeführt.

Vorwurf: Gewalt besonders gegen Afroamerikaner

Aktivisten werfen gewissen Einheiten der Polizei von Minneapolis schon lange Brutalität im Umgang mit Afroamerikanern und anderen Bevölkerungsminderheiten vor.

Der Vorstoss von basisdemokratischen Gruppierungen wie «Black Visions Collective», der Stadtpolizei zuerst die finanziellen Mittel zu streichen und sie dann aufzulösen, stösst aber auch unter linken Bewohnern von Minneapolis auf Widerstand. So sagte Stadtpräsident Jacob Frey: Die Menschen seien auch weiterhin auf Ordnungshüter angewiesen, zum Beispiel, wenn sie Opfer häuslicher Gewalt würden.

Frey trete deshalb für Reformen ein, um etwa die Macht der Polizeigewerkschaften zu brechen. Eine Abschaffung aber gehe ihm zu weit, sagte er.

Einen konfrontativeren Kurs schlug hingegen Bill de Blasio ein, der Stadtpräsident von New York City. Der Demokrat gab am Wochenende bekannt, dass er dem New York Police Department (NYPD) die Mittel kürzen werde. Im aktuellen Jahr beläuft sich das Budget der Polizei in der grössten Stadt Amerikas auf 6 Milliarden Dollar oder umgerechnet über 6 Prozent sämtlicher städtischer Ausgaben.

De Blasio sagte, er werde sich dafür einsetzen, dass künftig mehr Geld für die Jugendarbeit und die Sozialdienste ausgegeben werde.

Trump-Sprecherin warnt vor landesweiter Anarchie

Die New Yorker Stadtpolizei beschäftigt mehr als 36'000 uniformierte Polizisten. 300 Ordnungshüter waren in den vergangenen Tagen verletzt worden, als die meist friedlichen Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus eskalierten. Das Boulevardblatt «New York Post» warf de Blasio vor, die Polizei «verraten» zu haben.

epa08473519 White House Press Secretary Kayleigh McEnany speaks during a news conference in the James S. Brady Press Briefing Room at the White House in Washington, DC, USA, on 08 June 2020. McEnany stated that United States President Donald J. Trump is against defunding police departments, after the death of George Floyd in police custody has pushed cities across the United States to consider doing so.  EPA/Stefani Reynolds / POOL

Kayleigh McEnany, Sprecherin des Weissen Hauses an einer Pressekonferenz vom 8. Juni 2020: US-Präsident Donald Trump ist gegen eine finanzielle Einschränkung der Polizei. Bild: keystone

Präsident Donald Trump scheint der Meinung zu sein, dass er von dieser Debatte politisch profitieren wird. Am Montag warf er dem Gegner vor, den Verstand verloren zu haben. Im Zentrum seiner Politik stünden «Ruhe und Ordnung», schrieb der Republikaner auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Und eine Wahlkampfsprecherin sagte, die Abschaffung der Polizei werde zu einer landesweiten Anarchie führen.

Die amerikanische Bevölkerung unterstützt gemäss aktuellen Meinungsumfragen eine Reform der Polizeiarbeit aber im Grundsatz. So sagten 59 Prozent der Amerikaner, die Tötung von George Floyd durch die Polizei habe sie stärker verstört als die anschliessenden gewalttätigen Auseinandersetzungen in Amerikas Grossstädten.

Rund 27 Prozent sagten gemäss einer Umfrage des Fernsehsenders NBC und der Zeitung «Wall Street Journal», die Proteste hätten sie stärker betroffen gemacht als der Tod von George Floyd. (bzbasel.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Beeee 09.06.2020 13:26
    Highlight Highlight Polizei abschaffen geht für mich in die falsche Richtung.
  • Rundlauf 09.06.2020 12:57
    Highlight Highlight Ohne Polizei? Dafür Nachbarschaftshilfe und nichtpolizeiliche (moralische) Instanzen, die für ein friedliches Nebeneinander garantieren?

    Die Polizei gab's ja nicht schon immer, sondern entstand auch aus so einer vorpolizeilichen Gesellschaft heraus. Zurückschrauben (vA in den USA) mag sinnvoll sein, aber früher oder später landet man sonst einfach wieder bei einer neuen Polizei.

    Ist niemand da, der Gesetze forciert, öffnet das Tür und Tor für mafiöse Machenschaften. Da spielt man den Ball einfach den "ich nehm' mir was ich will"-Menschen zu. Die Welt ist zu wenig gut für keine Poliziei.
  • dillinger 09.06.2020 10:46
    Highlight Highlight Klar muss in den USA etwas geschehen, aber ist eine Budgetkürzung nicht eher kontraproduktiv? Sinnvoller wären doch mehr Mittel, damit die Ausbildung stark verbessert wird und durch mehr Polizisten der Stress minimiert wird. Oder glaubt wirklich jemand, dass diese tragischen Vorfälle nur zustande kommen, weil die Polizisten einfach Rassisten sind? Es mag zwar sicher eine Ursache sein, jedoch ist Überforderung durch schlechte Ausbildung und Stress sicher auch eine. Wenn man nun noch die Mittel streicht, besänftigt man vielleicht den Twitter Mob, läuft aber Gefahr, dass es noch schlimmer wird.
    • Wiedergabe 09.06.2020 11:28
      Highlight Highlight Nein, weil es nicht nur Budgetkürzungen sondern auch ein Abbau von Aufgaben (reduziertes Einsatzspektrum) einhergeht. Und diese 'gewaltfreieren' Aufgaben einer Institution zu übergeben, die nicht ein seit Jahrzehnten belastetes Verhältnis mit der Bevölkerung hat.
  • Quo Vadis 09.06.2020 08:02
    Highlight Highlight Defund the police... Ich finde es toll dass die nun in die Realität umgesetzt wird. Mehr Geld in Sozialausgaben und weniger in Polizei.

    Mein erster Gedanke ist, dass Regenbogen und Einhörner auf knallharte Gangs treffen. Die Gangs wirds freuen wenn weniger Polizei rummarschiert und ich kann mir kaum vorstellen, dass man sich durch Sozialarbeit ein Leben im Gangruhm, 'Ehre' und schnellem Geld absprechen wird, und stattdessen die Kariere des Burgerbraters ins Auge fasst.

    Bitte einfach ehrlich sein am Schluss und zugeben wenn ihr gescheitert seid. Nicht a la: "..ja es war eben kein echter....."
    • Wiedergabe 09.06.2020 09:33
      Highlight Highlight Es geht nicht darum, dass es keine Polizeieinheiten mehr geben soll, die es mit Schwerverbrechern zu tun haben.
      Aber müssen wirklich 4 bewaffnete Cops eine unbewaffnete Person mit dem Knie im Nacken festhalten?
      Gibt es da nicht andere Formen solche Alltagssituationen ohne Gangbeteiligung zu lösen?!
      Wenn sie sich den Polizeialltag nur aus Bande Bekämpfung vorstellen, sollten sie vielleicht weniger TV schauen..
    • Quo Vadis 09.06.2020 10:01
      Highlight Highlight Wiedergabe: Ich habe auch nicht behauptet dass es KEINE Polizeieinheiten mehr geben soll - ich schrieb über WENIGER Ausgaben bei der Polizei.

      Anbei eine Liste von Gruppierungen die sich ganz bestimmt vor einer Horde von Sozialarbeitern fürchten. https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_gangs_in_the_United_States
    • Quo Vadis 09.06.2020 10:53
      Highlight Highlight Anhang: "Aber müssen wirklich 4 bewaffnete Cops eine unbewaffnete Person mit dem Knie im Nacken festhalten?"

      Nein, müssen sie nicht. Deswegen schreibe ich ja die ganze Zeit dass die Polizei ein Problem mit gewissen Polizisten hat, die ihren Job äusserst unprofessionell machen. Dies muss NICHT zwingend einen rassistischen Hintergrund haben, da ja jedes Jahr mehr Weisse als Schwarze durch die Polizei umgebracht werden.

      Dass die Ausbildung zum Polizisten sowie die Personalauswahl in den USA überdacht werden sollte, dürfte wohl jedem einleuchten. Chauvin gehört vor Gericht PUNKT.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Bee89 09.06.2020 07:13
    Highlight Highlight Alle die sich fragen, ja aber herrrscht dann Anarchie? Nein!! Natürlich nicht.
    Bitte schaut euch das Video von John Oliver an, er erklärt die Problematik sehr gut (und gewohnt mit kleinen Lachern). Das Video ist 30 Minuten lang, aber jede Minute wert (Um das Thema Defund the Police gehts ca. ab Min 24:50 wen nur das interessiert)
    Play Icon
    • just sayin' (haters will be ignored) 09.06.2020 10:11
      Highlight Highlight @Bee89

      em... john oliver ist komiker.
      wenn du da neutrale berichterstattung erwartest...

      https://de.wikipedia.org/wiki/John_Oliver_(Komiker)
    • bruuslii 09.06.2020 10:13
      Highlight Highlight ich habe das video geschaut. oliver sagt nirgends, dass die polizei abgeschafft werden soll.

      er bemängelt die budgetierung.

      aus dem gedächtnisprotokoll:
      während ein sozialprojekt mit 15'000$ von polizisten als rausgeschmissenes geld betrachtet wird, wird für die polizeiarbeit ca. 190mio$ ausgegeben.

      oliver sagt lediglich, dass man mit sozialprojekten die ursachen bekämpft und WENIGER (defund) für polizeiarbeit ausgeben muss.

      die polizeigewerkschaften wehren sich mit händen und füssen dagegen und nehmen derweil fehlbare polizisten in schutz.

      deine zeitangabe ist übrigens falsch-> min 27.00
    • Bee89 09.06.2020 10:44
      Highlight Highlight @just sayin: habe ich irgendwo das Gegenteil gesagt? "wie gewohnt mit LAchern", WEIL er Komiker ist...aber das Thema halt eher ernst. Ich verstehe deine Antwort nicht.

      @bruusli: ja exakt. Es geht ja nicht darum die Polizei komplett abzuschaffen! Sondern darum weniger Budget dafür aufzubringen, und dafür andere Bereiche (wie Sozialhilfe, bessere Schulen, etc) zu unterstützen, damit die Polizei wieder ihrer Grundaufgabe nachkommen kann
      (Sorry wegen der Zeit, da kam zum ersten Mal das "Defund the police" Bild, habe mir nicht auch nochmal alles angeschaut ;) )
    Weitere Antworten anzeigen
  • Frankygoes 09.06.2020 07:07
  • Frankygoes 09.06.2020 06:51
    Highlight Highlight Bei "Defund the police" geht es nicht in erster Linie darum, der Polizei Geldmittel zu streichen, sondern die Sozialausgaben zu erhöhen und die Polizei damit von Aufgaben zu entlasten. De Blasio z.B. will das Budget der Polizei zugunsten von Sozialausgaben und Jugendprogrammen kürzen. Es geht darum den Teufelskreis von weniger Sozialstaat => mehr Armut => mehr Kriminalität => mehr Repression zu durchbrechen.
    • Frankygoes 09.06.2020 11:52
      Highlight Highlight Stimmt. Die Bezeichnung ist das wirkliche Problem. Gleich mal drüben anrufen.
  • Citation Needed 09.06.2020 06:40
    Highlight Highlight Auflösen und von Grund auf neu aufbauen, ja. Daneben auch andere Behörden auf-/ausbauen (psychiatrische und soziale Dienste, siehe Argumentation von John Oliver), damit die (neue konzipierte) Polizei nicht wieder an einer Kombination von Überforderung und Allmacht krankt.
    • Citation Needed 09.06.2020 07:16
      Highlight Highlight Blitzer, guckt John Oliver zum Thema, dann wisst ihr auch, wie es gemeint ist. Cops müssten neu eingestellt (oder eben nicht) und die Aufgaben neu verteilt werden. Gelder müssten hierzu eben auch von der Polizei weg und hin zu anderen Behörden fliessen. Frankiegoes (siehe Comment oben) erklärt diesen Zusammenhang sehr klar.
  • Unkel Wullewu 09.06.2020 06:19
    Highlight Highlight Ein Japanischer Buddha sagte einst: "gute Menschen brauchen keine Gesetze und schlechte Menschen befolgen sie sowieso nicht."
    Wer also möglichst wenig Verbrechen will, der sollte die Gesellschaft stärken und nicht eine starke Polizei haben. Denn die Polizei kommt ja immer erst, wenn schon etwas passiert ist.
    • mob barley 09.06.2020 11:01
      Highlight Highlight "Denn die Polizei kommt ja immer erst, wenn schon etwas passiert ist."

      In den USA nicht. Da schiesst sie schon, bevor sie weiss, ob überhaupt etwas passiert ist.
  • BetterTrap 09.06.2020 05:21
    Highlight Highlight Leider wird im Artikel nicht erwähnt, wie das Ganze von statten gehen soll. Darum auch mein Verständnis für die verwirrten Kommentare.

    Das Problem: die Strukturen die sich durch diese Institution ziehen KÖNNEN NICHT reformiert werden.

    Aber; die Polizei abschaffen bedeutet NICHT, dass keine Alternativen geschaffen werden - das Geld wird anders eingesetzt. Recht und Ordnung wird nicht durch die Polizei gestärkt, sondern durch Bildung, Arbeit und psychische Gesundheitsversorgung, welche vielen Gemeinschaften in den USA verwehrt wird. Der Fokus wird weniger Reaktion sein und mehr Prävention.
    • TJ Müller 09.06.2020 11:12
      Highlight Highlight @James,
      Wieso, leben wir hier in der Schweiz etwa nicht sondern träumen? Die Schweiz leistet sich aufsuchende Jugendarbeit, hat Beratungsangebote für psychisch Kranke, leistet sich Drogenabgabestellen, usw. Alles nicht vorhanden in den USA, sondern diese Aufgaben sollten von der Polizei erledigt werden. Was soll das James, hat du überhaupt eine Ahnung wie es in den USA läuft?
  • anundpfirsich 09.06.2020 03:42
  • Locutus70 09.06.2020 01:37
    Highlight Highlight "Deshalb sei nun die Zeit gekommen, sich Gedanken über eine «polizeifreie Zukunft» zu machen, wie auch immer diese aussehen werde" - geht es denn noch ein bisserl naiver?
  • Bivio 09.06.2020 00:42
    Highlight Highlight Das ist ein Witz sondergleichen und reiner Aktionismus.
    Bis jetzt habe ich 3 Vorschläge gehört

    Option 1: Schaffung einer "neuen Organisation für öffentliche Sicherheit". Das nennt man Polizei.

    Option 2: Aufgabe der lokalen Polizei. Dann macht eine andere Truppe einfach die Arbeit (z.B. Compton).

    Option 3: Weniger Geld für die Polizei und mehr für Sozialarbeit. Das geht, jedoch werden die Früchte erst in Jahren einsehbar sein (wenn überhaupt).

    Gemäss Studien würden primär Schwarze unter dem Wegfall von Teilen der Polizei leiden (siehe Chicago).
  • Mutzli 09.06.2020 00:33
    Highlight Highlight Nur als zusätzlicher Hintergrund, was ebenfalls gestern erst offiziell bestätigt wurde und vielleicht verständlicher macht, wieso diese Politiker das System lieber neu aufbauen als reformieren wollen: Nebst den zahlreichen Gewaltexzessen der Polizei in Minneapolis (fing ja auch alles mit dem Mord von George Floyd in dieser Stadt an), haben Polizisten z.B. systematisch Reifen zerstochen und damit zig Leute von Med. Personal, über Protestierende, Journalisten etc. quasi "gestrandet"

    https://www.startribune.com/officers-slashed-tires-on-vehicles-parked-during-mpls-protests-unrest/571105692/
  • Wiedergabe 09.06.2020 00:29
    Highlight Highlight Vielleicht kommen die Amis mal zu uns in die CH und schauen wie es bei uns läuft.
    Wobei, dann haben die wieder einen Kulturschock wie letztes Mal, als eine US-Delegation die hiesigen Methadonprogramme kopfschüttelnd anschaute... 😄
    • swisskiss 09.06.2020 00:44
      Highlight Highlight Wiedergabe.... und wunderten sich, wie einfach man die Anzahl der Drogentoten reduzieren kann.

      Schweiz Drogentote: 135, USA 68'000. Wenn man das auf die Bevölkerungszahl der Schweiz runterrechnet, wären das 1700 Tote in der Schweiz.
    • Peter J. Kuster 09.06.2020 07:42
      Highlight Highlight Wir haben genau die gleichen Probleme. Es wird zwar kein Schwarzer öffentlich hingerichtet, aber polizeiliche übermässige Gewaltanwendung oder auch nur verbale Erniedrigung ist bei uns ebenfalls an der Tagesordnung. Der Mangel an Statistiken ist besorgniserregend. Die Polizei ist in diesen Dingen komplett intransparent. Bsp aus Basel: Wenn man als Weisser ohne ID nach Weil am Rhein fährt, wird man immer nur verwarnt, diese das nächste Mal mitzunehmen. Als Schwarzer wird man trotz ID/Pass direkt rausgenommen und buchstäblich in die Mangel genommen und wie ein Verbrecher behandelt.
    • Wiedergabe 09.06.2020 09:29
      Highlight Highlight Probleme haben alle Länder, lieber Peter. Ich kenne keine zu 100% perfekte Gesellschaft. Auch glaube ich ihren Ausführungen.
      ABER eine solche historisch tiefe Verwurzelung und diese unglaublich schlimmes Symptome und Folgen daraus haben wir nicht. In den USA liegt das Verhältnis zwischen Polizei und Bevölkerung derart grundlegend im Argen, wie es bei uns nicht ansatzweise der Fall ist.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Bündn0r 09.06.2020 00:16
    Highlight Highlight Auflösen der Stadtpolizei löst das Problem überhaupt nicht. Das ist reine Symbolpolitik.

    Wir haben sogar ein "Vorbild": Bern. Die einzige Änderung bei der Übertragung der Kompetenz auf den Kanton war, dass die Polizei neu dem bürgerlichen Regierungsrat und nicht mehr dem rot/grünen Stadtrat unterstellt ist.
    • Raber 09.06.2020 08:17
      Highlight Highlight Was zu Problemen führt. Die Stadt ist damit gar nicht glücklich und möchte dies wieder ändern. Weil sie jetzt nichts mehr dazu sagen kann. Und leider versucht die Polizei immer wieder Politik zu machen. So wie bei der Miss-Wahl auf dem Bundesplatz. Leider gibt es auch in der CH einige hobby Rambos im Polizeikorps. Und ja, viele sind auf dem rechten Auge blind. Macht und Uniformen ziehen zum Teil fragwürdige Gestalten an. Nein,hier hat sich mit dieser Massnahme gar nichts zum besseren verändert,somit ein schlechtes Beispiel.
  • geissenpetrov 09.06.2020 00:16
    Highlight Highlight Um es in den Worten von David Graber zu sagen "Polizisten sind Bürokraten mit Waffen."

    Play Icon

    Ab Min. 30, für jene die den ökonomischen Teil überspringen möchten.
  • Träumer 09.06.2020 00:14
    Highlight Highlight Der Artikel lässt wieder viele Fragen offen. Aber die Auslandskorrespondenz von Renzo Ruf sind meiner Meinung nach selten objektiv und informativ. Meistens spiegeln sie die Meinungen der grossen Medienhäuser wie CNN, MSNBC oder der NYT wieder.

    Hier eine kleine Infografik, was viele der Protestler unter #DefundPolice verstehen:

    https://mobile.twitter.com/gv4et/status/1268565284559847424
    Benutzer Bild
  • Shisha 08.06.2020 23:59
    Highlight Highlight Ich hoffe, dass das mehr als ein billiger PR-Stunt ist und das 12(?!)-köpfige Parlament das auch wirklich durchzieht. Ich persönlich würde mir von einer grundlegenden Revision des Polizeigesetzes mehr Erfolg versprechen. Aber solange man die Abschaffung der Polizei nicht ausprobiert hat, kann man den dies fordernden Protestierenden auch nicht das Gegenteil beweisen.
  • Binnennomade 08.06.2020 23:53
    Highlight Highlight Ich werde aus dem Artikel nicht schlau, wer soll denn nach einer Auflösung der Stadtpolizei die Polizeiarbeit übernehmen? Die Stadt wird sich ja nicht gerade der Anarchie verschreiben, oder?
    • Randy Orton 09.06.2020 00:05
      Highlight Highlight Es wäre ein ähnlicher Schritt, wie als hier von Gemeinde- auf Kantonspolizei gewechselt wurde. Einfach im grösseren Rahmen.
    • Wiedergabe 09.06.2020 00:26
      Highlight Highlight Ich stimme ihnen zu, dass hier kaum Informationen zu finden sind. Und nein, Anarchie ist nicht geplant.
    • Mutzli 09.06.2020 00:27
      Highlight Highlight @Binnenomade
      Der Artikel ist ein bisschen verwirrlich formuliert: Neun Mitglieder, die Mehrheit des Stadtrats, haben ein gemeinsames Versprechen abgelegt, den Prozess zum Enden des Polizeidepartements einzuleiten. https://www.startribune.com/mpls-council-majority-backs-dismantling-police-department/571088302/

      Was danach genau kommen soll, wird weiter debattiert. Z.B. ein komplett neues Departement öffnen (z.B. Camden in New Jersey hatte damit Erfolg), viel weniger Polizei, alternative Sicherheitsmodelle etc.
    Weitere Antworten anzeigen
  • BlickvonAussen 08.06.2020 23:47
    Highlight Highlight Eine ungeliebte Steuer war Grund genug um sich vom Mutterland England zu lösen.
    Ist eine derartige Polizei nicht Grund genug um sich von ihr zu trennen?
    Für die Ehefrau des Polizisten war das Verhalten ihres Ehemannes Grund genug die Scheidung einzureichen.
  • icewolf 08.06.2020 23:35
    Highlight Highlight Aus meiner Sicht beide Vorschläge völlig kontraproduktiv. Oder wie genau kann ich mir die Abschaffung der Polizei vorstellen? Mit so einem radikalen Vorschlag werden doch nur echte Bestrebungen zur Reformation verunmöglicht. Und eine Kürzung der Mittel? Wie blöd kann man sein? Hauptsache die Qualität der Polizeiarbeit wird noch weiter in einen Sinkflug getrieben.
    • blueberry muffin 08.06.2020 23:53
      Highlight Highlight Das Gegenteil wurde ja ueber die letzten 30 Jahre versucht und hat nicht gebracht.

      Irgendwann ist Schluss.

      "Wie kann ich mir das vorstellen" - wie bei uns, in etwa? Wo wir keine Polizei mit Panzern haben? Ist die Schweiz in Anarchie versunken?

      John Oliver hat eigentlich ziemlich gut aufgezeigt wie deine Varianten von Reform alle NICHT funktioniert haben - und an was das lag. Bitte nicht die Europäische Polizei direkt mit den Mörder Squads aus den USA vergleichen.
      Play Icon
    • Unicron 08.06.2020 23:59
      Highlight Highlight Es geht mehr darum die Stadtpolizei aufzulösen und eine neue aufzubauen, bei welcher sich alle Polizisten neu bewerben müssen. Die Polizei-Gewerkschaft ist unglaublich stark in den USA, da kommt man kaum daran vorbei, ausser eben man löst das ganze Departement auf und gründet ein neues.

      Hier ein guter aktueller Beitrag von John Oliver welcher genau dieses Thema behandelt:
      Play Icon
    • Wiedergabe 09.06.2020 00:25
      Highlight Highlight Ich glaube es ist allen bewusst, dass es Ordnungshüter braucht.
      Ebenso offensichtlich sind die strukturellen Probleme in diesen Polizeikorps.
      Ein komplett neues Konzept ist da nicht die dümmste Lösung, eher die beste.
      Muss jemand wirklich ein bewaffneter Polizist sein, um Parktickets auszustellen, um Radar-Kontrollen durchzuführen oder um den Notruf entgegen zu nehmen?
      Seien sie nicht naiv zu denken man will die Polizei alternativlos abschaffen und Anarchie herrschen lassen. Das ist das trumpsche Wahlkampfgespenst, das fernab der Realität von den bekannten Schlammwerfern gezeichnet wird.
    Weitere Antworten anzeigen
  • rudolf_k 08.06.2020 23:20
    Highlight Highlight Und schon sind wir (leider) wieder am Punkt, wo die Aktivisten die schweigende Mehrheit verloren haben...
  • Unicron 08.06.2020 23:20
    Highlight Highlight "So sagten 59 Prozent der Amerikaner, die Tötung von George Floyd durch die Polizei habe sie stärker verstört als die anschliessenden gewalttätigen Auseinandersetzungen in Amerikas Grossstädten."

    Na hoffentlich!
    Da wurde ein Mensch vor laufenden Kameras über 8 minuten lang von der Polizei ermordet. Von denen die eigentlich dazu da sind um zu helfen!

    Wen ruft man, wenn man von der Polizei angegriffen wird? Da KANN man ja nur verlieren!
    • Locutus70 09.06.2020 01:39
      Highlight Highlight @Unicron - Und was genau können die vielen PolizistInnen die in den letzten Tagen von Demonstranten verletzt oder getötet wurden dafür?
    • Unicron 09.06.2020 07:41
      Highlight Highlight @Locutus70
      Meinst du zB die 54 Polizisten, welche von ihrer Einheit zurückgetreten sind, weil zwei ihrer Kollegen suspendiert wurden nachdem sie grundlos einen 75-Jährigen zu Boden gestossen haben und dieser nun in kritischem Zustand im Krankenhaus liegt?
      Oder meinst du die, welche mit Tränengas und Gummischrot auf friedliche Demonstranten los gehen? Oder die, welche Gummischrot auf Kopfhöhe abfeuern und damit Augen ausschiessen? Ah, oder evtl die, welche gezielt auf Reporter losgehen?
      Aber ist ja nicht so schlimm, man kann sie eh nicht identifizieren, weil sie ihre Dienstnummer abdecken.
    • Locutus70 09.06.2020 12:57
      Highlight Highlight @Unicron - Ich finde dieses linksextremes Gedankengut (das im übrigen ja auch ein rechtsextremes Gedankengut ist) unmöglich, wenn hier ein Unrecht mit einem anderen aufgewogen werden soll - pfui Teufel.
    Weitere Antworten anzeigen
  • piranha 08.06.2020 23:17
    Highlight Highlight Ja klar, streicht der Polizei die Mittel, sodass die Ausbildung noch schlechter wird 🤦
    • piranha 09.06.2020 10:54
      Highlight Highlight Tatsächlich, interessant! Wobei du sogar noch 3 Minuten vor mir warst 🤔

      Hast du dich hier unbeliebt gemacht? 😂
  • RicoH 08.06.2020 23:13
    Highlight Highlight Die Polizei abschaffen, wird nicht möglich sein und wäre auch unklug. Das wissen sicherlich auch die Politiker in Minneapolis.
    Sich Gedanken darüber zu machen – und diese auch zu kommunizieren – setzt hingegen ein starkes Signal an die Polizei. Hier muss radikal ein Umdenken stattfinden. Das kann nur mit einem Ausmisten aller korrupten und rassistischen "Elemente" einher gehen, und natürlich mit einer besseren Ausbildung.
  • leverage 08.06.2020 23:04
    Highlight Highlight Anstatt über eine Abschaffung zu diskutieren (was ich mir sowieso nicht vorstellen kann), sollten massiv mehr Mittel für die Ausbildung gesprochen werden. Die Polizeischule sollte doppelt so lange dauern. Bereits ausgebildete Polizisten könnte man ebenso nachschulen. Das kostet Geld und dauert, ist aber die einzige Nachhaltige Lösung meiner Meinung nach.

    Und unter Umständen muss man auch die Messlatte und die Löhne erhöhen um "besseres" Personal zu bekommen oder besser gesagt nicht jeden nehmen zu müssen.

    Abschaffen klingt für mich nach Drückeberger.

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