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«Psychische Folter»: Über 100 Ärzte und Psychologen fordern ein Ende von Assanges Haft



Er wollte im Internet eine sichere Plattform für die Aufdeckung heikler Geheimnisse schaffen. Doch die Veröffentlichung von US-Kriegsverbrechen brachte Julian Assange ins Visier der USA. Er ist in London in Haft; jetzt geht es um seine Zukunft und seine Gesundheit.

ARCHIV - ZUM JAHRESRUECKBLICK 2019 - INTERNATIONAL STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Julian Assange gestures as he arrives at Westminster Magistrates' Court in London, after the WikiLeaks founder was arrested by officers from the Metropolitan Police and taken into custody Thursday April 11, 2019. Police in London arrested WikiLeaks founder Assange at the Ecuadorean embassy Thursday, April 11, 2019 for failing to surrender to the court in 2012, shortly after the South American nation revoked his asylum .(Victoria Jones/PA via AP)

Julian Assange im April 19, als er in London verhaftet wurde. Bild: AP PA

Knapp 120 Ärzte und Psychologen fordern ein Ende «der psychologischen Folter und medizinischen Vernachlässigung» des Wikileaks-Gründers Julian Assange. Er leide unter den Folgen des Aufenthalts in der ecuadorianischen Botschaft und im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh, schrieben die Experten in einem Brief, den die Medizin-Zeitschrift «The Lancet» veröffentlicht hat.

Sollte der 48-Jährige in der Zelle sterben, dann sei er «effektiv zu Tode gefoltert worden», heisst es in dem Schreiben weiter. Die Folterung von Assange müsse eingestellt und es müsse ihm Zugang zur «bestmöglichen Gesundheitsversorgung gewährt werden, bevor es zu spät ist». Er sitzt seit April 2019 im Gefängnis im Osten der Hauptstadt ein. Assanges Gesundheitszustand ist seinen Anwälten zufolge schlecht.

Kriegsverbrechen bekannt gemacht

Die USA haben Assanges Auslieferung beantragt. Die Anhörung dazu soll am 24. Februar beginnen. Die Vereinigten Staaten werfen ihm vor, der amerikanischen Whistleblowerin Chelsea Manning - damals noch Bradley Manning - geholfen zu haben, geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan zu veröffentlichen. Dadurch wurden auch von US-Soldaten begangene Kriegsverbrechen bekannt.

epa07559808 (FILE) - US whistleblower Chelsea Manning poses for photographs as she makes her first public appearance in Britain at an event hosted by the Institute of Contemporary Arts, in London, Britain, 01 October 2018 (reissued 10 May 2019). Media reports state on 10 May 2019 that former US Army intelligence analyst and whistleblower Chelsea Manning, 31, has been released from the William G. Truesdale Adult Detention Center in Alexandria, Virginia, USA. She spent 62 days in jail after being taken into custody in March 2019 by a judge ordered for refusing to testify before an investigation into WikiLeaks. However, she will have to appear before a grand jury on 16 May, media added.  EPA/FACUNDO ARRIZABALAGA *** Local Caption *** 54667621

Whistleblowerin Chelsea Manning. Bild: EPA/EPA

Insgesamt liegen 18 Anklagepunkte gegen Assange vor. Bei einer Verurteilung in allen Punkten drohen ihm 175 Jahre Haft.

Der Wikileaks-Gründer hatte sich aus Angst vor einer Auslieferung an die USA 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet. Damals lag gegen ihn ein europäischer Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden vor. Die Ermittlungen wurden aber inzwischen eingestellt.

Im April 2019 wurde er von der britischen Polizei verhaftet, weil er mit seiner Flucht in die Botschaft gegen Kautionsauflagen verstossen habe. Dafür wurde er kurz darauf zu einem knappen Jahr Gefängnis verurteilt.

epa05142265 (FILE) A file picture dated 19 August 2012 of Wikileaks founder Julian Assange giving a thumbs up prior to delivering a statement on the balcony inside the Ecuador Embassy where he has sought political asylum in London, Britain. WikiLeaks founder Julian Assange on 04 February 2016 said he would hand himself in to British police on 05 February in the event of an unfavourable decision from a UN investigation. A UN working group is set to publish a determination on whether Assange, who has been holed up in the Ecuadorian embassy in London since 2012 to avoid extradition to Sweden, is in effect illegally detained there. Swedish authorities have requested his extradition in connection with several sexual assault charges. Assange has said he fears further extradition from Sweden on to the United States, where he faces other charges.  EPA/KERIM OKTEN *** Local Caption *** 51841036

Da war er noch sichtlich jünger: Assange gibt am 19. August 2012 vor de ecuadorianischen Botschaft in London ein Statement ab. Bild: EPA/EPA FILE

Konstruierte Vorwürfe gegen Assange in Kritik

Auch der Uno-Sonderberichterstatter für Folter, Nils Melzer, hatte kürzlich schwere Vorwürfe gegen die Behörden in Grossbritannien, Schweden, den USA und Ecuador erhoben. In seinen Augen wird an Assange ein Exempel statuiert, um Journalisten einzuschüchtern. Die Vorwürfe gegen den gebürtigen Australier hält er für konstruiert. Mehr als 130 Politiker, Künstler und Journalisten in Deutschland hatten sich ebenfalls für die Freilassung von Assange ausgesprochen.

In London ist am kommenden Samstag eine Demonstration für Assange geplant, an der auch Prominente wie die Modedesignerin Vivienne Westwood, der Pink-Floy-Mitgründer Roger Waters und der frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis teilnehmen. (sda/dpa)

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