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Deal für das Reich der Genossen Kim: Spion Ulrich Larsen (r.) erhält dank Alejandro de Benós (l.) Zugang zur Elite Nordkoreas. bild: zvg

Das ist die unglaubliche aber wahre Geschichte über zwei Hobby-Spione in Nordkorea

Ein arbeitsloser Koch unterwandert Nordkoreas Machtelite, dokumentiert deren schmutzige Deals und filmt alles. Wie konnte das nur gutgehen?

Daniel Fuchs / ch media



Dieser Dokfilm interessierte sogar westliche Sicherheitsbehörden. Im Film «Der Maulwurf – Undercover in Nordkorea» reisen die beiden Protagonisten Ulrich Larsen und Jim Latrache-Qvortrup (Codename: Mr. James) nach Nordkorea. In einem geheimen Restaurant in Pjöngjang werden die beiden von Offiziellen empfangen, darunter der Direktor einer Waffenfabrik. Statt einer Speisekarte gibt es einen Waffenkatalog. Das Menu: Panzer und Langstreckenraketen. Stückpreis: 25 Millionen Dollar.

Was sich wie ein Thriller anhört, ist ein Dokfilm über die «beeindruckendste private Geheimdienstoperation, von der ich je gehört habe», wie die frühere britische Geheimagentin Annie Machon im Film einordnet. Dem arbeitslosen dänischen Koch Larsen und seinem Helfer Latrache-Qvortrup, einem ehemaligen Fremdenlegionär und verurteilten Drogendealer, gelingt es, die nordkoreanische Elite zu unterwandern und Geheimnisse über verbotene Geschäfte zu lüften.

Der Maulwurf

Wie kommen Laien an solche Informationen? Fernsehen geschaut, Entschluss gefasst, Spionage-Schnellbleiche erhalten – so die Kurzform der Vorgeschichte.

Hier geht's zum Trailer von «Der Maulwurf - Undercover in Nordkorea»:

abspielen

Video: YouTube/Weeder Haze

Ausführlicher geht sie so: Aus gesundheitlichen Gründen kann Ulrich Larsen länger nicht mehr als Koch arbeiten und erhält Sozialhilfe. Der verheiratete Mittvierziger mit Kindern steckt in einer Sinneskrise. Bis er den Nordkorea-Dok «The Red Chapel» (2009) seines Landsmanns Mads Brügger im Fernsehen sieht. Daraufhin erkennt er seine Mission, will den Kampf gegen das nordkoreanische Regime aufnehmen.

Larsen schreibt Regisseur Brügger eine Mail. Dieser hatte sich als investigativer Filmjournalist längst einen Namen gemacht und er geht gerne auf Larsens Angebot ein, den dänischen Ableger des weltweiten Nord­korea-Lobby-Netzwerks, die Korean Friendship Association, zu infiltrieren.

Die Schlüsselfigur

Der aus Alt-Maoisten und Rentnern zusammengesetzte Verband nimmt Larsen auf. Dieser filmt fortan die Treffen und Tätigkeiten der Organisation für Youtube- und Facebook-Filmchen, wie er vorgibt. Die Taktik geht auf, Larsen erschleicht sich das Vertrauen bis hin zum Präsidenten der weltweit agierenden Organisation, dem Spanier Alejandro Cao de Benós. Wegen seiner engen ­Beziehungen nach Pjöngjang wird de Benós für unsere Hobbyspione zur Schlüsselfigur.

Als Lockvogel heuert Filmemacher Brügger Latrache-Qvortrup an. Dieser mimt den Geschäftsmann «Mr. James», der auf illegale Waffenkäufe aus ist. Es erstaunt, wie wenig es der plumpen Charmeoffensiven von «Mr. James» bedarf, ehe Türöffner de Benós Vertrauen fasst und die beiden Dänen mit Gewährsleuten in Nordkorea zusammenbringt.

Eine der Folgen davon ist das Treffen im Kellerrestaurant von Pjöngjang, eine andere das Auskundschaften einer Insel im Viktoriasee in Uganda für den Bau einer Waffen- und Drogenfabrik der Nordkoreaner samt Landebahn für die Transportflugzeuge. Längst hat Larsen einen Crashkurs bei einem ehemaligen CIA-Spion hinter sich und kennt zumindest ein paar Grundzüge des Handwerks.

So erstaunlich es klingen mag, Larsens Tarnung als «Freund Nordkoreas» ist perfekt. Immer mit dabei: die Handkamera für die «PR-Filmchen» oder versteckte Kameras, welche die Treffen aufzeichnen.

Trotzdem wird es einmal äusserst heikel. De Benós will Larsen für seine künftigen Treffen mit einem Wanzendetektor ausrüsten. Beim Test schlägt das Gerät wegen des verkabelten Larsens natürlich aus. Doch der Spanier lässt sich tatsächlich mit einem Hinweis Larsens auf den Autoschlüssel mit Funkfunktion abspeisen.

Der Lockvogel

Auch bei den Treffen mit den Nordkoreanern kommt es zu heiklen Szenen. Diese schöpfen jedoch nicht einmal dann Verdacht, als «Mr. James» beim Namen seiner Investitionsgesellschaft improvisieren muss. An einen Firmennamen hatten die Hobbyspione bei den Vorbereitungen für das Treffen schlicht nicht gedacht.

Wie wertvoll sind die spionierten Unterlagen tatsächlich? Diese Antwort bleibt der Film schuldig. Dafür wirft er eine andere Frage auf: Wie weit darf ein Filmemacher gehen, um die Wahrheit herauszubekommen? Oder anders gefragt: Wie viel Lüge ist die Wahrheit wert? Sehr viel, wenn man diesen Film als wichtig bezeichnen will.

Die Familie

Sieben Jahre führte Larsen ein Doppelleben, verheimlicht seine Mission vor seiner Frau und den Kindern. Dass seine Tätigkeit ihn selbst, aber auch seine Familie in Gefahr bringen würde, hinderte ihn nie. Auch nicht Regisseur Brügger, der sein Gewissen beruhigt sieht, als es nach der Mission ein «Nachsorgeprogramm mit Personenschutz» für Larsen und dessen Familie gibt. «Mr. James» übrigens soll auf solche Schutzmassnahme vor Vergeltung der Nordkoreaner verzichtet haben.

Beide Dänen sind Marionetten des Filmemachers, wenn auch freiwillige. Unbeteiligte werden aber ebenso hineingezogen. So die Inselbewohner im Viktoriasee. Sie werden mit der Lüge abgespeist, dass die Geschäftsmänner ein Spital errichten wollen. Mit Freudentänzen werden unsere Hobbyagenten und kriminellen Investoren auf der Insel empfangen. Es ist einer der schäbigsten Momente in diesem traurigen Film.

War der ehemalige Koch Larsen so mutig, wie er sich selbst sieht und der Dok ihn darstellt? Oder so dumm, wie ihn seine Frau nennt, als das Geheimnis gelüftet wird? Ihren Mann schimpft sie einen Versager, der die Zukunft der Familie aufs Spiel gesetzt hat.

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