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epa07834219 Bundestag faction co-chairwoman of the Alternative for Germany (AfD) right-wing populist party Alice Weidel speaks during a session of the German parliament 'Bundestag' in Berlin, Germany, 11 September 2019. Members of Bundestag debate on the government's draft budget for 2020 including the budget of the Federal Chancellor and Chancellery.  EPA/HAYOUNG JEON

Alice Weidel: Die AfD-Spitzenpolitikerin hat eine Situation ziemlich falsch eingeschätzt. Bild: EPA

Alice Weidel, die «Kopf ab»-Geste und der Husten: Jetzt redet der AfD-Sympathisant

Er hatte Husten und wurde plötzlich zum Ziel der wütenden «Kopf ab»-Rede von Alice Weidel: Nun sagt der gedemütigte Besucher der örtlichen Zeitung: «Ich habe mich auf Alice Weidel gefreut.»

Lars Wienand / t-online



Ein Artikel von

T-Online

Der Mann, der in Weingarten bei einer AfD-Veranstaltung aus dem Saal geworfen wurde, hat sich bei der «Schwäbischen Zeitung» gemeldet. Seine Schilderung dort deckt sich mit dem, was t-online.de am Dienstag öffentlich gemacht hat: Der Mann hat demnach keinesfalls eine «Kopf ab»-Geste gemacht – und er wundert sich, dass Alice Weidel die Szene gezielt verbreitete. 

Weidels gelöschter Post:

Bild

Postings gelöscht: Alice Weidel verbreitete ein Empörungsvideo über eine Bedrohung gegen sie und ließ die Beiträge wieder löschen, als es Hinweise darauf gab, dass sie einen eigenen Anhänger bezichtigt, der husten musste. screenshot: twitter

Die AfD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag hatte am Montag einen Videoausschnitt ihrer Rede mit dem Kommentar «Die Verrohung nimmt täglich zu» gepostet. Dazu hatte sie geschrieben, ein Zuschauer habe ihr «in direkter Weise mit einer 'Kopf-ab-Geste' gedroht». Auf der Bühne in ihrer Rede hatte sie noch spekuliert, der Mann sei «vielleicht bei den örtlichen Grünen». Unter «Hau ab»-Rufen war der Mann von Security aus dem Saal geführt worden.

Das Video kursiert natürlich dennoch im Netz:

Der «Schwäbischen Zeitung» sagte der Mann, der anonym bleiben möchte, er habe sich «nicht links-grün verblenden lassen. Ich bin konservativ. Andere sagen rechts. Das empfinde ich aber nicht als Beleidigung.» Er gehöre keiner Partei an. Er sei schon mehrfach bei AfD-Veranstaltungen gewesen, möge aber auch Sahra Wagenknecht von der Linkspartei.

Auf Alice Weidel habe er sich gefreut – und ging deshalb auch kränkelnd zu der Veranstaltung. «Ich sitze mit meiner Bronchitis im Saal und huste mir einen ab», zitiert die «Schwäbische Zeitung» ihn. Dann kam es zur Szene, die Weidel so falsch deutete: «Ich habe mir nur auf den Brustkorb geklopft und die Hand auf die Bronchien gehalten.» Er habe Weidel auch in keiner Weise kritisieren, geschweige denn bedrohen wollen.

Zeugen schilderten gleichen Hergang

Damit bestätigt er den Hergang, wie ihn mehrere Zeugen gegenüber t-online.de geschildert hatten. Roman Muth, Ratsmitglied der Grünen, hatte mit dem Besucher auch schon am Sonntag gesprochen und den Hergang bei t-online.de so wiedergegeben. Muth hatte gesagt, der Mann sei in Weingarten vielen Studenten bekannt, gehe in Szenekneipen. «Er vertritt AfD-Positionen, aber man kann mit ihm reden, er ist zugänglich.» 

In dem Gespräch mit der «Schwäbischen Zeitung» bestätigte der AfD-Sympathisant auch, dass er mit Weidels persönlichem Referenten gesprochen und sich erklärt habe. Es habe ihn überrascht und aufgewühlt, dass die AfD-Fraktionsvorsitzende dennoch einen Videoausschnitt der Situation postete. Es habe ihn dann gefreut, dass Weidel das Video im Laufe des Dienstags entfernte, berichtet die Zeitung. 

Spott im Netz über Weidel

Kritik an Weidels Vorgehen übt der Betroffene nicht. Dafür ergoss sich im Netz Spott über Weidel. Das Satiremagazin «Extra 3» verbreitete eine Werbung für «Hasstinetten», die «heute show» postete «das Video, über das alle sprechen» – leicht verändert:

Er musste nach dem Vorfall auf die Polizeiwache. Wegen Weidels Worten «Ich zeige ihn an, ich möchte wissen, ob der Mann Parteibuch hat. Ich gehe auf die Palme» hat die Polizei ein Verfahren eingeleitet, der Staatsschutz bei der Kripo hat es übernommen. 

Weil der Vorwurf der Bedrohung ein Delikt ist, bei dem die Behörden ermitteln müssen, geht das Verfahren vorläufig weiter. Weidel hatte am Dienstag erklärt, sie nehme die Darstellung des Mannes zur Kenntnis und wolle keinen Strafantrag stellen. Die Polizei wird von ihr nun noch eine Aussage einholen. Zu erwarten ist, dass das Verfahren dann eingestellt wird.

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