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Virologe Martin Stürmer war zu Gast bei Markus Lanz. Bild: screenshot zdf

Virologe sieht Russlands Corona-Impfstoff kritisch: «Würde mich damit nicht impfen lassen»

Janna Eiserbeck / watson.de



Markus Lanz ist nach einer kurzen Sommerpause zurück im deutschen TV – quasi pünktlich zum heiss diskutierten Schulstart, der offiziell bestätigten Kanzlerkandidatur von Olaf Scholz (SPD) und dem von Russland entwickelten ersten Impfstoff gegen Corona. Kein Wunder, dass genau diese Themen nun auch Platz in Lanz' Sendung gefunden haben.

Zu Gast waren am Dienstagabend Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller, Marlis Tepe, die Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Virologe Martin Stürmer sowie SPD-Chef Norbert Walter-Borjans.

Gleich zu Beginn wurde das aktuell wohl überraschendste Thema angesprochen: der erste Covid-19-Impfstoff. Dass nun ausgerechnet aus Russland die Nachricht kam, man habe einen Impfstoff entwickelt und bereits zugelassen, sorgte in der Welt für Aufsehen. Virologe Martin Stürmer, der selbst früh an Covid-19 erkrankte, sieht dieses Vorpreschen «sehr, sehr kritisch». Er erklärt:

«Letztlich reden wir ja über einen Impfstoff, der möglicherweise Millionen bis Milliarden von Menschen verabreicht werden soll, der die klinische Prüfung überhaupt nicht vollständig abgeschlossen hat. Der ist an ein paar mehr oder weniger freiwilligen Personen getestet worden. Man schwankt zwischen 50 und 100 Soldaten, die diesen Impfstoff bekommen haben.»

Virologe skeptisch über Russlands Corona-Impfstoff

Aber die wichtige Phase 3, in der die Wirkung des Impfstoffs an mehreren Tausend Personen getestet wird, um überhaupt zu erfahren, wie wirksam er schützt oder welche Nebenwirkungen er tatsächlich haben kann, wurde vor der Zulassung nicht durchgeführt.

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Markus Lanz spricht mit Virologe Martin Stürmer über den neuen Corona-Impfstoff aus Russland. Bild: screenshot zdf

Lanz hakt nach, ob es denn wirklich denkbar ist, dass es so einfach sein kann, einen wirksamen Impfstoff gegen Corona zu entwickeln. Stürmer meint: «Es kann einfach sein. Die russische Regierung kann viel Glück damit haben, dass dieser Impfstoff tatsächlich keine Nebenwirkung hat und auch eine Wirkung erzielt. Aber das weiss man vorher nicht.» Er selbst stellt klar: «Ich würde mich damit nicht impfen lassen.» Denn man könne absolut nicht sagen, wie der Körper darauf reagiert.

Neben den typischen Nebenwirkungen, die man auch von einer Grippeimpfung kennt, wie ein schmerzender Arm, eine geschwollene Einstichstelle oder etwas Fieber – «alles harmlos», wie Stürmer betont – könnten aber auch ganz andere Dinge auftreten. «Wir können Autoimmunerkrankungen erzeugen, wir können andere schwere Nebenwirkungen bekommen, die sehr vielseitig sein können», sagt er. Beispielsweise könnte ein Organ in Mitleidenschaft gezogen werden, von dem man aktuell noch nicht vermutet, dass es eine Rolle spielen könnte

Corona-Impfstoff offenbar selbst in Russland umstritten

Russland ist sich dennoch sicher, dass der Impfstoff eben keine schweren Nebenwirkungen auslöst. Wie kann das sein, will Lanz wissen. Der Virologe erklärt: «Die haben diese Technik nicht zum ersten Mal jetzt ausprobiert. Das wurde in der Vergangenheit schon mehrfach angewendet.» Mit Vektorviren, die auch jetzt zum Einsatz kommen, wurde beispielsweise zur Bekämpfung von MERS-Corona vor zehn Jahren bereits experimentiert. Sie sehen ihr Vektor-System als erprobt an, sagt Stürmer. Doch laut des Virologen solle man sich dabei nicht so sicher sein.

Die russische Bevölkerung selbst scheint übrigens ebenfalls noch skeptisch zu sein. Aktuell geben nur 23 Prozent an, sich den Impfstoff verabreichen lassen zu wollen. Diese sehr geringe Bereitschaft spreche laut Stürmer für extrem wenig Vertrauen. (cki/watson.de)

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