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epaselect epa07627311 (L-R) Britain's Queen Elizabeth II, US President Donald J. Trump, First Lady Melania Trump attending the commemorations for the 75th Anniversary of the D-Day landings in Southsea Common, Portsmouth, Hampshire, Britain, 05 June 2019. Britain's Queen Elizabeth II will join US President Donald J. Trump and other World leaders from nations that fought alongside Britain to mark the 75th anniversary of the World's largest seaborne military invasion which was assembed in ports in southern England on 05 June 1944 and set off for the coast of Normany, France on 06 June 1944. World leaders are to attend memorial events in Normandy, France on 06 June 2019 to mark the 75th anniversary of the D-Day landings, which marked the beginning of the end of World War II in Europe.  EPA/ANDY RAIN

Die Queen, Donald Trump und die First Lady am Mittwoch bei der Gedenkveranstaltung zum D-Day in Portsmouth. Bild: EPA/EPA

Analyse

Donald Trump in Grossbritannien: Gesonnt, geschwindelt, gezündelt

Donald Trump hat seinen grossen Staatsbesuch in Grossbritannien sichtlich genossen: Doch sein Versprechen an die Briten könnte noch Unheil bringen.

Fabian Reinbold / t-online



Ein Artikel von

T-Online

Es gab auch einen netten Donald Trump zu bestaunen. Die britische Premierministerin Theresa May schien es mitunter selbst kaum zu glauben, wie konsequent ihr der US-Präsident bei dessen Besuch schmeichelte – bei der gemeinsamen Pressekonferenz oder bei einem Gespräch mit Wirtschaftsbossen.

Der Mann, der sich selbst für den allerbesten Dealmaker hält, sagte gar: «Vielleicht kann sie besser verhandeln als ich.»

Es war Trumps Abschiedsgeschenk an jene Frau, die er in den vergangenen zwei Jahren immer wieder düpiert und geschmäht hatte. May scheidet nach ihrem erfolglosen Versuchen, den Brexit zu managen, bald aus dem Amt – Trump muss ihr nichts mehr abringen, er kann jetzt nett sein.

Der Besuch in Grossbritannien zeigt Trumps doppeltes Gesicht: Für den US-Präsidenten war der Staatsbesuch ein Highlight, eine Reise, wie er sie liebt: Er konnte sich im Glanz der Königsfamilie und der gemeinsam gefeierten Geschichte des D-Day-Jubiläums sonnen.

Trump schmeichelte seinen Gastgebern, nur um im nächsten Moment die diplomatischen Konventionen zu brechen, indem er jene Briten, die er als seine Gegner wahrnimmt, verurteilte oder sich in das Rennen um die Nachfolge Mays einmischte.

Kurzes Treffen mit Merkel

Daneben fand der US-Präsident Zeit, per Twitter Kontrahenten in der Heimat anzugehen – von seinem Herausforderer Joe Biden bis zur Schauspielerin Bette Midler.

Der Besuch war also typisch Trump.

Am Rande der D-Day-Feierlichkeiten sass Trump am Mittwochnachmittag noch zehn Minuten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen, die Regelverletzungen wie die von Trump bei seinem Grossbritannien-Besuch erst vor einer Woche bei einer Rede in Harvard scharf kritisiert hatte.

Trumps Reingrätschen in die britische Innenpolitik war ebenso undiplomatisch wie vorhersehbar: Es reichte vom Treffen mit Brexit-Wortführer Nigel Farage, zu dem er seit Jahren engen Kontakt pflegt, bis zu den Attacken auf den Londoner Oberbürgermeister Sadiq Khan. Er zündelte also ein wenig in der polarisierten Lage im Land.

Johnson kneift

Dass er dem ihm wohlgesonnenen Interviewer Piers Morgan ein ausführliches Gespräch in Winston Churchills Kriegszimmer gewährte, passte ebenfalls ins Bild.

TV-Interview in Winston Churchills Kriegszimmer: Donald Trump zweifelt wieder die Klimaerwärmung an.

Trumps Problem: Er bleibt, trotz seiner Unterstützung für den Brexit, zutiefst unbeliebt in Grossbritannien. Laut Umfragen sieht ihn nur ein Fünftel der Briten positiv. Und deshalb kann Trump auch eine Belastung sein. Boris Johnson , der unbedingt Premierminister werden will, verzichtete deshalb auf ein Treffen mit dem Staatsgast – offiziell sprach man von Terminproblemen – und telefonierte stattdessen 20 Minuten lang mit ihm.

Die beissenden Proteste auf den Strassen Londons treffen Trump, auch wenn er so tat, als ob diese eine Erfindung der Medien seien.Zur Erinnerung: Vor einem Jahr liess er einen Besuch in Grossbritannien immer wieder verschieben, weil Grossdemonstrationen angekündigt waren. Damals mied er London.

Das Problem mit dem «phänomenalen» Pakt

Jetzt, ein knappes Jahr später, machte die Form eines Staatsbesuchs die Hauptstadt unumgänglich, doch Trump wollte den Protesten die Anerkennung verweigern: Er habe auf den Strassen viele gesehen, die ihn gefeiert hätten, und nur wenig Kritik. Diese Sicht hatte der US-Präsident exklusiv.

Trump stellte, wieder einmal, den Briten einen «phänomenalen» Handelspakt in Aussicht, sobald sie die EU verlassen haben. Die Verhandlungen darüber wären ganz nach Trumps Geschmack – nämlich mit einem engen, aber eben auch schwächeren und kriselnden Partner, dem er ganz anders als dem EU-Block Zugeständnisse abpressen kann.

Doch wie schwierig der Weg dorthin selbst bei Auflösung der Bindungen an die EU sein kann, illustrierte Trump selbst.

Erst sagte er am Dienstag auf der Pressekonferenz mit May, alles müsse bei einem Handelsabkommen auf den Tisch, auch das den Briten heilige nationale Gesundheitswesen. Ein Aufschrei wirbelte dann den Besuch durcheinander. Kurz darauf versicherte Trump in dem Fernsehinterview mit Piers Morgan, dass das britische Gesundheitswesen nicht zur Debatte stehe.

US President Donald Trump and Britain's Prime Minister Theresa May speak, during the Return Dinner in Winfield House, the residence of the Ambassador of the United States of America to the UK, in Regent's Park, part of the president's state visit to the UK, in London, Tuesday June 4, 2019. (Chris Jackson/Pool Photo via AP)

Sind sich vielleicht zum letzten Mal begegnet: Donald Trump und Theresa May. Bild: AP/Pool Getty

Die Episode dürfte nur ein Vorgeschmack sein. Die Briten müssten vielen mit der EU verhandelten Standards abschwören – und Trump ist kein verlässlicher Verhandlungspartner. Einen «unglaublichen» Handelspakt schloss er vor einem halben Jahr auch mit Mexiko ab, nur um das Land jetzt erneut mit Handelszöllen zu bedrohen.

Theresa May, die bei der Ankündigung ihres Rücktritts weinte, dürfte zumindest über eines froh sein: den Umstand, dass sie diese Verhandlungen nicht mehr selbst bestreiten muss.

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