DE | FR
Gesellschaft & Politik
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Reinhold Beckmann im Interview mit Samuel und Danièle Nicolet Widmer. zvg/ARD

Reporter schmuggelt Ecstasy aus Sitzung beim Sekten-Guru

An dem Tag, an dem die Strafanzeige gegen Samuel Widmer bekannt wird, wird im deutschen Fernsehen eine Sendung über Heiler ausgestrahlt. Darin geht es auch um den Arzt und Leiter der Kirschblütengemeinschaft. Die Vorwürfe brechen nicht ab.



Ein Artikel der

Die Vorwürfe gegen den Lüsslinger Psychiater Samuel Widmer brechen nicht ab. Nachdem der «Tages-Anzeiger» am Montagmorgen dem Leiter der Kirschblütengemeinschaft den jahrelangen Einsatz von illegalen Drogen vorgeworfen hatte, doppelt abends das ARD-Fernsehmagazin «Beckmann» nach. 

In der Sendung mit dem Titel «‹Ich mach dich gesund!› Scharlatane und falsche Heiler» schleust sich ein Reporter in eine Therapiesitzung in Samuel Widmers Zuhause in Lüsslingen-Nennigkofen ein. Während der Therapiesitzung schmuggelt der Undercover-Reporter die für ihn bestimmte Tablettenration aus den Räumlichkeiten und übergibt sie einem Arzt. Ein Test soll zeigen, welche Pillen es wirklich sind. 

Kennst du schon die watson-App?

Über 100'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wird von Apple als «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

Und die Befunde zeigen: Bei den Substanzen handelt es sich um Meskalin und den Hauptwirkstoff von Ecstasy, MDMA. Bereits in einem Vorgespräch soll die Kursleiterin den Reporter auf eine im Kurs folgende Straftat hingewiesen haben. In der Sendung berichtete eine Aussteigerin aus der sektenähnlichen Gemeinschaft, dass jahrelang illegale Substanzen verwendet worden seien.

Strafverfahren gegen drei Personen 

Widmer war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Am Montag hatte er gegenüber dieser Zeitung ähnliche Vorwürfe dementiert. In seinen Therapien seien keine illegalen Substanzen verwendet worden. Auch im Film betonen Widmer und seine Frau, Danièle Nicolet, nur erlaubte Medikamente abzugeben. Nur Ketamin (Anästhesiemittel) und Ephedrin (bewirkt Rauschzustände) und kein Ecstasy würde verabreicht. «Leute nehmen manchmal Ecstasy selbst mit, weil sie diese Pillen bevorzugen. Wir geben aber nur die erlaubten Pillen ab», sagt Danièle Nicolet Widmer. «Wir haben vom Fernsehbeitrag Kenntnis genommen», sagt Cony Zubler, Medienbeauftragte der Solothurner Staatsanwaltschaft. 

Gegen Samuel Widmer und drei Personen aus seinem Umfeld läuft ein Strafverfahren wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Letzten Donnerstag wurden mehrere Razzien durchgeführt. Ob Drogen gefunden wurden, ist unklar. «Polizei und Staatsanwaltschaft haben keine illegalen Substanzen gefunden», erklärte der 66-jährige Arzt gegenüber dieser Zeitung. Schliesslich gebe es auch nichts zu finden.

Ob die Razzien auch aufgrund der Fernsehrecherchen stattgefunden haben, will die Staatsanwaltschaft nicht sagen. Bekannt ist: Die Hausdurchsuchungen erfolgten offenbar aufgrund einer Anzeige der Zürcher Sektenaufklärungsstelle Infosekta. Unklar ist, inwieweit die Anzeige mit den Recherchen von «Tages-Anzeiger» und «Beckmann» zusammenhängen. (ldu/lfl)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Sektenblog

Sektenführer Ivo Sasek ruft zum «Freundestreffen» – willkommen beim abstrusesten Event des Jahres

Eine der schillerndsten Figuren in der Schweizer Sektenlandschaft lädt heute Samstag zu einer der schrägsten Veranstaltungen des ganzen Jahres ein: Der ehemalige Automechaniker Ivo Sasek, Führer der christlichen Sekte Organische Christus-Generation, empfängt seine Anhänger einmal zum «Freundestreffen» in der Churer Stadthalle.

Bei dieser heimlichen Konferenz – Datum und Ort werden nicht bekanntgegeben – werden 2000 bis 2500 Sektenanhänger dem 60-jährigen Prediger zujubeln. Zujubeln, wenn …

Artikel lesen
Link zum Artikel