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Ebola-Epidemie

Unruhen und Polizeigewalt nach Ebola-Ausgangssperre in Liberia



Um die Ebola-Epidemie unter Kontrolle zu bekommen, hat Liberia eine nächtliche Ausgangssperre über die Hauptstadt Monrovia verhängt. In einer Radioansprache kündigte Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf zudem an, zwei ganze Stadtviertel unter Quarantäne zu stellen.

Die Ausgangsperre für die Millionenstadt Monrovia gilt von 21.00 Uhr bis 06.00 Uhr. Zugleich ordnete Johnson Sirleaf die Schliessung von Nachtclubs und Kinos an, wo normalerweise grössere Menschenmengen zusammenkommen. Die Massnahmen erfolgten nach Berichten über nachts auf den Strassen abgeladene Leichen.

In this photo taken on Saturday, Aug. 9, 2014, Liberian President Ellen Johnson Sirleaf speaks to health workers asking that they should keep working at the health centers with government support, to combat the deadly Ebola virus that has spread through the country, including the city of Monrovia, Liberia. Liberia has launched

 «Wenn wir alle unseren Teil beitragen, können wir diese Krankheit besiegen», zitiert «Front Page Africa» die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf.  Bild: Abbas Dulleh/AP/KEYSTONE

Bei allen Sicherheitsvorkehrungen gehe es darum, Menschenleben zu retten, betonte die Präsidentin am Dienstagabend. «Wenn wir alle unseren Teil beitragen, können wir diese Krankheit besiegen», wurde sie von der lokalen Nachrichtenplattform «Front Page Africa» zitiert.

Bewaffnete Sicherheitskräfte riegelten am Mittwoch Teile des Stadtbezirks West Point ab, in dem rund 75'0000 Menschen unter äusserst ärmlichen Bedingungen leben, berichteten örtliche Medien am Mittwoch. Komplett isoliert wurde zudem die Ortschaft Dolo in der Region Margibi.

MONROVIA, LIBERIA - AUGUST 20:  A Liberian Army soldier, part of the Ebola Task Force, beats a local resident while enforcing a quarantine on the West Point slum on August 20, 2014 in Monrovia, Liberia. The government ordered the quarantine of West Point, a congested seaside slum of 75,000, on Wednesday, in an effort to stop the spread of the virus in the capital city. Liberian soldiers were also sent in to the seaside favela to extract West Point Commissioner Miata Flowers and her family members after residents blamed the government for setting up a holding center for suspected Ebola patients to be set up in their community. A mob overran and closed the facility on August 16. The military also began enforcing a quarrantine on West Point, a congested slum of 75,000, fearing a spread of the epidemic. The Ebola virus has killed more than 1,200 people in four African nations, more in Liberia than any other country.  (Photo by John Moore/Getty Images)

Die Polizei geht mit Gewalt gegen Protestierende des West-Point-Slums vor.  Bild: Getty Images Europe

Unter Bewohnern von West Point habe sich zuvor das Gerücht verbreitet, die Regierung habe das Gebiet unter Quarantäne gestellt, weil sie dort Ebola-Patienten aus anderen Landesteilen isolieren wolle.

In dem Bezirk waren am vergangenen Wochenende viele Ebola-Patienten aus einer Isolierstation geflohen. Sie konnten aber bis Dienstag gefunden und in einer medizinischen Einrichtung untergebracht werden.

Polizei setzt Tränengas ein

Die Bewohner von West Point traf die Massnahme am Mittwoch völlig unvorbereitet. Nach Angaben von Augenzeugen schleuderten wütende Einwohner Steine auf die Soldaten und Polizisten, die ihr Viertel komplett abriegelten. Andere beschwerten sich im Radio, dass sich die Preise in den Geschäften über Nacht verdoppelt hätten.

MONROVIA, LIBERIA - AUGUST 20:  A member of the Church of Aladura prays on the beach on August 20, 2014 in Monrovia, Liberia. He and other church members were praying for God to rescue Liberia from its current crisis. The Ebola virus has killed more than 1,200 people in four African nations, with more in Liberia than any other country.  (Photo by John Moore/Getty Images) ***BESTPIX***

Ein Gläubiger der Gemeinde Aladura betet am Strand von Monrovia.  Bild: Getty Images Europe

Die Sicherheitskräfte in Liberia setzen die Notfallmassnahmen auch mit Gewalt durch. Am Mittwoch verschoss die Polizei in Monrovia nach Zeugenberichten Tränengas, um Bewohner des Ebola-Sperrgebiets am Verlassen des Viertels zu hindern.

Insgesamt wurden in Liberia nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis zum 16. August 834 bestätigte oder Verdachtsfälle gemeldet, 466 Menschen starben an der Seuche.

In Nigeria stieg die Zahl der verstorbenen Ebola-Opfer nach dem Tod einer Ärztin auf fünf, berichtete die nigerianische Zeitung «Vanguard» am Mittwoch. Nach Angaben der WHO gab es in Nigeria am 16. August 15 bestätigte Ebola-Fälle. Knapp 200 Menschen standen dort unter Beobachtung.

In ganz Westafrika wurden demnach insgesamt 2240 bestätigte und Verdachtsfälle sowie 1229 Todesopfer gemeldet. Die Dunkelziffer liegt vermutlich deutlich höher.

Entwarnung in Berlin

Die USA, Vietnam und Myanmar meldeten unterdessen weitere Verdachtsfälle. Bei drei Verdachtsfällen in Deutschland und Österreich gab es hingegen wieder Entwarnung.

Eine Frau, die nach einem Schwächeanfall in einem Berliner Jobcenter mit hohem Fieber in die Klinik Charité eingeliefert worden war, litt nach Klinikangaben unter einer Malaria-Infektion. Alle Tests auf Ebola verliefen demnach negativ. Der 30-jährigen Patientin gehe es den Umständen entsprechend gut, sie bleibe aber zur Behandlung weiter in einer Berliner Klinik. (rar/sda/dpa/afp/reu)

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