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Da bildet sich ein Mob aus unzufriedenen Kunden. Alles meine Schuld ... screenshot: watson

Review

Warum ich es nie zum Lidl-Filialleiter bringen werde

Die Ankündigung klang lustig. So probierte ich «My Lidl Switzerland» – und löste fast einen (virtuellen) Bürgerkrieg aus.



Es fing gut an.

Die erste Aufgabe löste ich mit Bravour.

Ja ja. Um auf einem Marktplatz per Knopfdruck das erste Verkaufsregal aufzustellen, muss man weder Nobelpreisträger noch handwerklich begabt sein. Aber hey, es gab Kohle.

[Fast Forward]

Keine halbe Stunde später versammeln sich wutentbrannte Seniorinnen und aggressive Veganer und protestieren gegen das (zugegeben klägliche) Warenangebot ...

Worum geht‘s?

Lidl (ja, der Discounter!) hat jetzt ein Handy-Spiel. Es kostet nichts und ist für Android und fürs iPhone verfügbar.

Der watson-Redaktor, ein absoluter Noob Casual-Gamer, hat es ausprobiert. Auf einem iPhone X (darum ist auf einigen Screenshots eine dünne weisse Linie zu sehen).

Das Ziel des Spiels klingt ganz einfach:

«Baue deine eigene virtuelle Lidl-Filiale»

Das Intro ...

Die Namen der Spielfiguren sind, nun ja, ...

Vier Beispiele:

Ganz so friedlich wie ihre Namen sind die Leute nicht: Weil ich nicht die gewünschten Produkte im Angebot führe, schütteln sie den Kopf und recken die Faust zum Himmel.

Was mir auch auffällt: Es sind auffallend viele Senioren und Seniorinnen, die sich auf dem Marktplatz herumtreiben. Nimmt das Spiel gar die gesellschaftliche Entwicklung voraus?

Was mir gefiel

Es gibt keine In-App-Käufe.

Ausserdem sei das Spiel «ohne Werbebanner» verfügbar, schreibt Lidl, der über 110 Filialen in der ganzen Schweiz betreibt. Nun ja, dafür spart der Discounter nicht mit Eigenlob. Oder wie sonst soll man den Namen der App verstehen?

Screenshots zur Spiele-App «My Lidl Switzerland» auf dem iPhone X

screenshot: watson

Gläserne Kunden

Wenn etwas gratis ist, bezahlt man in der Regel mit dem Wertvollsten, das man hat: Zeit und persönlichen Daten.

Ich habe mich darum dem in die Spiele-App integrierten Barcode-Scanner verweigert. Das ist Lidls Versuch, die virtuelle Spielwelt mit seinen Filialen aus Glas und Beton zu verbinden. Die Spieler sollen reale Produkte einscannen, um mehr virtuelle «Münzen» zu erhalten.

Was ich gerne herausgefunden hätte

Ob es zu sozialen Unruhen (oder gar Strassenschlachten) kommt, wenn man der Bevölkerung über längere Zeit die Grundnahrungsmittel verweigert oder die Preise in astronomische Höhen anhebt.

Denn ja, ich schaffte es nicht über Level 1 hinaus ... und dies, obwohl Lidl versichert, man könne es ab 6 Jahren spielen. 🙈

«Es gilt, die Versorgung der virtuellen Kunden von einem einfachen Marktstand (Level 1) bis hin zu einer voll ausgestatteten Lidl-Filiale (Level 5) weiterzuentwickeln. Die Kunden haben – wie in einer echten Filiale – individuelle Erwartungen an ihren Einkauf. Frische, Qualität und Nachhaltigkeit sind neben Warenverfügbarkeit in der Spielwelt ebenso zentrale Werte wie in der realen Welt.»

quelle: medienmitteilung lidl

Zu meiner Ehrenrettung ist zu sagen, dass ich die «Der Kunde ist König»-Trophäe einheimsen konnte ...

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screenshot: watson

Auf den Lorbeeren ausruhen, war nicht: Kaum hatte ich ein Mini-Ziel geschafft, sollte ich noch mehr Kunden abkassieren ...

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Dass ich nicht das Zeug zum Filialleiter habe, zeigte sich übers Wochenende (als ich das iPhone links liegen liess):

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bild: watson

Wie könnte Lidl das Spiel noch besser machen?

Vielleicht ist ja auch bereits eine Fortsetzung geplant. Ich hätte jedenfalls einige Ideen, um zusätzliche Spannung und ein bisschen mehr Action reinzubringen:

So reagieren watsons auf eure Hasskommentare

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