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epa08502357 Handout image released by Apple showing Apple CEO Tim Cook as he delivers the keynote address during the 2020 Apple Worldwide Developers Conference (WWDC) at Steve Jobs Theater in Cupertino, California, USA 22 June 2020. WWDC, in its 31st year and held virtually for the first time, runs through June 26. EPA/BROOKS KRAFT / APPLE / HANDOUT EDITORIAL USE ONLY, NO SALES

Tim Cook präsentiert Apple als Datenschutz-Vorreiter. Doch nun steht das Unternehmen wegen einer geplanten Anti-Tracking-Initiative selbst in der Kritik. Bild: EPA

Analyse

Facebook vs. Apple: «Sie behaupten, es ginge um die Privatsphäre, aber es geht um Profit»

Eine neue Anti-Tracking-Funktion soll Apple-Usern helfen, ihre Privatsphäre zu schützen. Facebook und die Werbebranche laufen dagegen Sturm.



Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zum Streit zwischen Apple und Facebook, der sich um das Tracking von iPhone-Usern dreht und wer davon profitiert.

Was ist passiert?

Apple hält an seinem angekündigten Vorhaben fest, grossen US-Datenkraken das Geschäft zu vermiesen.

Gegen den Widerstand mächtiger Player wie Facebook soll eine neue Anti-Tracking-Funktion eingeführt werden, um den Schutz der Privatsphäre zu verbessern. Dies geht aus einem am Donnerstag (Ortszeit) veröffentlichten Brief des iPhone-Konzerns an Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch hervor.

Was ist «ATT»?

Das Kürzel steht für App Tracking Transparency. Apple hatte die Anti-Tracking-Funktion für seine mobilen Betriebssysteme (iOS 14 und iPadOS 14) im Juni 2020 vorgestellt.

Geplant ist laut heise.de, «dass iOS-Apps künftig eine Erlaubnis des Nutzers für Werbe-Tracking einholen müssen, das soll auf Betriebssystemebene erzwungen werden».

ATT existiert bereits in iOS 14, schon jetzt können App-Entwickler sie nutzen, um die Tracking-Erlaubnis bei den Usern einzuholen – das sei derzeit aber noch optional.

Die App-Anbieter erhalten so Zugriff auf die eindeutige Advertising-ID (IDFA) des iPhones und iPads. Das erlaubt ein App-übergreifendes Werbe-Tracking oder etwa auch das Anlegen von Profilen, wie das deutsche Techportal schreibt.

Die Werbebranche befürchtet, dass viele User die Einwilligung nicht erteilen: Dies würde das Ausliefern gezielter Werbung erschweren und Banner-Anzeigen abwerten.

«ATT gilt für alle Entwickler gleichermassen, einschliesslich Apple, und Apple trackt seine User nicht.»

Jane Horvath, Senior Director of Global Privacy

Zudem gibt es Vorwürfe, dass Apple zwar Dritten das User-Tracking verunmöglichen wolle, selber aber davon profitiere (mehr dazu weiter unten).

Wie kontert Facebook?

Sie behaupten, es ginge um die Privatsphäre, aber es geht um Profit.»

Facebook attackiert Apple

Facebook warnte davor, dass die Änderung das Werbegeschäft des Online-Netzwerks erschweren würde. Zudem geht das Unternehmen zum Gegenangriff über und wirft Apple Scheinheiligkeit und eigenes Fehlverhalten vor.

Facebook behauptet nun in einer Stellungnahme, die US-Medien zugespielt wurde, dass Apples Brief eine «Ablenkung» sei, um von eigenen Datenschutzproblemen abzulenken.

«Apple wird beschuldigt, die privaten Daten der Menschen von ihren PCs aus ohne Wissen ihrer Kunden durch das letzte Update von macOS zu überwachen und zu tracken – und der heutige Brief lenkt davon ab. Sie haben eine Vorgeschichte in dieser Hinsicht. Dasselbe geschah, als bekannt wurde, dass Apple die Privatsphäre von Menschen verletzt und durch eine Schwachstelle in FaceTime den Zugriff auf private Audiodaten von Millionen von Menschen ohne deren Wissen ermöglicht hatte.»

Apple benutze seine marktbeherrschende Stellung, um Daten selbst zu sammeln, während es für Konkurrenten fast unmöglich werde, die gleichen Daten zu verwenden.

«Die Wahrheit ist, dass Apple sein Geschäft auf Werbung ausgeweitet hat und durch seine bevorstehenden iOS-14-Änderungen versucht, das freie Internet in kostenpflichtige Anwendungen und Dienste zu verlagern, von denen sie profitieren. Infolgedessen nutzen sie ihre marktbeherrschende Stellung aus, um ihre eigene Datensammlung selbst zu bevorzugen, während sie es ihren Konkurrenten fast unmöglich machen, dieselben Daten zu verwenden. Sie behaupten, es ginge um die Privatsphäre, aber es geht um Profit.»

Firmenchef Mark Zuckerberg hatte zuletzt kritisiert, da viele kleine und mittlere Unternehmen auf Werbung im Netz angewiesen seien, könne dies die Erholung der Wirtschaft von der Coronavirus-Pandemie beeinträchtigen.

In this April 10, 2018, photo, Facebook CEO Mark Zuckerberg returns from a break as he testifies before a joint hearing of the Commerce and Judiciary Committees on Capitol Hill in Washington. The U.S. Justice Department and the Federal Trade Commission are moving to investigate Google, Facebook, Amazon and Apple over their aggressive business practices, and the House Judiciary Committee has announced an antitrust probe of unidentified technology companies. (AP Photo/Andrew Harnik)

Mark Zuckerberg bei einer Anhörung in Washington. Der Facebook-Gründer sieht durch Apples Anti-Tracking-Initiative das Milliardengeschäft mit personalisierter Werbung bedroht. Bild: AP

Wann kommt die Anti-Tracking-Funktion?

Anfang 2021. Wann genau ist nicht bekannt.

Die Anti-Tracking-Funktion (ATT) war eigentlich für den Start des neuen Mobil-Systems iOS 14 im Herbst angekündigt. Im September verschob Apple die Einführung jedoch auf Anfang kommenden Jahres. Zur Begründung hiess es, man wolle Entwicklern mehr Zeit geben, notwendige Änderungen vorzunehmen.

Das weckte zugleich bei einigen Beobachtern Sorgen, dass der Widerstand aus der Industrie zu einer Aufweichung der Massnahmen führen könnte. Acht zivilgesellschaftliche Organisationen wendeten sich darum mit einem offenen Brief an Apple, in dem sie ihre Enttäuschung über die Verzögerung des Features zum Ausdruck brachten.

Die Besorgnis war offenbar unbegründet. Apple lässt nun durchblicken, dass man ernst machen will. Die Folgen für die Werbewirtschaft sind noch nicht absehbar.

Für den Facebook-Konzern ist der Zugang enorm wichtig, weil das Online-Netzwerk seinen Werbekunden einen verlässlichen Zugang zu möglichst spezifischen Kundengruppen verspricht. Dafür will das Unternehmen möglichst viel über die Interessen und Aktivitäten der Menschen erfahren. Nicht immer hat man sich in der Vergangenheit an die Gesetze gehalten, zahlreiche Datenschutz-Skandale sorgten für Schlagzeilen.

Ist Apple «sauber»?

Jein. Zwar ist Apple kein Datenkrake, dessen Geschäftsmodell auf dem Verkauf von personalisierter Werbung basiert. Jedoch profitiert der iPhone-Hersteller indirekt von den Gewinnen, die grosse US-Unternehmen machen. Bekanntestes Beispiel ist die Kooperation mit Google. Der marktbeherrschende Suchmaschinen-Betreiber bezahlt Apple jährlich einen zweistelligen Milliardenbetrag, um auf iPhones als bevorzugte Suchmaschine präsent zu sein. Ein beträchtlicher Anteil der Suchanfragen erfolgt denn auch über Apple-Geräte.

In diesem Licht erscheint Apples PR-Strategie, die User an die guten alten Zeiten zu erinnern, ziemlich fragwürdig.

«Werbung, die die Privatsphäre respektiert, ist nicht nur möglich, sie war bis zum Wachstum des Internets der Standard.»

Apple

Apple hatte beim Start des iPhones (2007) anfangs Zugang zur einzigartigen Gerätenummer für Werbezwecke gewährt. Vor einigen Jahren wurde stattdessen eine spezielle Nummer für Werbung eingeführt, die IDFA. Zugang zu ihr sollen App-Entwickler nun erst bekommen, nachdem sie dafür die ausdrückliche Erlaubnis der User eingeholt haben.

Dies reicht gemäss Einschätzung der Datenschutz-Aktivisten der europäischen Konsumentenschutz-Organisation Noyb nicht. Sie haben in der EU Klage eingereicht.

Apple dementiert die von Noyb vorgebrachten Vorwürfe in einem Statement an netzpolitik.org als sachlich falsch:

«Apple greift auf den IDFA der Nutzer-Geräte nicht zu und nutzt ihn in keinerlei Weise. […] Unsere Praxis steht im Einklang mit dem europäischen Recht, sie unterstützt und fördert die Ziele der DSGVO und der Datenschutzrichtlinie für elektronische Kommunikation, die darauf abzielen, den Menschen die volle Kontrolle über ihre Daten zu geben.»

Um wie viel Geld geht es?

Die Werbung auf mobilen Geräten mache dem Branchenverband IAB zufolge 70 Prozent des Umsatzes der Onlinewerbung aus, berichtete die FAZ im August. Desktop-Werbung komme hingegen nur noch auf 30 Prozent.

Beim Streit geht es laut Schätzungen um rund 80 Milliarden Dollar, die allein dieses Jahr in Kampagnen gesteckt würden, um die Nutzer dazu zu bringen, Apps zu installieren.

Wie viel Facebook dabei verdient, sei nicht bekannt. Der Konzern gehe davon aus, dass die Werbeeinnahmen der App-Betreiber um mindestens 50 Prozent sinken werden. Ob diese Schätzung realistisch ist, wird sich erst zeigen.

Quellen

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA

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