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Die Revolut-App startet durch – schon über 110'000 User in der Schweiz

Das britische Start-up krempelt mit seiner App die Finanzwelt um. Aber wird den Banken-Revoluzzern das rasante Wachstum zum Verhängnis?



Bevor es losgeht ...

Kennst du die Revolut-App?

Was ist Revolut?

Eine App-Bank.

Auch Smartphone-Bank genannt.

Oder Mobile-Only-Bank.

Diese und weitere Bezeichnungen klingen modern und innovativ, tragen aber nicht zum Verständnis des Phänomens bei. Denn Revolut ist keine Bank im engeren Sinn, sondern will die gesamte Finanzbranche auf den Kopf stellen.

Es handelt sich um ein britisches Fintech-Start-up, das eine Reihe digitaler Bankdienstleistungen bietet in einer mobilen App für junge, technisch versierte Nutzer.

So zum Beispiel:

Revolut sorgt allerdings auch für negative Schlagzeilen. In Medienberichten ist von einer toxischen Firmenkultur die Rede, und von Fehlern beim Kampf gegen Geldwäscherei. Und auch zum Datenschutz gibt es offene Fragen.

Wie viele User hat Revolut?

Gemäss neusten Angaben hat Revolut bereits 110'000 Schweizer Kunden. Wobei das Unternehmen nicht verrät, wie viele davon die Revolut-App auch tatsächlich regelmässig verwenden. Die Zahl der sogenannten «Active User» würden nicht für einzelne Länder ausgewiesen, teilt Kiran Wylie von der PR- und Kommunikationsabteilung mit.

Das Durchschnittsalter der Schweizer Revolut-Nutzer liege bei 36 Jahren. Die meisten Schweizer Kunden hätten ihren Wohnsitz in Zürich, gefolgt von Genf, Lausanne, Basel und Bern.

Revolut habe nun ingesamt 4,6 Millionen Nutzer, davon 1,3 Millionen wöchentlich aktive Nutzer und 2 Millionen monatlich aktive Nutzer (Stand: 8. April 2019).

Ist der Hype gerechtfertigt?

Das kommt auf die Perspektive an.

Laut einer neueren Erhebung (siehe Bericht vom Januar 2019) spielen Revolut und Co. in der Schweiz de facto noch keine Rolle. Demnach haben Fintech-Unternehmen hierzulande einen Marktanteil von weniger als 0,1 Prozent.

Aus Konsumentensicht ist natürlich alles zu begrüssen, das den traditionellen Finanzinstituten Feuer unter dem Hintern macht. Zu lange haben die hiesigen Banken abgewartet, wie das Gewürge um den Bezahldienst Twint zeigte. Auch in Sachen Smartphone-Banking hinken sie hinterher.

Zu begrüssen ist auch die Gebührenpolitik: Die meisten Schweizer Kreditkartenanbieter verwenden bei Zahlungen im Ausland deutlich schlechtere Umrechnungskurse und kassieren zusätzliche Bearbeitungsgebühren. «Nie mehr Kreditkartengebühren im Ausland», titelte «Beobachter».

Wer sind die grössten Konkurrenten?

International ist es N26. Das Fintech-Start-up aus Deutschland ist ebenfalls auf europäischem Expansionskurs und hat angekündigt, dieses Jahr in der Schweiz zu starten.

Der «Tages-Anzeiger» bringt's auf den Punkt:

«N26 und Revolut ringen um die Vorherrschaft in Europa. Sie verfolgen den gleichen Ansatz wie Amazon: Gewinne sind zunächst zweitrangig, die Einnahmen werden in die Expansion investiert, um eine möglichst grosse Kundenbasis zu bekommen. Anschliessend werden Produkte ausgerollt, die profitabel sind.»

Und schweizweit? Da sind mittlerweile die ersten ernsthaften Herausforderer Neon und Zak am Fuss fassen.

Für wen ist Revolut geeignet?

Laut Beobachter eignet sich Revolut für Personen, die ein iPhone oder Android-Smartphone besitzen, mit Apps umgehen können und eine Zweit-Kreditkarte für die Ferien oder das Online-Shopping in Fremdwährungen brauchen.

Die Firma hinter der Smartphone-App ist britisch und arbeitet mit einer litauischen Bank-Lizenz für Europa. Entsprechend schlecht sei Revolut in den Schweizer Zahlungsverkehr integriert, urteilte handelszeitung.ch in ihrem Test. Einzahlungsscheine zu scannen, sei nicht möglich.

Funktioniert Apple Pay mit Revolut?

Nein. Noch nicht.

«Wir arbeiten hart daran, Apple Pay und Samsung Pay anzubieten.»

Revolut-Mediensprecher

Wann die mobilen Bezahldienste integriert werden, kann oder will das Unternehmen nicht verraten. «Bald», heisst es.

Was sind die Nachteile aus User-Sicht?

Es gibt beim kostenlosen Basis-Angebot relativ tiefe monatliche Limiten für Bargeldbezüge und Ausland-Überweisungen. Wer höhere Beträge «bewegen» will, muss ein kostenpflichtiges Monatsabo abschliessen.

Die Abwicklung von Kartenzahlungen hat in den letzten Jahren wegen technischer Probleme nicht immer funktioniert. Wobei die Ursache bei einem externen Partner liegen soll.

Nach dem Einzahlen grosser Beträge kann es wegen interner Kontrollen zu Verzögerungen kommen, so dass die überwiesenen Summen längere Zeit nicht verfügbar sind.

Es gibt Berichte von Revolut-Usern über willkürlich erscheinende Änderungen bei den Gebühren.

Der Online-Support ist manchmal überlastet.

Soll ich Revolut als Lohn-Konto verwenden?

Nein. Davon ist aus Schweizer Sicht abzuraten.

Revolut hat zwar selbst ein Korrespondenz-Konto bei der Credit Suisse, damit hiesige User ihr Guthaben per gebührenfreier Inland-Überweisung aufstocken können.

Wer sich von der Schweiz aus bei Revolut registriert, erhält jedoch keine Schweizer Kontonummer. Denn dazu müsste die britische Firma ihrerseits ein Konto bei der Schweizerischen Nationalbank haben. Und das gibt es laut «Handelszeitung» nur für Banken, die in der Schweiz registriert sind.

Was hat es mit der Banklizenz auf sich?

Im Dezember 2018 gab das Unternehmen bekannt, dass es in Litauen eine EU-Banklizenz erhalten habe und damit Zugang zum europäischen Markt.

Die Banklizenz schützt Einlagen von Nutzern unter der «European Deposit Insurance Scheme (EDIT)» mit bis zu 100’000 Euro, wie die Handelszeitung berichtete. Allerdings gilt dies nicht für Schweizer User, sondern vorläufig nur für User in Grossbritannien und wenigen weiteren Ländern.

In heimischen Gefilden, sprich Grossbritannien, verfügt Revolut nach wie vor nicht über eine volle Banklizenz.

Wie lädt man bei Revolut Guthaben auf?

Streng genommen ist das Revolut-Konto eine Prepaid-Kreditkarte, die man per Inland-Banküberweisung gebührenfrei mit Franken aufladen kann.

Auch beim Aufladen mit einer Schweizer Kreditkarte fallen laut Schilderungen von watson-Usern keine Gebühren mehr an. Und das Guthaben werde bei beiden Transaktionsarten relativ schnell, nicht erst nach Tagen angezeigt.

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screenshot: watson

Hat Revolut ein Problem mit Geldwäscherei?

Ja, das kann man sagen.

Die britische Finanzaufsicht FCA untersucht, ob Revolut eines seiner automatischen Überwachungs-Tools 2018 während mehreren Monate deaktiviert hatte. Der CEO hat entsprechende Medienberichte als unwahr zurückgewiesen.

Fakt ist: Von rund 800 Angestellten ist weniger als ein Viertel für die Compliance zuständig, prüfen also die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien. Sie seien mit einer Millionenklientel konfrontiert, die rasch wachse, kommentierte finews.ch. Um die Finanzkriminalität zu bekämpfen, werde auf Algorithmen gesetzt. Die Überwachung durch Experten aus Fleisch und Blut werde früher oder später abgehängt.

Wie gut ist der Kundendienst?

Hilfe gibt es online. Über die App kann man mit einem Revolut-Support-Mitarbeiter chatten.

Beim Bewertungsportal trustpilot.com fallen die Urteile der Internet-User mehrheitlich positiv aus. Eine Minderheit schreibt, sie habe Haarsträubendes erlebt.

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screenshot: trustpilot.com

Da Revolut rasant wächst und bald 5 Millionen User weltweit zählt, kann man sich mit brennenden Fragen auch an andere User wenden, unter community.revolut.com.

Wer steckt hinter Revolut?

Gegründet wurde das Fintech-Start-up 2015 in London (Canary Wharf). Von Nikolay Storonsky und Vlad Yatsenko.

Zu ihren Beweggründen heisst es, sie seien frustriert gewesen darüber, dass die traditionellen Banken so lange brauchen, um digitale Bankdienstleistungen einzuführen. Gerade die jüngeren Kunden würden es vorziehen, die meisten Dienstleistungen über ihre Smartphones zu nutzen.

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Co-Gründer: Nikolay Storonsky (rechts) ist Geschäftsführer, Vlad Yatsenko Technik-Chef. screenshot: revolut.com

Storonsky wird dieses Jahr 35. Der gebürtige Russe hat in Moska Physik studiert, lebt seit 15 Jahren in Grossbritannien und hat die britische Staatsbürgerschaft. Vorher war er als Trader für Credit Suisse und Lehman Brothers tätig.

Sein Geschäftspartner, Vlad Yatsenko, auch 35 und Brite, hat ukrainische und polnische Wurzeln und ist in Deutschland aufgewachsen. Der studierte Informatiker war früher Software-Entwickler bei Credit Suisse und Deutsche Bank.

Ihr gemeinsames Unternehmen hat längst den «Einhorn»-Status erreicht, gehört also zum Klub der milliardenschweren Tech-Start-ups, die noch nicht an der Börse sind. Laut neusten Schätzungen soll Revolut 1,7 Milliarden Dollar wert sein. Und die Investoren stehen angeblich weiter Schlange.

Ist Revolut wie Uber?

Gewisse beunruhigende Parallelen sind tatsächlich da. Das Geschäftsmodell sieht Wachstum auf Teufel komm raus vor, Mitarbeiter sollen unter ungeheurem Erfolgsdruck stehen, mit entsprechenden Nebenwirkungen.

«We know we have the best product, and know we are 10 times better than the most competitive banks, and we want to scale as fast as we can.»

Nikolay Storonsky quelle: qz.com

Yatsenko hat 2018 bei Uber einen Annäherungsversuch via Twitter unternommen. Ohne zählbares Resultat.

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screenshot: twitter

Und Storonsky hat öffentlich Vergleiche zwischen Revolut und dem umstrittenen US-Fahrdienst gezogen und er bloggt bewundernd über Airbnb. Beide Tech-Firmen sind berüchtigt für ihr Durchsetzungsvermögen und die Bereitschaft, unbequeme Vorschriften zu beugen oder zu ignorieren.

«Get Shit Done!»

Neonschild im Revolut-Büro

Laut «Wired» hat Revolut intern massive Probleme, ehemalige Mitarbeiter erzählten, dass das rasante Wachstum mit hohen Personalkosten verbunden sei – mit unbezahlter Arbeit, unerreichbaren Zielen und vielen Job-Wechseln.

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screenshot: twitter

Der Geschäftsführer hat über den Firmenblog Besserung versprochen hat. Ob man von einer toxischen Unternehmenskultur wie bei Uber reden kann, ist fraglich.

Wo ist Revolut verfügbar?

Die Dienstleistungen von Revolut sind derzeit nur in Europa verfügbar. Die App gibts neu in 24 Sprachen.

Das Unternehmen plant, möglichst rasch nach Nordamerika, Asien und Australien zu expandieren.

Wie steht es um den Datenschutz und die Datensicherheit?

Gute Frage. Auf der Revolut-Website findet sich keine «Privacy Policy» für die Schweiz. Eine entsprechende Frage lässt die Medienstelle des Unternehmens unbeantwortet.

Zur Datensicherheit erklärt Revolut:

«Wir speichern und verarbeiten personenbezogene Daten auf Servern von Drittanbietern in sicheren Rechenzentren, die durch Firewalls geschützt sind und in Übereinstimmung mit den geltenden Vorschriften einen eingeschränkten Zugriff haben. Alle Daten, die zwischen mobilen Revolut-Anwendungen, unseren Servern und Dritten übertragen werden, sind 2048-Bit-SSL-verschlüsselt. Unsere Richtlinien und Verfahren sind so konzipiert, dass sie sowohl die Vertraulichkeit unserer Kunden als auch die Sicherheit ihrer Daten, einschließlich ihrer nicht öffentlichen personenbezogenen Daten, schützen.»

Kiran Wylie, Revolut

Welche kostenpflichtigen Extras bietet Revolut?

Um zusätzliche Dienstleitungen nutzen zu können, die über das kostenlose Grundangebot hinausgehen, muss man ein Monatsabo «Premium» (8 Euro) oder «Metal» (14 Euro) abschliessen. Dann kann man über die Revolut-App:

Eine Zusammenstellung aller in kostenpflichtigen Abos enthaltenen Dienstleistungen gibts auf der Revolut-Website.

Wofür nutzt du Revolut am häufigsten?

Quellen

Der Artikel basiert auf verschiedenen online verfügbaren Beiträgen von Medien aus dem In- und Ausland. Aktuelle Firmen-Angaben zu den Nutzerzahlen, zur Datensicherheit und neuen Features stammen von Revolut selbst.

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