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Szene aus einem PR-Video von Teamviewer. Ob die Frau so guckt, weil sie weniger Firmenanteile erhalten hat als der Mann am Tablet? screenshot: youtube

Teamviewer geht an die Börse – das sind die wichtigsten Fragen und Antworten



Teamviewer hat den grössten Börsengang der IT-Branche in Deutschland seit dem Dotcom-Boom eingetütet.

Das Unternehmen teilte am späten Dienstagabend in Göppingen mit, der Angebotspreis für bis zu 84 Millionen Aktien sei auf 26.25 Euro pro Stück festgelegt worden. Damit hat die Emission ein maximales Volumen von 2.2 Milliarden Euro.

Zuletzt war es im Frühjahr 2000 beim Börsengang des damals zum Siemens-Konzern gehörenden Chipherstellers Infineon mit rund sechs Milliarden Euro mehr gewesen.

Was ist Teamviewer?

Teamviewer stellt Software zur Computer-Fernwartung und Videokonferenzen her. Das Unternehmen bezeichnet sich als Marktführer bei Remote-Konnektivitätslösungen:

Warum warnt die Polizei vor Teamviewer?

Die St. Galler Kantonspolizei warnt im August vor dubiosen Anrufen und der missbräuchlichen Verwendung von «Teamviewer» durch falsche Microsoft-Mitarbeiter.

Die Betrüger würden sich am Telefon als Mitarbeitende von Microsoft ausgeben und den Angerufenen vorgauckeln, dass ihr E-Banking und Mailkonto gehackt wurde. Um Schaden zu verhindern, sollten sie die Fernwartungssoftware herunterzuladen. Damit können die angeblichen Microsoft-Mitarbeiter den Computer fernsteuern.

Das Opfer solle schliesslich zur Überprüfung auch noch sein E-Banking-Konto aufrufen. Damit aber stehe den Betrügern Tür und Tor für betrügerische Überweisungen offen. Am Ende würden die bereits Geschädigten noch einmal betrogen, in dem sie zum Kauf etwa von iTunes-Karten bewegt werden, hiess es in der Mitteilung der Polizei.

Wer steht hinter Teamviewer?

Das IT-Unternehmen gehört dem Finanzinvestor Permira. Dieser hatte das Unternehmen 2014 für 870 Millionen Euro gekauft. Auch nach dem Börsengang werden die Briten mit einem Anteil von mindestens 58 Prozent das Sagen haben. Der erste Handelstag soll an diesem Mittwoch sein.

Teamviewer wurde 2005 in Göppingen gegründet und beschäftigt rund 800 Mitarbeiter in Europa, den USA und in Asien. Das Unternehmen profitiert unter anderem davon, dass es bereits im vergangenen Jahr die Umstellung auf das Abo-Modell abgeschlossen hat. Derzeit hat Teamviewer rund 368'000 Abonnenten – mehr als doppelt so viele wie Ende Juni 2018.

Warum gehen die an die Börse?

Die Inhaber, allen voran Permira, wollen durch den Verkauf von Anteilen richtig Kasse machen.

Der Börsengang sei «der nächste logische Schritt», schreibt das Unternehmen auf seiner Website. Zum einen verspricht sich das Management um Oliver Steil eine höhere Markenbekanntheit. Zum anderen erhofft es sich mehr Flexibilität und die Möglichkeit, das Geschäft weiter voranzutreiben und auszubauen.

2018 waren die in Rechnung gestellten Umsätze von Teamviewer um ein Viertel auf 230 Millionen Euro gestiegen. Für dieses Jahr wird laut dem Börsenprospekt ein Wachstum von bis zu 39 Prozent auf bestenfalls 320 Millionen Euro erwartet. Das Unternehmen gilt als äusserst profitabel.

Nach Angaben des Unternehmens sind für das laufende und das kommende Jahr noch keine Dividenden geplant. Erst von 2020 an sollen die entsprechenden Möglichkeiten hierzu ausgelotet werden.

«Grösster Tech-IPO» seit dem Dotcom-Boom?

Das gilt, wie oben erwähnt, nur für Deutschland.

Die Aktien sollen unter dem Kürzel TMV an der Börse in Frankfurt gehandelt werden.

Im Dotcom-Boom Anfang der 2000er-Jahre hatten viele Geschäftsleute im Zuge einer Spekulationsblase versucht, mit New-Economy-Firmen an die Börse zu gehen und reich zu werden. Im Vergleich zu den USA wurde die deutsche Dotcom-Blase stark von kriminell agierenden Unternehmern geprägt, erinnert Wikipedia.

Beim Börsengang des deutschen Start-up-Investors Rocket Internet 2014 betrug das Emissionsvolumen 1,6 Milliarden Euro. Diesen Wert hätte Teamviewer selbst dann übertroffen, wenn nur die bis zu 75 Millionen angebotenen Aktien von Permira zum Mindestpreis von 23,50 Euro platziert worden wären. Hinzu kommen noch bis zu 9 Millionen Anteile, die die Investmenbanken bei ausreichender Nachfrage über die sogenannte Mehrzuteilungsoption losschlagen können.

(dsc/sda/awp/dpa)

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