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Ein Tesla-Besitzer testet, wann sein Fahrzeug Alarm schlägt ... screenshot: youtube

Warum Teslas «Wächtermodus» auch jeden Fussgänger betrifft

Die Elektroautos machen mit ihren Bordkameras den Strassenverkehr sicherer. Und können auch Parkplätze überwachen, was rechtlich heikel ist.



Wo kommt nur dieser Hass her gegen Tesla?

Es vergeht kaum eine Woche ohne neue «Road Rage»-Geschichte, und dann passieren solche üblen Sachen:

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Fiese Spuckattacke mit Kautabak auf ein Model X. screenshot: twitter

Dieser Beitrag dreht sich um Attacken und Zwischenfälle im rollenden Verkehr, aber auch um Vandalismus bei parkierten Teslas. Und wir schauen, durch welche technischen Vorkehrungen die teuren Elektroautos geschützt sind.

Bitte lächeln!

Absolut zentral ist die Videoüberwachung. Offenbar wissen viele Leute nicht, dass alle neueren Teslas mit Aussen-Kameras bestückt sind, die rundherum alles erfassen. ALLES!

Seit diesem Jahr ist per Software-Update ein «Wächtermodus» verfügbar, der Autoknacker abschrecken und Teslas vor Beschädigungen und Übergriffen bewahren soll.

Unterwegs auf der Strasse dienen die Bord-Aussenkameras als Dashcam und filmen alles, was sich auf der eigenen und den benachbarten Fahrspuren abspielt. ALLES!

Bevor wir in die technischen Details der Überwachung gehen, sehen wir uns an, welche haarsträubenden Vorkommnisse die Tesla-Kameras im Alltag so aufzeichnen.

Ein menschliches Lama, auf frischer Tat ertappt ...

Hier zerkratzt ein BMW-Fahrer ein Model 3 auf dem Parkplatz

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Video: YouTube/ABC 10 News

Das ist ein Video aus der Kategorie «Dumm, dümmer»

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Video: YouTube/sentry mode

Wenn Frau sich unbeobachtet fühlt 🙊

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Video: YouTube/Teslafunnyvideo 29

Hoppla!

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Video: YouTube/TesLatino

Diese Road-Rage-Attacke ereignete sich bei hohem Tempo und hätte tödlich enden können:

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Video: YouTube/Superb Seats

Hier halfen die Tesla-Kameras, einen heftigen Crash aufzuklären:

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Video: YouTube/Warren Redlich

Der Polizist sei überrascht gewesen, dass das Model 3 nicht nur das Geschehen vor dem Fahrzeug aufgenommen hatte, sondern auch seitlich, schreibt futurezone.at. So sei klar erkennbar gewesen, dass der Unfallverursacher log und schon vor dem Unfall rücksichtslos und mit erhöhter Geschwindigkeit auf der rechten Spur überholt hatte.

Halten wir fest: Die Tesla-Aussenkameras haben schon unzählige brenzlige und gefährliche Situationen dokumentiert und geholfen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Zu den gefilmten Verstössen gehören:

Wie viele Kameras hat ein Tesla?

Das hängt vom Modell und Baujahr ab.

In älteren Tesla-Fahrzeugen (Model S und Model X, ab 2014 bis Oktober 2016) steckt nur eine Schwarz-Weiss-Frontkamera, hinzu kommen Ultraschallsensoren und ein Front-Radar. Mangels Kameras an den Seiten und am Heck gibt es logischerweise auch keine 360-Grad-Sicht.

Bei allen neueren Teslas (Model S, Model X, Model 3) gewährleisten acht Kameras die «totale Überwachung» der Umgebung. Und das über mehr als 100 Meter.

«Acht Kameras gewähren eine 360-Grad-Rundumüberwachung der Fahrzeugumgebung in bis zu 250 Meter Entfernung. Ergänzt werden sie durch zwölf aktualisierte Ultraschallsensoren.»

quelle: tesla.com

(Eine weitere Kamera befindet sich im Innenraum, oberhalb des zentralen Rückspiegels. Diese ist auf die Fahrzeuginsassen gerichtet und laut Berichten noch nicht aktiv.)

Tesla verbaut seit jeher Videokameras und andere Sensoren für die «Autopilot»-Funktion (AP), wobei inzwischen mehrere AP-Generation im Einsatz und auf der Strasse sind.

Überblick zu den AP-Versionen

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Screenshot: teslawissen.ch

Die Kameras gehören zum Fahrassistenz-System, das dem Lenker gewisse Aufgaben abnimmt und Unfälle verhindern kann. Erklärtes Ziel von Tesla ist es, dereinst mit noch leistungsfähigerer Hardware und Software autonomes Fahren zu ermöglichen. Noch ist die «Autopilot»-Funktion aber nicht so weit, sondern sorgt vor allem in Zusammenhang mit missbräuchlicher Verwendung für Schlagzeilen ...

Wächtermodus – was ist das?

Als ich mit einem Tesla am Bodensee auf Testfahrt war, hätte ich viel gegeben für den «Wächtermodus»: Da bei unserem Hotel in der Innenstadt kein Parkplatz frei war, musste ich den von einem watson-User geliehenen 100'000-Franken-Boliden in einer Seitengasse abstellen. Ausser Sichtweite. 😳

Ich erinnere mich nur zu gut an das mulmige Gefühl, mit dem ich am nächsten Morgen zum Parkplatz eilte. Zum Glück ergab das minutiöse Absuchen nicht den kleinsten Kratzer.

Doch was hat es mit dem «Sentry Mode» auf sich?

Der Wächtermodus im Praxistest:

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Video: YouTube/Tesla Driver

In Teslas mit «AP 2»-Hardware oder höher ist es möglich, die vorhandenen Kameras als Dashcam und Sicherheitssystem (genannt TeslaCam bzw. «Sentry Mode») zu nutzen.

Nur Tesla-Fahrzeuge mit AP-Hardware 2.5 können Videos auf einem Stick speichern. Der Wächtermodus funktioniert zwar auch mit AP 2.0, aber die Videos können nicht gespeichert werden. Die Dashcam gibt's bei AP 2.0 hingegen nicht.

«Aufzeichnungen, die nicht innerhalb einer Stunde von der Kamera heruntergeladen werden, gehen verloren.»

quelle: tesla.com

Es gibt zum Glück auch viele harmlose und sehr lustige «Zwischenfälle» mit dem Wächtermodus ...

... und sogar Liebesbekundungen:

Ist das erlaubt?

Was in den USA gang und gäbe ist, kann einem hierzulande juristischen Ärger einbringen und unter Umständen teuer werden: Videoaufzeichnungen, die Dritte zeigen, sollte man keinesfalls bei YouTube oder sonst wo im Internet veröffentlichen oder anderen Personen zugänglich machen.

Videoüberwachung im öffentlichen Raum durch Privatpersonen ist grundsätzlich problematisch. Dies gilt für herkömmliche, im Handel erhältliche Dashcams, die im Fahrerbereich hängen, aber auch für die Tesla-Bordkameras.

«Die Dashcam verletzt in der Regel die Persönlichkeitsrechte, da wahllos Daten sämtlicher Personen aufgezeichnet werden, die sich im Aufnahmebereich aufhalten. Für sie ist zudem nicht erkennbar, dass sie gefilmt werden.»

Hugo Wyler, Sprecher des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) quelle: blick.ch

Der oberste Schweizer Datenschützer gibt auf seiner Website konkrete Ratschläge zum Dashcam-Einsatz:

«Aufnahmen von Dashcams sollten weder zur Unterhaltung noch als Beweismittel in Bagatellfällen, wie bspw. alltäglichen, riskanten Manövern im Strassenverkehr, herangezogen werden.»

Die Juristen beim Bund meinen:

«Werden Aufnahmen nur verschlüsselt gespeichert und laufend gelöscht oder überschrieben – falls sie nicht speziell für eine Auswertung ausgelesen werden –, kann zudem erreicht werden, dass keine Vorratsdatenspeicherung betrieben wird und die Bilder nur im Ereignisfall und durch die dafür zuständigen Strafverfolgungsbehörden eingesehen werden können.»

Eine automatische Übertragung aller auf dem Stick gespeicherten Daten an einen Tesla-Server findet unseres Wissens nicht statt. Aber: Gemäss einem Hinweis in der online verfügbaren Kundendatenschutzrichtlinie von Tesla Motors kann der Hersteller «kurze Videoaufnahmen von den Aussenkameras des Fahrzeugs» anonymisiert erfassen und auswerten. Diese Datenerhebung lasse sich jederzeit deaktivieren.

Womit der Ball wieder bei jedem einzelnen Tesla-Fahrer liegt ...

Big Brother kann sich zurücklehnen

In einem deutschsprachigen Tesla-Forum wurden folgende ketzerisch-rhetorische Fragen geäussert:

«Würdet ihr noch gerne auf der Strasse telefonieren, wenn das Auto, an dem du vorbeigehst, dein Gespräch mit aufzeichnet? Würdest du noch gerne in der Nase bohren, wenn fünf Kameras an Hauswänden oder in Autos dich dabei filmen? Würdest du noch etwas am Heimweg trinken gehen, wenn dich mehrere Kameras von einer Strasse zur nächsten verfolgen, wie du etwas angeheitert in Schlangenlinien gehst?»

quelle: tff-forum.de

Zumindest der Wächtermodus stellt Tesla-Besitzer, die ihr Auto vor Sachbeschädigungen und Einbrüchen schützen wollen, vor eine grundsätzliche Frage: Sollen sie die Rechte Dritter beeinträchtigen, um ihr Eigentum zu schützen?

Noch gibt's hierzulande vergleichsweise wenige Teslas, was die Gesamtzahl der in Verkehr gesetzten Fahrzeuge betrifft. Doch je mehr Bordkameras ihre Umgebung filmen, umso mehr nähern wir uns einem «Überwachungsstaat», der ironischerweise durch die Bürger selbst betrieben wird.

Im gleichen, oben erwähnten Diskussions-Forum rät ein anderer Tesla-Besitzer:

«Wenn ihr den Wächter-Modus nutzen wollt, steckt keinen USB-Stick in die Ports eures Tesla, denn dann wird auch nichts aufgezeichnet. Der Abschreckungseffekt sollte trotzdem ausreichen. Ausserdem empfiehlt es sich, die Datenweitergabe an Tesla zu unterbinden.»

quelle: tff-forum.de

Quellen

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