DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Sang-Il Kim, Leiter Abteilung Digitale Transformation, BAG, spricht waehrend einer Medienkonferenz zur Situation des Coronavirus (COVID-19), am Mittwoch, 5. August 2020 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Wie geht es mit der Warn-App weiter? Sang-Il Kim, Leiter Abteilung Digitale Transformation beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), gehört zu den Entscheidungsträgern. Bild: keystone

Kommentar

Wie beim Impfen verpasst das BAG bei SwissCovid eine grosse Chance

Die Schweizer Corona-Warn-App verzeichnet sinkende Nutzerzahlen und könnte dringend eine Attraktivitätssteigerung brauchen. Doch beim Bund scheint man dafür (noch) nicht bereit zu sein.



Die SwissCovid-App funktioniert, sie warnt Smartphone-User vor einer möglichen Corona-Ansteckung und trägt dazu bei, Infektionsketten möglichst rasch zu unterbrechen.

Während die Lockerungs-Diskussionen zunehmen, ist die Zahl der aktiven SwissCovid-User am Sinken. Auf rund 1,8 Millionen Smartphones lief die im Juni 2020 lancierte App, nun sind es noch 1,67 Millionen, gemäss der offiziellen Schätzung, die das Bundesamt für Statistik online veröffentlicht.

Gefordert ist nun eine andere Abteilung der eidgenössischen Verwaltung, das Bundesamt für Gesundheit (BAG), die offizielle Herausgeberin der Schweizer Warn-App. Doch eine watson-Anfrage beim SwissCovid-Sprecher zeigt, dass die Verantwortlichen zögern, etwas zu ändern.

Dies verwundert umso mehr, als dass es von den SwissCovid-Machern eine pfannenfertige Lösung gäbe, um die Attraktivität und Effizienz der App zu steigern. Gemeint ist die Crowdnotifier-Technologie, die seit Anfang Jahr an der Technischen Hochschule in Lausanne (EPFL) getestet wird und von der Softwarefirma Ubique entwickelt und als eigenständige App fürs iPhone und Android veröffentlicht wurde.

Sie ermöglicht, sogenannte Corona-Cluster nach dem Zusammentreffen von Leuten schnell zu bekämpfen. Wenn man einen Event besucht, scannt man beim Eingang einen QR-Code ein und kann sich in der Folge warnen lassen, falls unter den Teilnehmenden eine ansteckende Person war.

Die Website zur Schweizer NotifyMe-App, die dazu beitragen soll, Corona-Cluster zu bekämpfen.

NotifyMe ist eine von der Ubique AG entwickelte App, die wie SwissCovid höchsten Datenschutz-Standards entspricht und die Anonymität gewährleistet. Sie ermöglicht es, Corona-Cluster schnell zu bekämpfen und könnte (technisch) problemlos integriert werden. Screenshot: notify-me.ch

watson hat beim BAG nachgefragt.

Fragen ans Bundesamt für Gesundheit (BAG)

Wird NotifyMe, bzw. die CrowdNotifier-Technologie in die SwissCovid-App integriert?

Dazu teilt der für die SwissCovid-Kommunikation zuständige BAG-Mitarbeiter Marco Stücheli mit:

«Nein, das ist zur Zeit nicht vorgesehen. Für eine Integration bräuchte es eine Anpassung der gesetzlichen Grundlage zur App.»

Worauf will/muss das BAG noch warten?

«Die Integration einer CrowdNotifier-Technologie in das bestehende Contact-Tracing muss genau analysiert werden und ebenfalls von den Kantonen begrüsst werden. Wir sind dabei, die Bedürfnisse der Kantone zu klären.»

Eine solche Check-in-Funktion würde die Attraktivität, bzw. den Nutzen der SwissCovid-App massiv steigern und könnte dazu führen, dass die Zahl der aktiven User erhöht wird. Wie beurteilt das BAG dies?

«Die Grundidee der SwissCovid-App hat diese Funktionalität nicht vorgesehen. Bei einem solchen Schritt würde es sich um eine massgebliche Weiterentwicklung der bestehenden App handeln. Wir stimmen Ihnen bezüglich dem Attraktivitätsgewinn und der Funktionalitätsgewinn zu.»

Welche technischen Hilfsmittel zur Cluster-Bekämpfung plant das BAG für die kommenden Öffnungen?

«Aktuell gibt es diesbezüglich keine konkreten Pläne.»

Weiter weist Stücheli auf das in der vergangenen Woche vorgestellte Abwasser-Screening der EAWAG hin. Diese Messungen erlaubten es ebenfalls, Cluster aufzuspüren.

Hier wurde an der Pressekonferenz des Bundes über das Projekt informiert:

abspielen

Video: YouTube/Der Schweizerische Bundesrat - Le Conseil fédéral suisse - Il Consiglio federale svizzero

Bleibt die Frage, mit welchen kommunikativen Massnahmen das BAG in den kommenden Monaten für SwissCovid (und allfällige weitere technische Hilfsmittel zur Seuchenbekämpfung) bei der Schweizer Bevölkerung werben will?

Dazu der BAG-Mann:

«Wir evaluieren zur Zeit verschiedene Möglichkeiten. Spruchreif ist noch nichts.»

Die nächste Chance

In einer Pandemie bietet sich den Verantwortlichen eine begrenzte Anzahl von (nicht im Vornherein bekannten) Chancen, den weiteren Verlauf positiv zu beeinflussen.

Dies zeigte sich beispielhaft bei den Impfungen. Weil das Bundesamt für Gesundheit, respektive der Bundesrat, bei der Impfstoffbeschaffung zögerlich agierte und nicht bereit war, viel mehr Geld auszugeben, mangelt es seit Monaten an Impfdosen, während andere Länder «durchimpfen»

Bei der SwissCovid-App droht das BAG durch Beobachten zögerliches Verhalten eine Verbesserung der Gesamtsituation zu verpassen. Und erneut führt man das Argument einer fehlenden gesetzlichen Grundlage ins Feld, wie dies auch schon bei der Berichterstattung über eine angeblich mögliche eigene Impf-Produktionslinie im Wallis der Fall war.

(Zwar hat der Bundesrat am Freitag dementiert, dass es ein konkretes Angebot für eine Produktionsstrasse gegeben habe. Doch bleiben Zweifel, ob der Bund tatsächlich mutig und entschlossen verhandelt hat in der Sache.)

Zurück zu SwissCovid: Dass gesetzliche Anpassungen erforderlich sind, um die App technisch zu erweitern und die sinnvolle Corona-Cluster-Bekämpfung zu integrieren, sollte keinesfalls ein Hinderungsgrund sein. Im Gegenteil! Alle Lockerungs-Turbos im Parlament dürften einer solchen Lösung nach geltender Logik ohne Wenn und Aber zustimmen – oder würden sonst als heuchlerische Populisten entlarvt.

Angesichts der lauter werdenden Lockerungs-Rufe und der sinkenden App-Nutzerzahlen muss die Bevölkerung dringend sensibilisiert und besser informiert werden. Vor allem aber braucht SwissCovid eine Attraktivitätssteigerung, denn offensichtlich erkennen je länger, desto je weniger Leute den Nutzen. Dies könnte man mit der zusätzlichen Funktion erreichen, die Superspreader-Events bekämpfen hilft.

Quellen

Das Erklärvideo zu NotifyMe.

abspielen

Ist SwissCovid ein Flop?

Alles über die Schweizer Corona-Warn-App

Koronavilkku statt SwissCovid: Was die Finnen richtig machen in der Corona-Krise

Link zum Artikel

Diese neue Schweizer App hilft gegen Superspreader – nun ist der Bund gefordert

Link zum Artikel

App-Entwicklerchef: «In den meisten Fällen ist es unnötig, SwissCovid zu deaktivieren»

Link zum Artikel

SwissCovid wird schneller: Labors, Infoline und Apotheken stellen neu Covid-Codes aus

Link zum Artikel

Warum versagen die Kantone bei der SwissCovid-App? Es gibt einen bösen Verdacht

Link zum Artikel

Kanton Zürich lässt erkrankten Mann tagelang auf Covidcode warten – Nachfragen hilft nicht

Link zum Artikel

Dieses «Live-Protokoll» einer Lehrerin zeigt, wo beim Contact-Tracing der Wurm drin steckt

Link zum Artikel

Kanton Aargau macht sonntags Corona-Pause – und stellt keine Covidcodes aus

Link zum Artikel

SwissCovid warnt vor «möglichen Begegnungen» – das steckt dahinter

Link zum Artikel

Covid-App-Frust und ein wenig Hoffnung: So lief die Corona-Konferenz in Bern

Link zum Artikel

SwissCovid-User warnen zu spät oder überhaupt nicht – das sind die Gründe

Link zum Artikel

Dilettantisch von A bis Z: Wie sich die Gegner der SwissCovid-App lächerlich machten

Link zum Artikel

Diese praktischen Tipps zur SwissCovid-App sollten iPhone- und Android-User kennen

Link zum Artikel

4 Infografiken zur SwissCovid-App, die die harte Realität zeigen

Link zum Artikel

Spitäler empfehlen Angestellten, SwissCovid zu deaktivieren – das steckt dahinter

Link zum Artikel

Das sind die grössten «Baustellen» bei der SwissCovid-App

Link zum Artikel

Was Schweizer und Ausländer unbedingt über die SwissCovid-App wissen sollten

Link zum Artikel

SwissCovid ist da – das sind die wichtigsten Fragen zum offiziellen Start der Tracing-App

Link zum Artikel

Die verrückte Geschichte, wie die Schweiz zur (vielleicht) weltbesten Corona-Warn-App kam

Link zum Artikel

Die SwissCovid-App kommt – und wir müssen dringend ein paar Unklarheiten beseitigen

Link zum Artikel

Die Schweiz und ihre Nachbarn im schonungslosen Tracing-App-Vergleich

Link zum Artikel

Nutzt du die SwissCovid-App? Dann musst du diese offizielle Warnung kennen

Link zum Artikel

Die grösste Bewährungsprobe für die Corona-Warn-Apps kommt erst noch

Link zum Artikel

Die verrückte Geschichte hinter der «SwissCovid»-App, die nun weltweit für Furore sorgt

Link zum Artikel

Die Schweizer Corona-Warn-App im (schonungslosen) Vergleich mit den Nachbarn

Link zum Artikel

Apple und Google veröffentlichen Software für Corona-Warn-Apps – das musst du wissen

Link zum Artikel

Das müssen iPhone- und Android-User über die Corona-Technik (in ihrem Handy) wissen

Link zum Artikel

Offener Brief an den Bundesrat – die Corona-Warn-App soll möglichst breit getestet werden

Link zum Artikel

Ärger um «verzögerte» Schweizer Corona-Warn-App – das steckt wirklich dahinter

Link zum Artikel

Corona-Warn-App ist «demnächst» bereit, aber der Start könnte sich massiv verzögern

Link zum Artikel

Diese Fehler darf die Schweiz mit ihrer Corona-Warn-App keinesfalls machen

Link zum Artikel

Die Schweizer Corona-Warn-App kommt – das sind die wichtigsten Fakten

Link zum Artikel

Schweizer fürchten Überwachung durch Contact-Tracing-App – und wollen sie trotzdem nutzen

Link zum Artikel

Die Schweizer Corona-Warn-App kommt – das erwarten die Macher von Apple und Google

Link zum Artikel

Frankreich will, dass Apple zentralen iPhone-Schutz aufhebt – die Schweiz ist besser dran

Link zum Artikel

300 Wissenschaftler warnen vor «beispielloser Überwachung der Gesellschaft»

Link zum Artikel

Europa bietet sich eine einmalige Chance – wir sollten sie nicht verpassen!

Link zum Artikel

Eine Schweizer App gegen das Virus? «Wir müssen alle am selben Strick ziehen»

Link zum Artikel

Die Schweiz rüstet sich für den digitalen Kampf gegen das Coronavirus

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das Coronavirus in der Schweiz – eine Chronologie

1 / 59
Das Coronavirus in der Schweiz – eine Chronologie
quelle: keystone
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

So funktioniert der Corona-Spucktest

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Threema ist das neue WhatsApp – und schlägt die Konkurrenz um Längen

Wer hätte gedacht, dass die weltbeste Messenger-App nicht aus dem Silicon Valley kommen würde, sondern vom Zürichsee. Eine persönliche Analyse.

Seit acht Jahren befasse ich mich mit dem sicheren Schweizer Messenger Threema. Den ersten Artikel dazu publizierte ich im Dezember 2012. Titel: «Die Schweizer Antwort auf WhatsApp». Die damalige erste App gab's nur fürs iPhone, und sie war zum Start gratis. Im Interview versprach der Entwickler, Manuel Kasper, die baldige Veröffentlichung einer von vielen Usern geforderten Android-Version. Und:

Er hielt Wort. Im Gegensatz zu WhatsApp.

Einige dürften sich erinnern, dass es ein gleiches …

Artikel lesen
Link zum Artikel