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Die Testversion der Schweizer Corona-App für iOS und Android. bild: twitter/@jcfrick

So kannst du die Schweizer Corona-Warn-App schon jetzt ausprobieren

Die offizielle Corona-Warn-App der Schweiz soll zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie beitragen, indem Infektionsketten zurückverfolgt werden können. Die Testversion für Android und iOS kann man schon jetzt installieren.



Schweizer Forscher der EPFL Lausanne und ETH Zürich entwickeln die Contact-Tracing-Technologie für die Corona-App des Bundes mit. Die App wird in Zusammenarbeit mit der Schweizer IT-Firma Ubique entwickelt, die bekannte Apps wie SBB Mobile, MeteoSchweiz oder AlertSwiss verantwortet. Die Corona-App soll zur Eindämmung des Virus beitragen, indem Ansteckungsketten rasch zurückverfolgt werden können.

Das Prinzip der Warn-App ist einfach: Sie stellt mittels Bluetooth die Nähe zu anderen Handys fest, auf welchen die App ebenfalls installiert ist. Wird man positiv auf Covid-19 getestet, kann man dies in der App anonym melden. Nun werden alle anderen App-Nutzer informiert, die sich über eine bestimmte Zeit in nächster Nähe aufgehalten haben. Sie sehen aber nicht, von wem die Meldung stammt.

Testversion der Corona-App

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Meldet ein Nutzer eine Infektion mit dem Coronavirus, werden alle anderen App-Nutzer alarmiert, mit denen man für eine bestimmte Zeit engen Kontakt hatte.

Warum ist diese Warnung wichtig? Für die Begegnungen der angesteckten Person besteht ein gewisses Risiko, sich auch angesteckt zu haben. Die App informiert sie über das weitere Vorgehen, zum Beispiel Selbstisolation oder sich testen lassen. Mit der schnellen Warnung per App können sich Personen selbst isolieren, bevor sie Symptome haben. Die Hoffnung der Epidemiologen ist, dass die Ansteckungskette dadurch effizienter unterbrochen wird. Ohne Contact-Tracing isolieren sich Personen erst, wenn sie sich krank fühlen. Sie sind aber meist schon vorher ansteckend.

Die Schweizer Corona-App könnte daher künftig nebst anderen Massnahmen wie dem Maskentragen in der Öffentlichkeit ein wichtiger Pfeiler der Exit-Strategie des Bundes werden, um den teilweisen Shutdown weiter zu lockern bzw. zu beenden.

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Ein Code, den man mit dem Corona-Testergebnis bekommt, soll Falschmeldungen verhindern.

Damit man keine Juxwarnungen verbreiten kann, bekommt man mit dem Corona-Testergebnis einen einmaligen Code, um die Erkrankung in der App zu melden (so ist es zumindest in der Testversion angedacht). In der Test-App funktioniert diese Verifizierung anscheinend noch nicht, d. h. man kann derzeit einen beliebigen Code eingeben.

Ob die Testversion der Corona-App genau so für die offizielle App des Bundes übernommen wird, ist zudem unwahrscheinlich. Gut möglich, dass die finale App einen anderen Namen und ein anderes Design haben wird.

So oder so: Die Testversion gibt einen Eindruck davon, wie die definitive App in rund drei Wochen funktionieren wird. Und die technische Basis wird die gleiche sein: Dezentral, Open Source und Swiss made.

Testversion installieren: So geht's

Die offizielle Contact-Tracing-App des Bundes soll am 11. Mai erscheinen. Sie hat, sofern die Nutzung freiwillig ist, die Unterstützung zahlreicher Wissenschaftler und Datenschützer, weil mit ihr keine persönlichen Daten zentral auf Servern gespeichert werden.

Eine erste Testversion für Android gibt es schon seit ein paar Wochen. Nun kann man eine weit fortgeschrittene Testversion der Next-Step-App erstmals auch mit iOS testen.

Die Apps können zu Testzwecken auf der Webseite next-step.io/de/ heruntergeladen werden.

Hinweis: Diese Testversion sollte vor dem Installieren der offiziellen Corona-App des Bundes wieder gelöscht werden.

Wirst du die offizielle Corona-App des Bundes nutzen?

App-Nutzung freiwillig

Nach bisherigen Angaben der Behörden soll die Nutzung freiwillig sein. Unklar ist aber, ob zum Beispiel das Betreten von Geschäften oder die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel von der Anwendung der App abhängig gemacht werden könnten.

Für den Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten Adrian Lobsiger ist die Freiwilligkeit zentral. «Jeder juristische oder soziale Zwang muss verhindert werden», sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Ist das wirklich sicher? Wie funktioniert das Schweizer Contact-Tracing?

Die App erkennt mittels Bluetooth Begegnungen mit anderen Nutzern. Eine Begegnung wird durch die App registriert, wenn zwei Nutzer für eine bestimmte Zeit zusammenstehen. Solche Begegnungen werden nur lokal auf dem Handy gespeichert und nach 21 Tagen wieder gelöscht. Es werden also Begegnungen gespeichert (Tracing = Zurückverfolgen von Begegnungen) und nicht der Standort der Nutzer (kein Location-Tracking).

Wichtig zudem: Jede App hat eine dynamische ID, die alle paar Minuten zufällig neu generiert wird. So bleibt jeder Nutzer anonym. Es kann also niemand rekonstruieren, wer wem zu welchem Zeitpunkt begegnet ist. Damit das Datenschutzversprechen der App-Entwickler überprüft werden kann, ist der Code Open Source. Das heisst, er ist frei verfügbar und kann von jedermann untersucht werden.

So funktioniert die App:

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Video: YouTube/Ubique – Apps & Technology

BAG bekennt sich zur Schweizer App

Das BAG begrüsst den dezentralen Ansatz des Software-Projekts DP-3T, an dem EPFL und ETH federführend beteiligt sind. Ein solcher entspreche den schweizerischen Bedürfnissen nach maximalem Schutz der Privatsphäre am besten, heisst es in der Stellungnahme. Laut BAG-Direktor Pascal Strupler werde die App auch Apples und Googles kommende Contact-Tracing-Technologie in iOS und Android unterstützen, sobald diese bereit sei. «Das reduziert einerseits die Komplexität und andererseits sollte dadurch der Batterieverbrauch sinken», sagt Ubique-CEO Mathias Wellig.

Auch der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte Adrian Lobsiger begrüsst den dezentralen Ansatz, wie ihn Apple, Google und die Schweiz verfolgen, weil die Daten nur lokal gespeichert werden. Damit verringert sich das Risiko der Profilbildung. Zudem bieten dezentral gespeicherte Daten weniger Angriffsfläche für Hacker. Auf der anderen Seite fallen bei einer dezentralen Lösung weniger Daten für die epidemiologische Auswertung an.

Österreich setzt auf «Schweizer Lösung» – Frankreich und Deutschland diskutieren noch

Bei der Schweizer Corona-App kommunizieren die Smartphones direkt miteinander, heikle Daten werden nicht auf Servern gespeichert. Im Gegensatz zu diesem dezentralen Ansatz, der die Privatsphäre der Nutzer schützt, setzen grosse Länder wie Frankreich voraussichtlich auf zentrale Lösungen. Das heisst: Die Daten würden nicht lokal auf dem Smartphone gespeichert, sondern zentral auf Servern. Anonymisiert zwar, aber verfügbar für Auswertungen. Der Bürger muss in diesem Fall voll und ganz einem Dritten, einer Firma oder dem Staat, vertrauen. Das ist problematisch, da die gespeicherten Kontakt- und Gesundheitsdaten weitreichende Einblicke in unsere Privatsphäre erlauben.

In Österreich hat das Rote Kreuz am Mittwoch beschlossen, wie die Schweiz auf eine dezentral funktionierende Warn-App zu setzen. Die Regierung in Deutschland favorisierte zuerst wie Frankreich eine zentrale Lösung. Nun hat sie laut «Handelsblatt» drei unterschiedliche technische Konzepte in der näheren Auswahl. Demnach fällt die Entscheidung zwischen dem umstrittenen zentralen Ansatz des paneuropäischen Software-Projekts PEPP-PT, dem dezentralen Ansatz DP-3T (den die Schweiz nutzt) sowie der anfänglich in Österreich eingesetzten Lösung der Accenture GmbH.

«Nie dagewesene Überwachung der Gesellschaft»

Bereits am Montag hatten 300 Wissenschaftler vor einer zentralen Server-Lösung gewarnt. Damit drohe eine «nie dagewesene Überwachung der Gesellschaft». Es sei daher absolut entscheidend, «dass wir als Ausweg aus der momentanen Krise nicht ein Werkzeug schaffen, welches jetzt oder zu späteren Zeiten ermöglichen würde, Daten über die Bevölkerung in grossem Stil zu sammeln».

Ein Streit um Konzeption und Transparenz einer solchen App hat kürzlich zum Bruch innerhalb des europäischen Forscherkollektivs geführt, das die App PEPP-PT entwickelt. Im Gegensatz zu DP-3T werden bei dieser Daten zentral gespeichert. Der EPFL-Epidemiologe Marcel Salathé kehrte dem Projekt vergangene Woche wegen mangelnder Transparenz den Rücken.

DP-3T steht für Decentralized Privacy-Preserving Proximity Tracing. Es handelt sich um ein Projekt eines internationalen Kollektivs, an dem Forscher der beiden ETH beteiligt sind. Zudem beteiligt sich die Schweizer Armee an ersten Anwendungsversuchen.

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA.

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