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In den Sonnenuntergang streamen: Das geht auch weiterhin ruckelfrei. bild: shutterstock

Analyse

Streaming in Pandemie-Zeiten – was nicht nur Netflix-User wissen sollten

Betrifft: Netflix, Sky Show, Amazon Prime Video, Apple Plus, Disney Plus.



Bandbreite kann man im Gegensatz zu WC-Papier nicht hamstern.

Anmerkung: Dieser Beitrag dreht sich um Netflix und andere bekannte Film- und Serien-Streamingdienste. Um Gaming-Dienste geht es in diesem separaten Artikel.

Ein «virusfreier» Anbieter mischt den Markt auf

Nie kam ein neues Streaming-Angebot zu einem besseren Zeitpunkt: Am Dienstag soll Disney Plus (wie angekündigt) in der Schweiz starten. Zudem auch in Deutschland und Österreich und weiteren Pandemie-geplagten Ländern Europas, in Grossbritannien, Irland, Italien und Spanien.

Falls nicht in letzer Minute etwas dazwischen kommt: In unserem westlichen Nachbarland Frankreich ist die Lancierung auf den 7. April 2020 verschoben worden, wie am Samstag bekannt wurde. Die Verschiebung erfolge auf Wunsch der französischen Regierung, liess der regionale Ableger des US-Unterhaltungskonzerns via Twitter verlauten.

watson konnte Disney Plus wenige Tage vor der Lancierung in der Schweiz ausprobieren. Ein ausführlicher Review folgt, nachdem wir das «nationale» Angebot prüfen konnten. Der zur Verfügung gestellte Test-Account ermöglichte nur das Ausprobieren des niederländischen Sortiments, wo Disney Plus bereits seit September 2019 verfügbar ist.

Sicher ist: Mit seinen familienfreundlichen Serien, Filmen und Dokus hebt sich Disney Plus in diesen dramatischen Zeiten von der Konkurrenz ab. Am eindrücklichsten zeigt dies eine einfache Suche nach dem Begriff «Virus».

Hier die «Virus»-Treffer beim Marktführer Netflix:

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Zombie-Apokalypse und Pandemie-Doku: das nicht jugendfreie Streamingangebot. screenshot: watson

Und das zeigt Disney Plus an:

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screenshot: watson

Der Fairness halber ist anzumerken, dass Netflix einen ziemlich «Virus»-freien Kids-Bereich anbietet

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screenshot: watson

Damit sind wir bei einem heiklen Punkt.

Bricht wegen des neuen Streaming-Dienstes das Internet zusammen?

Nein. Das ist unwahrscheinlich. Die via Social Media verbreiteten Überlastungsszenarien sind übertrieben.

Grundsätzlich sind die grossen Internet-Knoten bei Weitem nicht ausgelastet wegen des zusätzlichen Datenverkehrs durch Leute im Home Office und vermehrte Videokonferenzen. Zwar ist das durch Netflix und Co. verursachte Datenvolumen beträchtlich, aber absolut zu bewältigen, wie die verantwortlichen Netzwerkbetreiber versichern.

Bei einer temporär zu grossen Belastung würde automatisch die Qualität der Streams nach unten geschraubt.

Zu Problemen kommt es bei einzelnen Internet Service Providern (ISP), wenn diese gewinnorientierten Unternehmen nicht rechtzeitig in den Ausbau ihrer Netzwerk-Infrastruktur investiert hatten. Oder weil sie sich gegen den freien Datenfluss sperren zwischen unabhängigen Netzwerken.

Disney Plus hat zudem am Wochenende angekündigt, dass die Stream-Qualität reduziert werde, um weniger grosse Datenmengen übers Internet zu übertragen.

«In Erwartung der hohen Nachfrage nach Disney+ leiten wir proaktiv Massnahmen ein, um unsere Gesamtbandbreitennutzung in allen Märkten, in denen Disney+ am 24. März eingeführt wird, um mindestens 25 Prozent zu senken.»

Welche Streaming-Dienste reduzieren in der Corona-Krise die Bildqualität?

Von folgenden Streaming-Plattformen ist bekannt, dass sie die Streaming-Qualität (vorübergehend) reduzieren:

Sky (Europa) hat bislang keine entsprechende Drosselung angekündigt. Dazu gleich mehr.

Den Anfang machte Netflix, gefolgt von YouTube und Amazon, schliesslich auch der Disney-Konzern. Die stärkste Einschränkung gibt es laut Medienberichten bei Apple TV Plus. Wobei dies bei aktuellen Versuchen in der Schweiz (mit der Set-Top-Box Apple TV 4K) nicht sonderlich auffiel.

«Denkbar ist, dass die Qualität stärker als sonst an die generelle Auslastung der Netze in den jeweiligen Ländern angepasst wird. Es ist anzunehmen, dass auch Apple und die anderen Streaming-Anbieter dies entsprechend handhaben.»

quelle: golem.de

Gibt es jetzt nur noch SD statt HD und UHD?

Nein, so schlimm es nicht, wie wir gleich sehen.

Doch zunächst zu den Abkürzungen:

Einigen wir uns darauf, dass auch auf grösseren Fernsehern der Film- und Seriengenuss mit HD (1080p) passt. Und darauf müssen die User in Krisenzeiten nicht verzichten.

Netflix reduziert ab sofort die Bildqualität, aber das geschieht nicht durch Herabsetzen der Auflösung, sondern durch eine Verringerung der übertragenen Datenmengen. Konkret wird die sogenannte Bitrate nach unten angepasst, was Konsumenten (mit kleineren Displays) nicht bemerken dürften.

Warum spielt die «Bitrate» eine wichtige Rolle?

Wie gut die Qualität eines abgespielten Videos ausfällt, hängt nicht nur von der Auflösung ab, sondern von der Anzahl Bilder, die pro Zeiteinheit angezeigt werden. Die sogenannte Bitrate steht für eine variable Anzahl an übertragenen Daten (Bits) pro Sekunde. So können die Streaming-Anbieter die Qualität herunterschrauben, denn die Bildqualität hängt entscheidend von der Anzahl an Bits pro Pixel ab.

Ein Kommentator bei golem.de erklärt:

YouTube und Co. verwenden verlustbehaftete Videokompression (AVC, VP9, AV1), bei der mehr Pixel NICHT zwingend mehr Bitrate bedeuten. Die Bitrate kann (in gewissen Grenzen) unabhängig von der Auflösung gewählt werden.

Vereinfacht ausgedrückt heisst das:

Warum drosseln Netflix und Co. die Streams?

Offenbar, weil es ein hochrangiger europäischer Politiker verlangt hat.

Die Anordnung der EU komme trotz Beweisen, die zeigten, dass die Breitbandkapazität bei weitem nicht ausgeschöpft sei, kritisiert das Consumer Coice Center. Obwohl die Geschwindigkeit konstant geblieben sei und es keine Berichte über weit verbreitete Ausfälle gebe, nicht einmal in Italien, das sich seit Wochen im «Lockdown» befinde.

Cui bono?

Zum einen können sich Politiker und andere Akteure mit solchen Massnahmen profilieren.

Man kann und sollte sich natürlich aber auch fragen, wer von einer Qualitätsminderung wirtschaftlich profitiert.

Das sei keine sinnvolle Massnahme, um die Infektionsrate einzudämmen, kritisierte ein User bei golem.de. Es sei dei Erhaltung von Gewinnmargen mit Corona als Ausrede.

«Die Streaminganbieter müssen weniger Bandbreite bezahlen, bei steigenden Einnahmen durch mehr Kundschaft steigt deren Gewinn. Die Provider, die zwecks Gewinnoptimierung bis zum Anschlag mischkalkuliert haben, müssen bei ihren Profitmargen keine Abstriche machen, weil sie ihre Netz nicht ausbauen müssen, nicht mehr Bandbreite einkaufen müssen.»

quelle: golem.de

Muss man das akzeptieren?

Jein. 😏

Streaming-Abonnements können jederzeit gekündigt werden. Die entsprechenden Kündigungsfristen sind kurz.

Wer unabhängig sein will, lädt sich Serien und Filme in der gewünschten Qualität aus dem Internet herunter (das ist nur in der Schweiz legal, solange man nur herunterlädt!) und macht sie über einen lokalen Datenspeicher wie ein NAS im Heimnetzwerk verfügbar.

So kommen die Besitzer von Riesen-Fernsehern, und Liebhaber von höchsten Videoauflösungen (UHD, Ultra-HD, 4K) auf ihre Kosten, wobei es ja, wie oben erwähnt, insbesondere auf die Bitrate ankommt. Und auch audiophile User, die bei der Tonausgabe wert legen auf ungefilterte Qualität, müssen mit lokalen Dateien keine Einschränkungen befürchten.

Anzumerken bleibt, dass man je nach Anbieter nun nicht gezwungen ist, alle Inhalte nur noch in SD-Qualität zu streamen. Bei Netflix und YouTube beispielsweise ist es nachwievor möglich, hochauflösende HD-Streams zu beziehen. Dazu muss man einfach die Standard-Einstellungen anpassen.

Soll man einen VPN-Dienst verwenden?

Gegen VPN-Dienste ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Im Gegenteil! Man erreicht damit im besten Fall mehr Privatsphäre und Datenschutz und beugt Hackerangriffe vor.

VPN steht für Virtual Private Network und meint, dass die Internetverbindung verschlüsselt erfolgt über einen Anbieter, der unabhängig ist vom eigenen Internet Service Provider, und dem man seinen Datenverkehr anvertraut.

Früher war es eine beliebte Praxis, mithilfe von VPN-Diensten ein ausländisches Angebot eines Streaming-Dienstes zu nutzen (entgegen der vertraglichen Bestimmungen). Das bekannteste Beispiel sind US-amerikanische Serien von Netflix, die hierzulande nicht oder erst spät verfügbar waren.

Weil die Streaming-Anbieter technisch aufgerüstet haben, ist es zunehmend schwierig, Netflix und Co. eine «falsche» Internet-Adresse (IP) im Ausland vorzugaukeln.

Streaming läuft bei mir nicht flüssig, was nun?

Das kann verschiedene Ursachen haben. Bevor man bei Social Media über den Anbieter schimpft und andere Leute mit ungeprüften Behauptungen verunsichert, sollte man den möglichen Fehlerquellen auf den Grund gehen. Hierbei ist es hilfreich, nach dem Ausschlussverfahren vorzugehen: Das heisst, man schaut Punkt für Punkt, woran es nicht liegt.

So beurteilt Netflix die Schweizer Internet-Provider:

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screenshot: ispspeedindex.netflix.com

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Quellen

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