Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Corona-müde? bild: shutterstock

Kommentar

SwissCovid ist ein Intelligenztest – und die Zwischenresultate sind, nun ja...

Wie überzeugt man Menschen, etwas freiwillig zu tun, von dem sie fälschlicherweise glauben, es bringe ihnen keinen Nutzen? Und was braucht es, damit Jung und Alt in Krisenzeiten solidarisch sind?



Die Corona-Krise spaltet das Land. Und lässt viele kalt.

Wie sonst ist zu erklären, dass Millionen Bürgerinnen und Bürger bewusst auf die nationale Warn-App verzichten, die zur Eindämmung der Seuche lanciert wurde?

Erhebungen des Bundes zeigen, dass die im Juni lancierte SwissCovid-App inzwischen auf 1,2 Millionen Smartphones läuft. Das ist wenig für ein aufgeklärtes, wohlhabendes Land mit über 6 Millionen kompatiblen iPhones und Android-Smartphones. Viel zu wenig.

Dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) als Herausgeberin der App ist es bislang nicht gelungen, die breite Bevölkerung zu überzeugen. Der digitale Graben zieht sich quer durch die Sprachregionen, Kantone und Altersgruppen. Er reicht von Schaffhausen über die Innerschweiz bis ins Wallis und betrifft Junge, Mittelalterliche und Senioren-Influencer.

Woran das wohl liegt?

Corona und Aids

Covid-19 ist eine Gefahr für die Gesundheit und unsere Gesellschaft. Aber wie gross ist das persönliche Risiko? Und wie weit sind wir bereit, andere zu schützen?

Der Psycho­analytiker und Satiriker Peter Schneider erklärte einem Republik-Journalisten, warum die Risikoabwägung bei Covid-19 völlig anders sei als bei Aids.

Schneider meinte:

«Die individuelle aktuelle Bedrohung durch Corona ist nicht gross genug. Auf HIV stand lange Zeit die Todes­strafe, nach ungeschütztem Geschlechts­verkehr war man in Panik. Also etablierte sich die Konvention des Kondoms. Corona bedroht jüngere Leute nicht so drastisch – und es gibt noch genügend Spital­betten. Es gibt reale Gründe, das eigene Risiko als vertretbar zu betrachten.»

quelle: republik.ch

Für junge User: In den 1980er-Jahren verunsicherten Berichte über die Ausbreitung der unheilbaren Immunerkrankung die hiesige Bevölkerung. Das HI-Virus wurde zum Schreckgespenst. Mütter kochten die Blockflöten ihrer Kinder aus. Und öffentliche WCs galten als Gefahrenzone.

Damals herrschte übertriebene Angst. Und heute?

Heute nerven wir uns über – zugegeben – üble Kommunikations-Pannen beim Bund, Versäumnisse der Kantone und das Fehlverhalten Dritter. Und wir verlieren uns in Diskussionen über Corona-Detailfragen, statt beim eigenen Verhalten anzusetzen und konsequent zu sein bei den von den Fachleuten empfohlenen Vorsichtsmassnahmen.

Welche Massnahme gegen Covid-19 hältst du persönlich für unnötig?

Wie viele Schweizerinnen und Schweizer glauben, dass ihnen SwissCovid keinen echten Nutzen bringt? Oder schlimmer noch, sie befürchten deswegen Nachteile?

Bild

SwissCovid funktioniert. Wie viele Warnhinweise angezeigt werden aufgrund der eingegebenen Covidcodes (durch User, die positiv getestet wurden) ist nicht bekannt. screenshot: bfs.admin.ch

Warum soll man sich freiwillig eine App «ins Haus» holen, deren Wirksamkeit nicht geklärt ist?

Gegenfrage: Warum sollte man auf ein einfaches Hilfsmittel verzichten, das nichts kostet und vergleichsweise sehr sicher ist, wie IT-Experten übereinstimmend sagen?

Das Problematische bei den App-Verweigerern ist, dass sie einer selbsterfüllenden Prophezeiung Vorschub leisten: Die vorgesehene Durchschlagskraft erreicht die App erst, wenn sie von vielen genutzt wird. Läuft SwissCovid hingegen weiterhin auf relativ wenigen Geräten, hält sich der gesellschaftliche Nutzen in Grenzen. Und damit sehen sich die Zweifler bestätigt: «Die App bringt nichts. Haben wir ja gesagt!»

Wird das noch was oder kann das weg?

Die entscheidende Frage zu SwissCovid, nämlich die Wirksamkeit der neuartigen Technik, lässt sich bislang nicht beantworten. Wir stecken noch mitten in der Pandemie und ein Ende ist nicht in Sicht, auch wenn wir Corona-müde sind und am liebsten gar nichts mehr davon hören möchten.

Fakt ist: Bundesbern kann und wird uns nicht vor Covid-19 bewahren. Wir alle sind gefordert – und stehen in der Pflicht. Die Zauberworte für das erfolgreiche Bewältigen der Corona-Krise lauten Eigenverantwortung und Selbstdisziplin.

Weil du bis hierhin gelesen hast (und nicht nur den zugegeben provokativen Story-Titel), will ich ehrlich sein:

Eigentlich müssen wir hoffen, dass SwissCovid auf lange Sicht kein durchschlagender Erfolg wird. Denn viele Leute würden die App wohl erst installieren, falls sich die Lage extrem verschlechtert und eine Überlastung der Spitäler und andere gravierende Konsequenzen drohen.

Dieser «Worst Case» scheint heute weit weg. Und darum versprüht SwissCovid weiterhin den trockenen Charme eines sozialwissenschaftlichen Massenexperiments.

Allerdings ist der Hintergrund todernst. Und wir tun gut daran, herauszufinden, was eine solche Anwendung für uns persönlich und unsere Gesellschaft leisten kann und ob unsere Smartphones zur Seuchenbekämpfung taugen.

Um es in Anlehnung an einen Spruch des legendären Forrest Gump zu sagen: Dumm ist der, der nichts tut.

PS: Die SwissCovid-App muss man nur einmal «zur Hand nehmen», um sie zu aktivieren, und kann sie dann getrost vergessen. Das liegt beim Kondom definitiv nicht drin. 😉

Video: watson

Noch nicht überzeugt?

Was für die SwissCovid-App spricht:

Und jetzt du!

Nach dem Abwägen sämtlicher Vor- und Nachteile ist völlig logisch, dass wir es probieren sollten. Oder nicht?

Quellen

Alles über die Schweizer Corona-Warn-App

Warum versagen die Kantone bei der SwissCovid-App? Es gibt einen bösen Verdacht

Link zum Artikel

Kanton Zürich lässt erkrankten Mann tagelang auf Covidcode warten – Nachfragen hilft nicht

Link zum Artikel

Dieses «Live-Protokoll» einer Lehrerin zeigt, wo beim Contact-Tracing der Wurm drin steckt

Link zum Artikel

Kanton Aargau macht sonntags Corona-Pause – und stellt keine Covidcodes aus

Link zum Artikel

SwissCovid warnt vor «möglichen Begegnungen» – das steckt dahinter

Link zum Artikel

Von Dänemark bis Spanien – das sind die neusten Corona-Apps, die (dich) in Europa warnen

Link zum Artikel

Covid-App-Frust und ein wenig Hoffnung: So lief die Corona-Konferenz in Bern

Link zum Artikel

SwissCovid-User warnen zu spät oder überhaupt nicht – das sind die Gründe

Link zum Artikel

Dilettantisch von A bis Z: Wie sich die Gegner der SwissCovid-App lächerlich machten

Link zum Artikel

Diese praktischen Tipps zur SwissCovid-App sollten iPhone- und Android-User kennen

Link zum Artikel

4 Infografiken zur SwissCovid-App, die die harte Realität zeigen

Link zum Artikel

Spitäler empfehlen Angestellten, SwissCovid zu deaktivieren – das steckt dahinter

Link zum Artikel

Das sind die grössten «Baustellen» bei der SwissCovid-App

Link zum Artikel

Was Schweizer und Ausländer unbedingt über die SwissCovid-App wissen sollten

Link zum Artikel

SwissCovid ist da – das sind die wichtigsten Fragen zum offiziellen Start der Tracing-App

Link zum Artikel

Die verrückte Geschichte, wie die Schweiz zur (vielleicht) weltbesten Corona-Warn-App kam

Link zum Artikel

Die SwissCovid-App kommt – und wir müssen dringend ein paar Unklarheiten beseitigen

Link zum Artikel

Die Schweiz und ihre Nachbarn im schonungslosen Tracing-App-Vergleich

Link zum Artikel

Nutzt du die SwissCovid-App? Dann musst du diese offizielle Warnung kennen

Link zum Artikel

So können auch iPhone-User die SwissCovid-App installieren (und testen)

Link zum Artikel

SwissCovid-App «geleakt» – Android-User können sie bereits installieren

Link zum Artikel

Die grösste Bewährungsprobe für die Corona-Warn-Apps kommt erst noch

Link zum Artikel

Die verrückte Geschichte hinter der «SwissCovid»-App, die nun weltweit für Furore sorgt

Link zum Artikel

Die Schweizer Corona-Warn-App im (schonungslosen) Vergleich mit den Nachbarn

Link zum Artikel

Apple und Google veröffentlichen Software für Corona-Warn-Apps – das musst du wissen

Link zum Artikel

Das müssen iPhone- und Android-User über die Corona-Technik (in ihrem Handy) wissen

Link zum Artikel

Offener Brief an den Bundesrat – die Corona-Warn-App soll möglichst breit getestet werden

Link zum Artikel

Kann man die Corona-Warn-App testen? Das sind die wichtigsten Fakten

Link zum Artikel

Ärger um «verzögerte» Schweizer Corona-Warn-App – das steckt wirklich dahinter

Link zum Artikel

Corona-Warn-App ist «demnächst» bereit, aber der Start könnte sich massiv verzögern

Link zum Artikel

Diese Fehler darf die Schweiz mit ihrer Corona-Warn-App keinesfalls machen

Link zum Artikel

Die Schweizer Corona-Warn-App kommt – das sind die wichtigsten Fakten

Link zum Artikel

Schweizer fürchten Überwachung durch Contact-Tracing-App – und wollen sie trotzdem nutzen

Link zum Artikel

Die Schweizer Corona-Warn-App kommt – das erwarten die Macher von Apple und Google

Link zum Artikel

Frankreich will, dass Apple zentralen iPhone-Schutz aufhebt – die Schweiz ist besser dran

Link zum Artikel

300 Wissenschaftler warnen vor «beispielloser Überwachung der Gesellschaft»

Link zum Artikel

Europa bietet sich eine einmalige Chance – wir sollten sie nicht verpassen!

Link zum Artikel

Eine Schweizer App gegen das Virus? «Wir müssen alle am selben Strick ziehen»

Link zum Artikel

Die Schweiz rüstet sich für den digitalen Kampf gegen das Coronavirus

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Sicheres Contact-Tracing, Made in Switzerland

Zu viel am Handy? Dr. Watson weiss, woran du leidest

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

350 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
dechloisu
06.08.2020 11:50registriert November 2016
Oft hört man Sprüche vom gläsernen Menschen und dass der Staat dann jeden Schritt mitverfolgt.
Ihren Unmut teilen sie dann per Whatsapp, Facebook, Instagram, Youtube und wie sie alle heissen.
805102
Melden
Zum Kommentar
dieBied
06.08.2020 11:57registriert May 2017
Sorry, aber der Artikel greift zu kurz! Wenn man in einem Job arbeitet, wo Homeoffice nicht möglich ist, einem aber die Lohnfortzahlung bei Quarantäne aufgrund einer Warnung der App nicht garantiert werden kann (Zitat BAG von vor ein paar Wochen "Da werden sich die Gerichte damit befassen müssen"), überlegt man es sich halt ganz gut, ob man die App wirklich nutzen soll... DAS ist der Punkt, der rechtlich geklärt werden muss! Ich bin sicher, dann würden schon mal deutlich mehr Menschen die App nutzen.
600205
Melden
Zum Kommentar
bokl
06.08.2020 11:39registriert February 2014
Der Vergleich HIV / Covid verfängt nicht:
- Ein Kondom schützt vor einer HIV-Ansteckung
- Die SwissCovid App schützt nicht vor einer SarsCov2-Ansteckung
611240
Melden
Zum Kommentar
350

Undercover-Journalist infiltriert Netzwerk von Schweizer Corona-Verschwörern

Ein junger Westschweizer Journalist verbrachte zwei Monate «undercover» bei einer Gruppierung, die gegen das Maskentragen und die SwissCovid-App kämpft. Seine Enthüllungen werfen unbequeme Fragen auf.

Dieser Beitrag dreht sich um die Enthüllungen eines jungen Westschweizer Journalisten, der eine Gruppe von Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretikern in der Romandie «infiltriert» hat. Dies im Auftrag des Westschweizer Online-Mediums Heidi.news, das nun in einer Serie über die Akteure und ihre beunruhigenden Ansichten berichtet.

Die Pandemie war geplant. Das Virus existiert nicht. Alles eine riesige Verschwörung, in Kombination mit 5G und obligatorischen Impfungen, um die Bevölkerung zu …

Artikel lesen
Link zum Artikel