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Die Avengers müssen wiedermal die Welt retten. bild: zvg

Review

Warum das neue Marvel-Game nicht sooo übel ist, wie ich befürchtet habe

Das neue Avengers-Game muss harte Kritik einstecken. Wer aber beide Augen zudrückt, über die technischen Mängel lachen kann und Franchise-Fan ist, wird sich vor allem im Storymodus trotzdem amüsieren.



«Das ist nicht mein Thor!» Ja, richtig erkannt. Der Thor in «Marvel’s Avengers» besitzt nicht die Gesichtszüge von Chris Hemsworth und auch die anderen Superhelden stimmen nicht so ganz mit unseren Kinolieblingen überein. Das hat lizenztechnische und finanzielle Gründe, macht aber auch deutlich, dass hier eine Geschichte aus dem Marvel-Universum erzählt wird, die inhaltlich von der erfolgreichen Filmreihe losgelöst ist. Und gerade dieser neu erschaffene Ausgangspunkt macht das Videospiel besonders interessant.

Ein Vorfall, eine Trennung und böse Roboter

Die Avengers sind auf dem Höhepunkt ihrer Karrieren angelangt. Sie werden von jungen und alten Menschen verehrt und alle sind sie ihnen dankbar, dass die Welt durch sie sicherer geworden ist. Doch nach einem Zwischenfall in San Francisco wird alles anders: Während einer Eröffnungsfeier für einen neuen Avengers-Stützpunkt kommt es zu einem Angriff von fremden Invasoren. Auch wenn sich die Superhelden zunächst erfolgreich dagegen wehren können, gibt es gewaltige Explosionen und viele Menschen verlieren ihr Leben, darunter auch ein bekannter Superheld.

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Böse Roboter wollen aufgemischt werden. bild: zvg

Fünf Jahre später sind die Auswirkungen dieses Angriffs und die damit verbundenen Folgeschäden deutlich spürbar: Die Avengers haben sich getrennt, gingen eigene Wege und Politik und Gesellschaft sind nun gegenüber Superhelden äusserst negativ eingestellt. Kommt hinzu, dass nach dem Vorfall eine weitere Flut an Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten plötzlich auftaucht, die mit Vorurteilen kämpfen müssen. Durch die angeblich neue Bedrohung und die Avengers-Abwesenheit konnte sich in den Jahren eine geheime Konzernmacht mit dubiosen Wissenschaftlern verschwören und breitet nun ihren Einfluss mittels Roboterarmee und Überwachungstechnik immer weiter aus.

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Der Vorfall in San Francisco hat heftige Auswirkungen auf die Superhelden-Truppe. bild: zvg

Ein Fan-Girl wird zur Superheldin

Eine Zeugin dieses ganzen Dramas vor fünf Jahren ist die junge Kamala Khan, ein Avengers-Fan-Girl, das nicht glauben kann, dass sich ihre Lieblingshelden nun getrennt haben und schon gar nicht an eine Gefahr durch Menschen mit Superkräften glaubt. Macht Sinn, denn sie selber besitzt neuerdings Fähigkeiten, die sie zu einer Aussenseiterin machen. So kommt es, dass sie sich aktiv auf die Suche nach den verschollenen Avengers macht und mal mit Köpfchen und mal durch Kollege Zufall den ersten verschollenen Superhelden findet. Gemeinsam begeben sie sich dann auf eine Reise, um alle wieder zu vereinen, damit die Bedrohung dieses dubiosen Technikkonzerns zerstört werden kann.

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Wo versteckt sich der nächste Superheld? Kamala macht sich auf die Suche. bild: zvg

Zwar dürfen wir in den ersten Spielminuten während des Vorfalls in San Francisco bereits abwechselnd in die Haut der verschiedenen Avengers schlüpfen, um es in packenden Kämpfen ordentlich krachen zu lassen, aber danach steht Kamala im Fokus. Schliesslich mausert sie sich selber zu einem Avengers-Mitglied und sorgt im schicken Heldenkostüm und mit dem Namen Ms. Marvel für Aufsehen. Ihre Fähigkeiten sind ihre dehn- und verformbaren Gliedmassen mit denen sie nicht nur gigantische Fäuste in das Gesicht der Gegner haut, sondern auch aus Entfernung austeilen kann. Das hört sich auf den ersten Blick unspektakulär an, ist aber Ausgangspunkt einer Vielzahl von anschaulichen Haudrauf-Fähigkeiten.

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Kamala entdeckt Schritt für Schritt ihre neuen Fähigkeiten. bild: zvg

Kamala: Herzstück und Highlight

Was nun folgt, ist ein Wechselbad der Gefühle: Die Geschichte lädt uns ein, den Werdegang einer jungen Frau zu erleben, die sich vom Fan-Girl zu einer sehr starken Superheldin entwickelt. Kamala schliesst man auf ihrer Heldenreise gleich von Beginn an sofort ins Herz. Rollt man zu Beginn noch etwas mit den Augen, weil sie es als Hardcore-Fan doch auch immer wieder übertreibt, wird aus dem vorlauten, manchmal etwas aufdringlichen Mädchen schnell eine Power-Frau, die verschiedenen Roboter-Wesen genüsslich die Kabel aus den Eingeweiden reisst und für viel Metallschrott sorgt.

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Kamala wird als Ms. Marvel schnell zu einem wichtigen Mitglied der Avengers. bild: zvg

Den Werdegang von Kamala zu erleben sprich zu spielen ist das grosse Highlight dieses Videospiels und das ganze Prozedere ist äusserst unterhaltsam und stellenweise witzig inszeniert. Wuchtig, spektakulär und eine intensive Spassgranate sind zu Beginn die Kämpfe und die jeweiligen Spielabschnitte, in denen Kamala nach und nach ihre Fähigkeiten kennenlernt und sich frei von der Leber weg und immer wieder mit einem lockeren Spruch austobt.

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Kamala ist ganz klar das Herzstück von «Marvel's Avengers». bild: zvg

Die Monotonie und die liebe Technik

Schnell wird aber die simple Gameplay-Struktur und das sehr einfach gestrickte Leveldesign entblösst, wo fast alles nach dem gleichen Muster abläuft: Von A nach B wandern, Kisten öffnen, sich aufleveln, schlicht alles was einem in den Weg kommt weghauen und das Ganze wieder von vorne beginnen. Wenn dann auch noch mit der Zeit ein Avengers-Kollege nach Wahl mitzieht und immer wie mehr Gegner aufs Feld stürmen, wird es schnell unübersichtlich und monoton. Da kann man noch so versuchen mit coolen Moves und Kombos auszuteilen, das wilde Gehämmere auf die Tasten wird zum Standard. Schade, denn eigentlich steuert sich jede einzelne Figur hervorragend und alle bieten sie unterschiedliche Fähigkeiten mit ordentlichem Bums.

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Auch Hulk findet die technischen Probleme nicht so toll. bild: zvg

Und dann wären da noch die technischen Probleme: Dass einzelne Objekte plötzlich wie aus dem Nichts aufploppen oder die eine oder andere Figur durch Wände gehen kann, da drückt man gerne ein Auge zu. Wenn aber plötzlich der Bildschirm einfach mitten im Gefecht für ein paar Sekunden Schwarz wird und sich die Spielfigur innerhalb des Levels nach vorne teleportiert hat, ist die Verwirrtheit auf dem Sofa gross. Hinzu kommen lange Ladezeiten, immer wieder Stellen, wo nicht interagiert werden kann und der vorherige Speicherpunkt neu geladen werden muss und eine Kamera, die manchmal ein Eigenleben zu besitzen scheint.

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Bei den Kämpfen geht es öfters drunter und drüber. bild: zvg

Gut zu wissen: Ein üppiger Online-Modus

Die Comic-Versoftung besteht grob betrachtet aus zwei Teilen: Im Storymodus darf ein stringentes Abenteuer erlebt werden während im Online-Modus diverse Koop-Missionen warten, wo seine Lieblingsfigur ausgewählt wird, um endlich lang gehegte Marvel-Fantasien auf einem Schlachtfeld auszuleben. Die Online-Missionen können mit bis zu vier Freundinnen und Freunden bestritten werden, die Lieblingshelden dürfen mit Accessoires und weiteren Fähigkeiten individualisiert werden und in den nächsten Monaten sollen immer wieder neue Inhalte sprich neue Story-Kapitel hinzukommen, die Fans glücklich machen. Und selbstverständlich werden auch weitere Avengers spielbar sein, die momentan noch abwesend sind. Abseits der Story hat «Marvel’s Avengers» also noch reichlich Inhalte auf Lager, die kontinuierlich angeboten werden.

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Auch die Avengers müssen ab und zu auf neue Aufträge sprich Inhalte warten. bild: zvg

Ja. Nein. Jein!

Fazit: Ich bin überrascht, wie sehr mich die Story in ihren Bann gezogen hat. Auch die Länge von etwa 15 Stunden kann sich sehen lassen. Protagonistin Kamala ist trotz ihrer anfänglichen Aufdringlichkeit für mich schnell zu einer der interessantesten Spielfiguren aus dem Comic-Kosmos geworden. Ihre Wandlung vom Hardcore-Fan-Girl zur Superheldin wird glaubhaft und mit viel Ironie erzählt. Auch die Kämpfe mit ihren elastischen Gliedmassen sind brachial unterhaltsam.

Sobald jedoch auf der Suche nach den verschollenen Avengers eine Standard-Mission nach der anderen absolviert werden muss und sich ein Kampf wie der andere anfühlt, geht dem Spiel schnell die Luft aus. Zwar wird immer wieder in Zwischensequenzen und kürzeren Abschnitten viel Fan-Service und Marvel-Atmosphäre geboten, doch beim nächsten stupiden Schlachtgetümmel macht sich wieder Müdigkeit breit. Technische Probleme und Aussetzer sorgen zusätzlich für ein bröckelndes Gesamtbild.

Auch wenn im Online-Modus jede Menge geboten wird und es dort einem so schnell nicht langweilig wird, ist es doch die Story, die hauptsächlich an den Bildschirm fesselt und pure Marvel-Unterhaltung serviert. Werden die technischen Mängel und die Fliessband-Spielmomente ignoriert, ist «Marvel’s Avengers» ein kleines aber feines Fest für die Fans geworden, dem man sich ruhig hingeben darf.

«Marvel’s Avengers» ist erhältlich für Playstation 4, Xbox One und PC. Freigegeben ab 16 Jahren.

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