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FBI-Agent Francis York Morgan ist hochintelligent, hat aber einen Vogel im Oberstübchen. bild: zvg

Review

Liebe «Twin Peaks»-Fans, «Deadly Premonition 2» könnte euch gefallen

«Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise» muss in grosse Fussstapfen treten. Ob der Nachfolger ebenfalls ein Kultgame geworden ist, verrät unser Test.



Vor zehn Jahren erschien ein Videospiel, das trotz seiner schwachen Technik von sehr vielen verehrt wurde und den Kultstempel erhielt. Verdient oder doch total überwertet? Darüber mag heute noch gestritten werden. Das Studio Access Games hat damals mit «Deadly Premonition» aber auf jeden Fall etwas kreiert, das eine starke Anziehungskraft entwickelte und die Spielerinnen und Spieler an den Bildschirm fesselte.

«Twin Peaks» lässt grüssen

Um was ging es eigentlich? Nun, da war dieser sehr eigenartige FBI-Agent Francis York Morgan, der in der Kleinstadt Greenvale einen Mord aufklären musste. Der Tod der jungen Frau Anna Graham warf eine Reihe von Fragen auf. Während seinen Ermittlungen wurde er nicht nur mit den Eigenheiten des Städtchens vertraut gemacht, sondern sank auch immer tiefer in eine Gesellschaft hinein, die voller Mysterien bestand und immer mehr Fragezeichen hinterliess. David Lynchs Hitserie «Twin Peaks» lässt grüssen.

Aber auch der Hauptprotagonist York warf Fragen auf. Der Kettenraucher hatte nämlich einen imaginären Freund bei sich, mit dem er sich ständig unterhielt. Wer oder was dieser Zach genau war, darüber wird auch heute noch in Fan-Foren heiss diskutiert. Das alles war jedenfalls zutiefst verstörend, aber auch faszinierend. Die Suche nach dem Mörder wurde schliesslich trotz handwerklicher Mängel zum Geheimtipp. 2013 folgte ein Director’s Cut, der trotz grafischen Verbesserungen immer noch nicht zu einem Massenhit verhelfen konnte. Doch der Kultstatus blieb und dieser will nun mit der Fortsetzung nochmals erreicht werden.

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FBI-Mitarbeiter York spricht ständig mit einer imaginären Persönlichkeit. bild: zvg

Zurück in die Vergangenheit

In «Deadly Premonition 2», das exklusiv für die Nintendo Switch erscheint, werden wir zunächst mit einer älteren, ziemlich heruntergekommenen Version von Francis York Morgan konfrontiert, als zwei FBI-Agenten seine Hilfe für einen neuen Fall anfordern. Dabei möchten die Gesetzeshüter vor allem von seinen Kenntnissen aus dem Greenvale-Fall profitieren. Denn eine neue Mordgeschichte scheint mit dem alten, abgeschlossenen Delikt in Verbindung zu stehen. Und ehe man sich versieht, wird das «Deadly Premonition»-Universum noch grösser und Yorks Vergangenheit steht plötzlich im Zentrum.

Denn als junger FBI-Rekrut verschlug es ihn damals in das Städtchen Le Carré, wo natürlich eine Mordserie auf den jungen Burschen wartete. Diese gilt es nun in der Fortsetzung aufzuklären und die Querverbindungen zum ersten Teil und die Ereignisse in der Gegenwart zu finden. Somit geht York in der Kleinstadt den Spuren nach, unterhält sich mit den Bewohnern und bekommt dabei Unterstützung von der vorlauten Sherifftochter Patricia.

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Patricia begleitet York währen seinen Ermittlungen und verschwindet immer wieder mal auf mysteriöse Art und Weise. bild: zvg

Essen fassen und Waffe laden

York verfolgt also diverse Spuren, die ihn in der Kleinstadt von Figur zu Figur respektive von Schauplatz zu Schauplatz führen. Nebst den Hauptmissionen, die die Krimigeschichte vorantreiben, darf er sich in Nebenmissionen noch ein bisschen was dazu verdienen, Gegenstände einsammeln oder schlicht noch mehr in die skurrile Kleinstadt-Gesellschaft eintauchen. Ach ja, da wäre auch noch so eine Art Orakel, das ihn leitet und an besondere Plätze verweist und auch mal knifflige Fragen stellt. Ja, willkommen im schrägen «Deadly Premonition»-Universum.

In dieser kleinen Open-World darf man sich auch diversen Freizeitaktivitäten wie etwa Bowling oder einer lustigen Flussfahrt widmen. Wer viel unterwegs ist und sich ständig bewegt, sollte darauf achten, ab und zu etwas zu essen oder ein Nickerchen zu vollziehen, weil der FBI-Agent sonst umkippt. York ist übrigens auch bewaffnet und in den ersten Spielstunden stellt sich die Frage, wann und ob jemals von der Schusswaffe gebraucht werden darf. Nur so viel sei verraten: Wer sich vor allem bei Einbruch der Dunkelheit in der Stadt aufhält, wird froh darüber sein, sich gegen diverse Spukgestalten verteidigen zu können.

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Während den Ermittlungen, aber auch in der Freizeit, wird eine ruhige Kugel geschoben. bild: zvg

Nette Optik trifft auf bockige Steuerung

Im Vergleich zum Vorgänger fällt sofort die Celshading-Optik auf, die deutlich frischer wirkt, aber mit aktuellen Grafik- und Animationsreferenzen nicht lange mithalten kann. Sind die Zwischensequenzen noch einigermassen ansehbar, sinkt die Qualität bei der Steuerung der Spielfigur schnell nach unten.

Da mag der Trash-Fan beide Augen zudrücken, aber spätestens hier wurde die Toleranzgrenze überschritten. Dass grafisch kein immenser Schritt nach vorne gemacht wurde, ist verkraftbar. Der eigenwillige Charme des Erstlings darf gerne optisch erhalten bleiben. Dass aber bewusst oder unbewusst die bockige Steuerung und Kameraführung mit Eigenleben von damals übernommen wurden, ist schon ziemlich frech.

Diese ungenaue Steuerung wird vor allem dann ersichtlich und spürbar, wenn sich York mit seinem Skateboard in der Stadt fortbewegt. Ja, der FBI-Agent hat stets sein Rollbrett dabei und kommt so schneller von A nach B. Dabei stellt sich die Frage, was die Begleitfigur Patricia eigentlich in der Zwischenzeit so macht und warum sie plötzlich neben der Spielfigur wie aus dem Nichts auftaucht. Ein weiteres Kleinstadt-Mysterium oder doch eine Design-Schwäche? Zurück zum Skateboard und machen wir es kurz: Tony Hawk hätte hier den Controller oder gleich die ganze Switch schon mehrmals an die Wand geworfen.

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Wer einfach nur geradeaus läuft, hat mit der bockigen Steuerung kaum Probleme. bild: zvg

Ständige Vorfreude auf schräge Figuren

Vergessen wir einmal die nette Optik und die nicht so nette Steuerung und kommen zum Kern, warum «Deadly Premonition» damals unter anderem eine grosse Aufmerksamkeit erhielt. Da wären zum einen diese kauzigen, schrägen und oft auch nur unheimlichen Stadtbewohner, die uns im ersten Teil faszinierten und nun auch in der Fortsetzung natürlich nicht fehlen dürfen. Und davon hat es in der Kleinstadt Le Carré jede Menge.

Zum Beispiel der Typ im Hotel, der nicht nur Chefkoch, sondern auch Portier und alle anderen Rollen im Übernachtungshaus übernimmt und von seinem Rollenspiel natürlich nichts wissen möchte. Oder dieser Voodoo-Fan, der seinen Verkaufsladen für den Mittelpunkt des Universums hält. Und der etwas aufdringliche Pfarrer, der mitten in der Nacht plötzlich neben einem auftaucht, ist auf der Gruselskala auch ganz weit oben anzutreffen.

Wohin man sich auch in dieser Stadt begibt, welche Mission angesteuert wird, die ständige Vorfreude auf ausgefallene Figuren ist auch bei der Fortsetzung gross.

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Während den Ermittlungen trifft man auf zahlreiche schräge Figuren. bild: zvg

Ein Hochgenuss für Filmfreaks

Wer den Vorgänger intensiv gespielt hat, weiss, dass York ein Filmfreak ist und ständig sein immenses Wissen entweder mit den Bewohnern, mit seinem imaginären Freund oder direkt mit den Spielenden teilen will. Sei es ein Zitat, ein Filmtitel oder den Vermerk, dass er den Kultstreifen XY wiedermal konsumieren sollte, es hagelt regelmässig solche Andeutungen.

Und gerade für Filmfans ist diese persönliche Freakshow ein Hochgenuss. Die Macher streuen hier so viele Filmfakten und kuriose Werke in die Geschichte ein, dass fiebrig auf die nächste Anspielung gewartet wird und sich alleine dafür das Weiterspielen lohnt.

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Mit Sicherheit folgt auch in dieser Szene gleich ein Filmzitat. bild: zvg

Kein neues Kultspiel

Fazit: Nein, ein erneutes Kultspiel ist «Deadly Premonition 2» nicht geworden. Dafür mangelt es an spielerischen und auch inhaltlichen Überraschungen für die Ewigkeit.

Der Erstling konnte gerade eine grosse Fanbasis kreieren, weil er mit seiner Kuriosität überzeugte und viele neue, abgefahrene Ideen präsentierte. Die kauzigen Figuren, die verschachtelte Geschichte, die vielen Anspielungen auf die Filmwelt und allen voran der sehr eigenwillige Protagonist sorgten damals in ihrer Gesamtheit für frischen Wind. Dieser Überraschungseffekt fehlt bei der Fortsetzung gänzlich.

Schlimm ist das durchaus nicht. Liebhaber des ersten Teils dürfen sich auf eine neue, grössere Portion Skurrilität freuen und werden genau das bekommen, was sie am Erstling so lieb gewonnen haben. Ganz nach dem Motto: Wo «Deadly Premonition» draufsteht, ist auch «Deadly Premonition» drin.

«Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise» ist ab dem 10. Juli exklusiv für die Nintendo Switch erhältlich. Freigegeben ab 16 Jahren.

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