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Die Pixel-Menschen haben gegen das Monster keine Chance. Bild: zvg

Review

In diesem Game steckt der Spieler in der Monster-Rolle – und das macht mächtig Spass

Warum nicht einfach mal stumpfsinnig böse sein? Im Videospiel «Carrion» schlüpfen die Spielenden in die Haut eines Monsters, das mit grossem Appetit aus einem Labor ausbricht. Eine charmante Retro-Optik und ein geschmeidiges Spielgefühl gibt es gratis oben drauf.



Noch schlendern die Wissenschaftler in der Forschungsstation ganz gemächlich durch die Korridore und wuseln herum. Doch ihre Pixel-Tage sind gezählt. Ein länglicher, fleischiger Körper mit langen Tentakeln, unzähligen Mündern und Augen drückt sich durch den Entlüftungsschacht und bahnt sich langsam aber sicher einen Weg zu seinen Opfern.

Im Gegensatz zu vielen Videospielen bin ich hier jedoch selber das Monster und schiebe mich immer näher an die Menschlein heran. Schwungvoll holen meine Tentakel aus, greifen blitzschnell zu und ziehen die schreienden Pixel-Männchen in meinen Schlund. Das Pixel-Blut spritzt, Mampfgeräusche erklingen und die Schreie verstummen. Doch ich habe immer noch Hunger und will noch viel grösser werden. Der nächste Futter-Abschnitt wartet bereits auf mich...

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Das Tentakel-Monster wird grösser und grösser. bild: zvg

Ein geschmeidiges Spielgefühl

Warum genau dieses Spaghetti-Monster in diesem Labor gelandet ist und warum es so ist, wie es ist, das soll im Verlaufe des Spiels noch aufgeklärt werden. Doch eigentlich ist das völlig belanglos. Denn in «Carrion» steht die Spielmechanik dieses Mal weit, weit über der erzählten Geschichte. Was hier in erster Linie zählt und so aussergewöhnlich fantastisch funktioniert, ist das geschmeidige Spielgefühl.

Das Alien-Geschöpf steuert sich ungemein flutschig. Leichtfüssig und schwungvoll gleitet das Monster durch die engen Korridore, wirft brachial Türen auf und sucht sich einen Ausweg aus dem Level-Wirrwarr. Die eigenen Daumen führen via Analogsticks die Bewegungen aus und ständig staunt man, wie leicht und anmutig das alles aussieht und sich eben auch anfühlt.

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Das Alien-Geschöpf steuert sich fantastisch und blitzschnell. bild: zvg

Der Pixel-Mensch wehrt sich

So geleiten die Spielenden das Monster behutsam von Areal zu Areal und versorgen es regelmässig mit Menschenfleisch. Je mehr das Ding frisst, desto grösser und stärker wird es. Aber Achtung, die Pixel-Menschen können sich später auch mit Schusswaffen zur Wehr setzen. Das wird dann um einiges kniffliger, denn eine einzige Kugel kann die Tentakel schnell erwischen und kostet nicht nur Energie, sondern lässt das Monster auch wieder schrumpfen.

Da sich der Schleimklumpen aber immer wieder an bestimmten Knotenpunkten aufladen kann und neue Fähigkeiten bekommt, sind auch die kleinen Ballermänner schnell einmal simples Monsterfutter. Da wäre zum Beispiel ein besonders langer Tentakel, der aus weiter Entfernung die Menschen sofort von den Füssen holt. Oder via Power-Schub können Holzbarrikaden inklusive Kollateralschäden durchbrochen werden und für eine kurze Zeit darf sich das Biest sogar unsichtbar machen, um zum Beispiel Alarm- und Sicherheits-Sensoren zu umgehen.

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Wenn die Pixel-Soldaten mit dem Flammenwerfer kommen, wird es heiss. bild: zvg

Wo ist die Karte?!

Also, alles super? Nein, denn das Spiel hat trotz verschachtelten Gängen, den Abkürzungen und versteckten Aufpump-Stellen keine Karte integriert!

In den ersten Spielminuten habe ich tatsächlich kurz an meinem Verstand gezweifelt, als ich fieberhaft auf der Suche nach einer Übersichtskarte war. Doch sie existiert einfach nicht. Trotz vielen Metroidvania-Elementen, «Carrion» bietet bei der labyrinthartigen Levelstruktur keine Orientierungshilfe.

Haben die Entwicklerinnen und Entwickler bei Devolver die Karte bewusst weggelassen oder haben sie diese schlicht vergessen? Kamen sie nicht mehr dazu, diese einzufügen, ging das Geld aus oder ist das alles einfach nur ein ganz schlechter Scherz? Fragen über Fragen.

Zugegeben: Die nicht vorhandene Karte hat im späteren Verlauf keine allzu grossen Auswirkungen auf die wunderschönen Erfahrungen, die durch die Bewegungen des Monsters entstehen. Aber bei den verwinkelten Räumlichkeiten kommt der Wunsch nach einer Übersichtskarte regelmässig wieder hoch; kleiner Wutanfall inklusive. Egal ob Labor, Höhlensystem, Sumpflandschaft oder andere Science Fiction-Örtlichkeiten, eine Orientierung auf Knopfdruck wäre bei den etwa sieben Spielstunden einfach eine ganz tolle Sache gewesen.

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Nachdem sich das Monster aufgepäppelt hat, kann die Jagd weitergehen. bild: zvg

Einzigartiges Spielgefühl plus Retro-Flair

Fazit: Ja, da fehlt eine Karte und das hat mich regelmässig genervt, weil die Orientierung dadurch schwieriger wurde und das Kurzzeitgedächtnis wohl auch nicht mehr so gut wie damals mit 15 Jahren funktioniert.

Wenn ich dann aber im nächsten Abschnitt mein Spaghetti-Monster wieder herumwüten und es mit geschmeidigen Daumenbewegungen durch Löcher und Spalten kriechen liess und dabei zusehen durfte, wie das Pixelblut nur so spritzt, dann war alles wieder gut.

Nebst der flutschigen Steuerung versprüht dieser Titel nämlich noch eine grosse Portion Retro-Flair. Nicht nur die Pixel-Grafik verzückt Puristen, sondern auch das Oldschool-Sound-Gedudel weckt viele Game-Erinnerungen, als wir noch mit minimalistischen audiovisuellen Kreationen begeistert werden konnten.

«Carrion» ist erhältlich für Nintendo Switch, Xbox One und PC. Freigegeben ab 18 Jahren.

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