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epa06335606 A handout photo made available by Tesla 16 November 2017, showing Tesla founder Elon Musk presenting the new Roadster electric sports vehicle (on background), presented to media 16 November 2017 at Tesla's Los Angeles design centre, Los Angeles, USA. Tesla says the Roadster will accelerate from 0-60 mph (or 0-96 km/h) in less than two seconds. Tesla says the new Roadster will cost 200,000 USD and will be released in some three years time. Tesla has began to take in orders for the new Roadster, and says new buyers will have to pay a 45,000 USD deposit. However, clients interested in buying one of the first 1,000 vehicles of the limited edition 'Founders Series' will have to pay 250,000 USD for the car.  EPA/TESLA HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Elon Musk mit dem neuen Tesla-Roadster. Bild: EPA/TESLA

Kommentar

Liebe Tesla-Fans, wir müssen reden

Die Probleme, die sich wegen Teslas «Autopilot» stellen, sind gravierend und betreffen uns alle. Eine kritische Einordnung.



Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Und jetzt kritisiert ausgerechnet der Schurter die Tesla-Fans. Dabei ist er doch selbst der grösste Apple-Fanboy ...

Fürs Protokoll: Wer Diskussionspartner als «Fanboy» verunglimpft, ist nicht am echten Austausch von Argumenten interessiert. Der Begriff steht bei mir auf dem Index. Ich verwende ihn hier ausnahmsweise zu satirischen Zwecken.

Beleidigende Kommentare und unbegründete Angriffe werden kommentarlos gelöscht. Hingegen freue ich mich auf eine angeregte und tiefgründige Diskussion.

Aber der Reihe nach ...

Der perfekte Shitstorm

Wer in den letzten Wochen die Berichterstattung über Tesla verfolgte, musste sich verwundert die Augen reiben. Was ist nur aus dem Medienliebling Elon Musk geworden?

Eine negative Schlagzeile jagte die nächste. Fast täglich gab es neue Hiobsbotschaften aus Kalifornien.

Tesla im perfekten Shitstorm.

Dabei hatte 2018 gut angefangen für Musk. Der Multimilliardär nutzte im Februar einen Raketenstart für kostspielige, aber unbezahlbare Werbung aus dem Weltraum.

Ein kirschroter Elektroflitzer, der schwerelos durchs All gleitet. Was sollte dieses Unternehmen aufhalten?

Musk wurde als Visionär gefeiert, der dereinst mit einer Kolonie auf dem Mars die Menschheit retten könnte.

Darob gingen die massiven Produktionsprobleme auf dem Heimatplaneten zumindest vorübergehend vergessen ...

epa06506017 A handout photo made available by SpaceX on 08 Ferbuary 2018 shows a Tesla Roadster car in space after being launched with the SpaceX Falcon Heavy rocket, 06 February 2018. SpaceX, founded by Elon Musk, launched its Falcon Heavy rocket, the most powerful rocket in the world. As part of its payload the Falcon Heavy is carrying Musk’s cherry red Roadster from Tesla, his electric car company.  EPA/SPACEX /  HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Völlig schwerelos: Tesla-Roadster mit Fahrerpuppe. Bild: EPA/SPACEX

Der Wendepunkt

Keine zwei Monate später landet der 48-Jährige auf dem harten Boden der Tatsachen. Ein tragischer Wendepunkt ist der tödliche Unfall auf einer kalifornischen Autobahn, bei dem ein Familienvater und Apple-Ingenieur das Leben verliert. Tesla versagt bei der Krisenkommunikation und verspielt viel Goodwill.

Noch sind die Umstände nicht geklärt und es läuft die offizielle Untersuchung. Sie soll klären, ob der «Autopilot» versagte, der Mensch, der hinter dem Lenkrad sass, oder beide.

Doch gab es vorschnelle Schuldzuweisungen, die nicht zielführend waren, sondern unangebracht, ja pietätlos:

Halten wir fest:

abspielen

Diverse bei YouTube veröffentlichte Videos zeigen, wie der Tesla-Autopilot ohne Strassenmarkierungen problemlos navigiert. Allerdings filmt in diesem Fall der «Lenker» das Geschehen, statt die Hände frei zu haben, um notfalls einzugreifen und das Steuer übernehmen zu können. Video: YouTube/Autopilot Perfect

Was Tesla mit Apple verbindet

Um zu verstehen, warum kritische Berichte über den Elektroauto-Pionier dermassen heftige Reaktionen auslösen, lohnt es sich, die Gemeinsamkeiten mit Apple zu betrachten.

Und beide Unternehmen schaffen es, bei Fans und Kunden eine Wir-gegen-den-Rest-der-Welt-Stimmung zu erzeugen.

Daraus folgt:

Apple und Tesla wecken extrem starke Emotionen.

Wenn Fans (zu sehr) lieben

Es spricht an sich nichts dagegen, dass sich Menschen mit einer Marke oder einem Unternehmen identifizieren. Wir sind keine Maschinen, sondern emotionale Wesen.

Während Christentum, Islam und Co. in aufgeklärten, demokratischen Staaten Gott sei Dank (Tschuldigung!) an Relevanz verlieren, rücken die Ersatzreligionen nach.

Das erkennt man daran, dass umgehend von medialen Verschwörungen und «Bashing» die Rede ist, wenn Berichte erscheinen, die das vergötterte Unternehmen und seine Produkte infrage stellen oder in schlechtem Licht erscheinen lassen.

Ja, auch ein glänzendes Smartphone kann starke Gefühle auslösen. Und wer in einem «Model X» den Neuwagenduft einatmet, dürfte sich der Lichtgestalt Elon Musk ganz nah fühlen.

Wenn aber jede Kritik an einem Unternehmen als persönlicher Angriff empfunden und kategorisch abgelehnt wird, ist das verheerend. Denn es geht um sehr viel mehr ...

Mensch und Maschine

Es gibt leider eine weitere tragische Parallele, was Apple und Tesla betrifft. Die Produkte beider Unternehmen können verheerende Auswirkungen haben im Strassenverkehr.

Das iPhone hat am Steuer nichts verloren, wie auch die «Autopilot»-Funktion nicht für das autonome Fahren taugt.

Dass sich Tesla-Fahrer dazu hinreissen lassen, die Hände nicht in Nähe des Steuers zu belassen, weil die «Autopilot»-Software schon dermassen gut funktioniert, ist menschlich nachvollziehbar – und brandgefährlich.

Ja, ich halte es für egoistisch und dumm, so das eigene Leben und das von unbeteiligten Dritten aufs Spiel zu setzen.

Das Problem: Tesla trägt wegen missverständlicher Kommunikation eine Mitverantwortung beim verantwortungslosen Verhalten einzelner Kundinnen und Kunden.

Bild

Mit solchen Videos wirbt Tesla für das «Autopilot»-Feature. screenshot: tesla.com

Auf dem Prüfstand steht das Versprechen von Tesla, wonach sich die Fahrzeuge in näherer Zukunft per Software-Update in autonom fahrende Autos verwandeln liessen.

Der US-Journalist Timothy Lee beschreibt in einem lesenswerten Beitrag bei Ars Technica, warum Teslas Versprechungen hinsichtlich selbstfahrender Autos problematisch sind.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

Bild

«Full Self-Driving Hardware», verspricht Tesla. Noch sind die Autos aber nicht so weit. screenshot: tesla.com

Fazit: Wir werden in nicht allzu ferner Zukunft erleben, wie der Strassenverkehr dank selbstfahrenden Autos um Welten sicherer und entspannter abläuft. Und wir werden uns verwundert an die Zeit zurückerinnern, in der abgelenkte und betrunkene Lenker unsägliches Leid verursachten.

Noch sind wir aber nicht dort, und müssen genau hinschauen, wenn Leben durch nicht ausgereifte Features oder die missbräuchliche Bedienung derselben gefährdet ist.

Es braucht die öffentliche Diskussion und es braucht strenge rechtliche Leitplanken, um alle Verkehrsteilnehmer zu schützen.

Das weiss niemand besser als der Tesla-Chef selbst. Nur öffentlich sagen kann er dies nicht. Das müssen andere.

Und jetzt du!

Schreib uns via Kommentarfunktion! Der Autor antwortet gern auf begründete Kritik und nimmt zu Fragen Stellung.

Berichten die Medien fair und ausgewogen über Tesla?

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Video: watson/Nico Franzoni

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