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Die Vereinigung GDSA will Apps einfacher auf chinesische Smartphones bringen. bild: watson

Huawei, Oppo, Vivo und Xiaomi schliessen sich gegen Googles Android-Dominanz zusammen



Die chinesischen Smartphone-Hersteller Huawei, Oppo, Vivo und Xiaomi wollen eine Alternative zum Google Play Store etablieren, wie die Nachrichtenagentur Reuters in der Nacht auf Freitag publik machte. Dafür kooperierten sie in der Global Developer Service Alliance (GDSA).

Das Ziel ist klar: Die aufstrebenden chinesischen Unternehmen wollen sich von Android-Anbieter Google lösen, nachdem sich durch den US-Handelsbann gegen Huawei zeigte, wie riskant und wirtschaftsschädigend die Abhängigkeit sein kann.

Ein Krieg ohne Kriegserklärung

Die chinesischen Unternehmen schliessen sich laut Reuters-Bericht zusammen, um eine Plattform für Entwickler ausserhalb Chinas zu schaffen und Googles Dominanz zu brechen. Die Entwickler sollen ihre Android-Anwendungen gleichzeitig in alle vier App-Stores hochladen können.

Die Plattform solle Entwicklern von Spielen, Musik, Filmen und anderen Anwendungen die Vermarktung ihrer Apps in Überseemärkten erleichtern, so das Urteil von Fachleuten.

Der offizielle Start soll im März 2020 erfolgen.

Hinter den Kulissen wird offenbar schon länger verhandelt und geplant, wie Slashgear berichtet. Während an den jüngsten Gesprächen offenbar Huawei beteiligt sei, organisiere sich diese Gruppe in irgendeiner Form mindestens seit August 2019. Interessant sei jedoch die Tatsache, dass Xiaomi, Oppo und Vivo bislang keine öffentliche Ankündigung zu diesem Thema gemacht hätten.

Eine Marktforscherin erklärt:

«Durch die Bildung dieser Allianz wird jedes Unternehmen versuchen, die Vorteile der anderen in verschiedenen Regionen zu nutzen, mit Xiaomis starker Nutzerbasis in Indien, Vivo und Oppo in Südostasien und Huawei in Europa. Ausserdem soll so begonnen werden, etwas mehr Verhandlungsmacht gegen Google aufzubauen.»

Nicole Peng, Canalys quelle: reuters

Anzumerken bleibt, dass Oppo und Vivo zwei nur auf dem Papier unabhängige Smartphone-Marken sind, die zum verschwiegenen chinesischen Konzern BBK Electronics gehören. Es handelt sich strenggenommen also nicht um ein Quartett mit vier Unternehmen, sondern nur um ein Trio.

Nicht zu verwechseln: Anfang 2020 hatten Xiaomi, Oppo und Vivo eine andere Kooperation angekündigt, die sich um die kabellose Datenübertragung dreht im Hinblick auf 5G-Netze.

Was steckt dahinter?

An sich sei die Idee logisch, schreibt der deutsche Tech-Blogger Ben Witt und analysiert die Ausgangslage:

Wo ist das Problem?

Ohne Google-Play-Dienste fehlen für die Smartphone-User benutzerfreundliche und äusserst praktische Anwendungen. Insbesondere zu erwähnen sind:

Der deutsche Tech-Blogger prognostiziert kritisch: Wenn eine schadhafte App oder eine der chinesischen Regierung nahestehende Anwendung via GDSA verbreitet werde und dabei Daten abfliessen, werde der Aufschrei gross sein.

Tech-Journalist Matthias Kremp von Spiegel Online brachte seine negativen Erfahrungen mit einem Huawei-Smartphone und der Play-Store-Alternative wie folgt auf den Punkt:

«Zwar darf Huawei Googles Android auch in der aktuellen Version 10 nutzen, zumindest dessen Open-Source-Variante AOSP. Aber Googles Apps und Dienste nicht. Auf dem Mate 30 Pro gibt es deshalb kein Gmail, keine Google Maps und vor allem keinen Play Store, aus dem man Apps nachladen könnte.

Huawei versucht diese Lücke mit seiner App Gallery zu schliessen. Doch die liefert keine echten Äquivalente zu den Apps, die man seit Jahren liebt und braucht. Ich kann dort nicht Spotify oder WhatsApp laden, es gibt kein Facebook und kein Twitter. Und selbst wenn die Lufthansa ihre App schon angepasst hat, die von British Airways fehlt noch. Zwar gibt es Anleitungen, wie man diesen Mangel abstellen kann, in dem man eine modifizierte Android-Version mit Google-Apps installiert. Doch die stammt aus einer unklaren chinesischen Quelle, niemand weiss, wer dahinter und was darin steckt. Also: Finger weg.»

quelle: spiegel.de

Betrifft das die Schweiz und Deutschland?

Laut einer provisorischen Website, die Reuters gemäss aktuellem Bericht einsehen konnte, soll die Plattform zunächst neun «Regionen» mit Ländern hauptsächlich in Asien abdecken, darunter Indien, Indonesien und Russland.

Die Entwicklung wird aber auch hierzulande sicher mit Argusaugen verfolgt werden.

Vorläufig sind keine konkreten Auswirkungen absehbar.

Quellen

(dsc)

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