DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Ein Mann, ein Karren. Allein auf der Strasse – weil Google Maps den anderen Verkehrsteilnehmern einen vermeintlichen Stau anzeigt?
Ein Mann, ein Karren. Allein auf der Strasse – weil Google Maps den anderen Verkehrsteilnehmern einen vermeintlichen Stau anzeigt?

So einfach fabriziert man auf Google Maps (angeblich) einen Verkehrsstau

Ein deutscher Künstler demonstriert mit einem Handkarren und 99 Smartphones, wie man angeblich den Verkehrsfluss manipulieren kann.
03.02.2020, 16:08

Ein Berliner Künstler sorgt seit dem Wochenende mit 99 Smartphones für Aufregung. Diese legte er in einen kleinen Anhänger und marschierte damit langsam durch eine Nebenstrasse der deutschen Hauptstadt. Hier erfährst du das Wichtigste zum Projekt #googlemapshacks.

Was ist das für ein Google-Maps-Hack?

Die Idee klingt bestechend; Man gaukelt Google Maps vor, dass sich eine grössere Anzahl Smartphone-User nur im Schritt-Tempo auf einer Strasse bewegen. Dann nimmt der Karten- und Navigationsdienst an, dass dort ein Stau herrsche, und leitet andere Verkehrsteilnehmer um, so dass man am Ort des angeblichen Staus allein auf der Strasse ist.

Dazu nehme man einen Handkarren und lege 99 Handys (nicht im Flugmodus, mit Verbindung zu Google) rein. Dann zieht man den Karren durch eine Stadt und kann beim Kartendienst mitverfolgen, wie sich der Strassenabschnitt, auf dem man sich bewegt, in Echtzeit rot färbt = Stau.

Wer hat's ausprobiert?

Angeblich ein deutscher Kunstschaffender, der mit seiner Aktion in Europa und Übersee für Schlagzeilen sorgt.

Simon Weckert beschreibt sich selbst bei Twitter als «Künstler aus Berlin mit dem Schwerpunkt in der digitalen Welt – mit allem, was mit Code und Elektronik zu tun hat, unter der Reflexion aktueller gesellschaftlicher Aspekte».

Seine ungewöhnliche Aktion im (sehenswerten) Video:

Die Idee sei ihm auf einer Demonstration gekommen, als er einen Blick auf Google Maps geworfen habe.

Sein Beschrieb des «Google-Maps-Hacks»:

«99 Smartphones werden in einem Handkarren transportiert, um einen virtuellen Stau in Google Maps zu erzeugen. Durch diese Aktivität ist es möglich, eine grüne Strasse rot zu machen, was sich in der physischen Welt auswirkt, indem die Autos auf einer anderen Route navigieren, um nicht im Stau stecken zu bleiben.»

Nach Publikwerden der Aktion werden bei Twitter auch Zweifel geäussert, ob das überhaupt funktioniere. Sicher ist: Wer die modernen Kartendienste kontrolliert, hat viel Macht. Im Prinzip können die Betreiber solcher Online-Dienste das Nutzerverhalten beeinflussen und manipulieren. Die Bewegungsdaten sind zudem (in Massen) wertvoll und können zu verschiedensten Zwecken ausgewertet werden.

Der Aktionskünstler zitiert den deutschen Architekten und Designer Moritz Ahlert:

«Mit seinen Geo-Tools hat Google eine Plattform geschaffen, die es Nutzern und Unternehmen ermöglicht, auf neuartige Weise mit Karten zu interagieren. Das bedeutet, dass Machtfragen im Diskurs der Kartographie neu formuliert werden müssen. Doch in welchem Verhältnis stehen die Kunst des Ermöglichens und die Techniken der Überwachung, Kontrolle und Regulierung in den Karten von Google?»

Funktioniert das wirklich?

Warum soll Googles künstliche Intelligenz, bzw. Navigations- und Kartensoftware, 99 Smartphones, die praktisch am gleichen Ort sind und sich langsam vorwärts bewegen, für motorisierte Verkehrsteilnehmer halten?

Bei Twitter melden sich skeptische Stimmen, die bezweifeln, dass #googlemapshacks funktioniere.

Ein User vermutet, Google würde erkennen, wenn sich 99 Smartphones am gleichen Punkt befinden (und sich im Fussgängertempo in die genau gleiche Richtung bewegen), und dann würden die entsprechenden Signale herausgefiltert.

Der mit angeblich 99 Smartphones gefüllte Handkarren:

bild: simon weckert

Der Künstler betont in einem Interview, dass er für sein Projekt nur Android-Smartphones verwendet habe.

«So wie bei jedem anderen Android-Smartphone auch uploaden wir unsere Daten, meist unbewusst. In meinem Fall ist die Geolocation der Daten von Interesse, die über drei Verfahren ermittelt werden können. WiFi, GPS und Mobile Data (Triangulations-Berechnung). Somit ist es möglich, den Standort zu ermitteln.»

Bei Google Maps könne man sogar sehen, ob eine Ampel funktioniere. Um bei seinem Experiment die Strasse wirklich «komplett rot» zu bekommen, habe er ein bis zwei Stunden an jeder Stelle verbracht und sei mit seinem Karren «wie ein voll beladener Reisebus» hin und her gefahren.

Hoffentlich ergreife Google Massnahmen, um so etwas in Zukunft zu verhindern, kommentiert der US-Techblog 9to5Google, da dies «wahrscheinlich von jemandem mit den richtigen Ressourcen missbraucht werden könnte».

Ganz sicher nicht funktionieren würde der Trick auf einer vielbefahrenen Strasse, weil Google dann von anderen Smartphones, bzw. Usern, widersprüchliche Signale erhielte.

Wie reagiert Google?

Google hat watson auf Anfrage folgende allgemeine Stellungnahme zukommen lassen:

«Google ist bestrebt, möglichst umfassende, genaue und benutzerfreundliche Karten bereitzustellen. Verkehrsinformationen stammen aus verschiedenen Quellen, darunter aggregierte und anonymisierte Daten von Personen, die Standortdienste aktiviert haben, und Beiträgen von der Google-Maps-Community. Verkehrsdaten werden kontinuierlich aktualisiert und wir veröffentlichen Ergebnisse nur, wenn wir ein hohes Mass an Vertrauen in ihre Richtigkeit haben.»
Matthias Meyer, Google Schweiz

Etwas später wurde ergänzt:

«Ob mit dem Auto, mit dem Karren oder mit dem Kamel, wir freuen uns über die kreative Verwendung von Google Maps, da wir dadurch die Funktionsweise von Karten im Laufe der Zeit verbessern können.»
Funktioniert dieser angebliche Google-Maps-Hack?

Quellen

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die 21 besten Krimis bei Google Street View

1 / 23
Die 21 besten Krimis bei Google Street View
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Zu viel am Handy? Dr. Watson weiss, woran du leidest

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Nach Facebook-Hetze gegen Merkel: 40-jähriger Corona-Schwurbler verurteilt

Der gelernte Gärtner war Mitglied einer geschlossenen, etwa 5000 Mitglieder umfassenden Facebook-Gruppe, in der auch zu Gewalt gegen «Asylanten und Migranten» aufgerufen wurde.

Ein Berliner Facebook-Nutzer ist nach Hetze gegen die deutsche Kanzlerin Angela Merkel zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Der 40-Jährige habe sich der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten, der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten sowie der Volksverhetzung schuldig gemacht, begründete das Amtsgericht Berlin-Tiergarten am Donnerstag. Der Angeklagte hatte zuvor gestanden und erklärt, er habe sich «übelst über die Corona-Massnahmen …

Artikel lesen
Link zum Artikel