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The scene at a window as Information Commissioner's Office enforcement officers work inside the offices of Cambridge Analytica in central London after a High Court judge granted a search warrant, Friday March 23, 2018.  The investigation into alleged misuse of personal information continues Friday to determine whether Cambridge Analytica improperly used data from some 50 million Facebook users to target voters with ads and political messages. (Yui Mok/PA via AP)

Hausdurchsuchung im März 2018 bei Cambridge Analytica. Nun haben Reporter mehrere Terabyte an neuen brisanten Daten zum US-Wahlkampf 2016 ausgewertet. archivBild: AP

Trumps Geheim-Projekt «Abschreckung» enthüllt – 3,5 Millionen schwarze Wähler betroffen

Der Facebook-Skandal um Cambridge Analytica ist zurück. Britische Enthüllungsjournalisten reden von «einem der grössten Leaks der Geschichte».



Bei den US-Präsidentschaftswahlen 2016 wurde durch das Wahlkampfteam von Donald Trump versucht, Wahlberechtigte in Schlüsselstaaten mit psychologischen Tricks zu entmutigen und von der Stimmabgabe abzuhalten.

Neue Enthüllungen vom Montag zeigen, dass über die Auswertung von Facebook-Nutzerdaten unter anderem 3,5 Millionen schwarze Wähler herausgefiltert und persönliche Informationen über sie in einer Datenbank gespeichert wurden. Mit dem Ziel, sie über bezahlte Facebook-Postings zu manipulieren.

Journalisten des britischen Senders Channel 4 News haben in einem am Abend ausgestrahlten Exklusivbericht Details zum Vorgehen von Trumps Wahlkampfteam und der «Abschreckung» (Deterrence) von Wählern publik gemacht.

Die Datenbank des Trump-Teams enthalte Angaben über fast 200 Millionen Amerikaner in mehr als 5000 Dateien, die zusammen fast 5 Terabyte an Daten umfassen (1 TB = 1000 Gigabyte) – es handle sich um «eines der grössten Leaks der Geschichte».

Cambridge Analytica «Reloaded»

Das Leak enthülle nicht nur die riesigen Datenmengen, die über jeden einzelnen US-Wähler gespeichert seien, sondern auch, wie diese persönlichen Informationen mithilfe von Modellen und Algorithmen zu Manipulationszwecken verarbeitet und verwendet wurden.

Die Trump-Wahlkampagne habe 2016 allein für Facebook-Werbung umgerechnet über 52 Millionen Franken bezahlt. Dabei seien fast sechs Millionen verschiedene Versionen sehr zielgerichteter Botschaften gepostet worden.

Bei vielen der Anzeigen handle es sich um sogenannte «Dark Posts», die aus den Newsfeeds der User verschwanden, sobald das Kampagnenteam aufhörte, zu bezahlen.

Das Trump-Kampagnenteam hatte zuvor kategorisch erklärt, dass es nicht auf Afroamerikaner abzielte.

Trumps digitale Wahlkampf-Kampagne von 2016 trug den Namen «Project Alamo» und war in San Antonio, Texas, angesiedelt. Daran beteiligt war ein Team der inzwischen aufgelösten britischen Firma Cambridge Analytica, das mit einem Team des republikanischen Nationalkomitees zusammenarbeitete.

Brisant: Zwei hochrangige Mitglieder des Cambridge Analytica-Teams arbeiten laut dem aktuellen Channel-4-News-Bericht an Trumps 2020-Kampagne mit.

Facebooks Rolle?

Dies sei eine neue Form von «Voter Suppression», also des Versuchs, Wahlberechtigte vom Wählen abzuhalten. Channel 4 News zitiert den Vizepräsidenten der einflussreichen Bürgerrechtsorganisation NAACP, Jamal Watkins:

«Es geht nicht darum, ‹möge der beste Kandidat gewinnen›, sondern ‹möge der beste kapitalkräftige Apparat die Wähler unterdrücken und sie zu Hause halten und dadurch die Wahl manipulieren, damit jemand gewinnen kann›.»

Laut Watkins wirft Facebooks Verhalten weitere Fragen auf:

«Ich glaube nicht, dass Facebook seine Rolle vollständig offengelegt hat und die Art der Anzeigen, die geschaltet wurden, wer daran beteiligt war und buchstäblich wie sie möglicherweise in, sagen wir, die Trump-Kampagne eingebettet waren, um dies alles zum Leben zu erwecken.»

Der Skandal um Cambridge Analytica war nach intensiven Recherchen von Channel 4 News, dem «Guardian» und der «New York Times» im Jahr 2018 publik gemacht worden und führte zu Untersuchungen und politischen Anhörungen.

Das Trump-Wahlkampfteam, das republikanische Nationalkomitee und das Weisse Haus wollten vor der Ausstrahlung keinen Kommentar abgegeben laut Channel 4 News.

Der Whistleblower Christopher Wylie, der für Cambridge Analytica gearbeitet hatte, rief am Montagabend via Twitter in Erinnerung, dass er vor dem US-Kongress über die gezielte Beeinflussung schwarzer Wähler ausgesagt habe.

Quellen

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42 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
CrispMüesli
29.09.2020 01:33registriert December 2016
Notiz an mich selbst: Denke nie wieder, es könne nicht schlimmer kommen.
Und bitte noch ein Applaus für Facebook meine Damen und Herren, für deren widerwärtige moralische Grundhaltung, die sie einmal mehr bewiesen haben:
Ist Geld am Input, ist der Output scheissegal.
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Dirk Leinher
29.09.2020 05:35registriert February 2017
Also die Macht von Facebook, Google und Twitter muss definitiv reduziert werden.
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Jaklar
29.09.2020 05:43registriert September 2015
Und wieso wundert mich das gar nicht?
Liebe Trump-Fans hier bei uns, findet ihr das gut, findet ihr das demokratisch, ist das in eurem Sinn?
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