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Bring! App Entwickler

Die Informatiker Marco Cerqui (links) und Sandro Strebel sind ihre eigenen Chefs. Bild: watson/zvg

«Bring!» statt «schreib!»

4 Franken für einen Espresso – kein Problem! 3 Franken für eine geniale App? – grübel* grübel* und studier*

Die Schweizer Smartphone-App «Bring!» spart Zeit, Nerven und mindestens 50'000 Einkaufszettel – pro Woche. Im Interview mit watson stellen die beiden Entwickler das neuste Feature vor und verraten, wie sie die Welt erobern wollen.



Zugegeben, ich bin voreingenommen. Das liegt daran, dass ich Bring! seit über einem halben Jahr nutze. Praktisch jeden Tag.

Wie viel Zeit und Nerven mir die App gespart hat? Keine Ahnung. Wichtiger ist, dass mir damit eine lästige Beschäftigung ein bisschen Spass macht. Die Einkaufszettel-App gefällt mit ihrem benutzerfreundlichen Design und den lustigen Symbolen, die es für Pizza, Broccoli und andere «Produkte des täglichen Bedarfs» gibt. Und das Praktischste an der App: Meine «Eingaben» werden nicht nur gespeichert, sondern auch automatisch auf das iPhone der Shopping-Partnerin übertragen. «Bring!, bitte.»

Die Väter der App heissen Marco Cerqui und Sandro Strebel. Ihre Softwarefirma Publisheria liegt im Herzen der Stadt Zürich. Im Interview blicken die beiden in die hoffentlich werbefreie Zukunft.

Wie lange noch, bis euer Start-up von Google gekauft wird?
Marco Cerqui: Darüber haben wir Stillschweigen vereinbart. Aber im Ernst: Zur Zeit finden keine Gespräche statt und es ist auch kein Ziel von uns, von einem US-Konzern gekauft zu werden. Falls Google aber Interesse an einem Austausch hat, dürfen sie gern bei uns vorbei kommen. (Er lacht) Wir haben eindeutig den besseren Kaffee.

Und ihr habt eine neue praktische Funktion am Start.
Bei Feldtests haben wir festgestellt, dass sich viele Leute beim Einkaufen die Liste anschauen, dann ihr Smartphone ausschalten und in die Tasche stecken, nur um es kurze Zeit später wieder hervorzuholen. Dabei müssen sie immer wieder den Bildschirm aktivieren. Dieses Problem haben wir mit einem neuen Feature namens #PocketLock gelöst. Neu erkennt die App, wenn man das Gerät in die Tasche steckt und sperrt es automatisch. Sobald man es aus der Tasche nimmt, wird die Liste wieder angezeigt.

Wie funktioniert das?
Auf Android verwenden wir dafür einen speziellen Sensor, der erkennt, ob sich etwas vor dem Display befindet. Also ähnlich, wie wenn das Display beim Telefonieren schwarz wird. Auf dem iPhone gibt es diesen Sensor auch, jedoch waren wir mit den Resultaten nicht zufrieden und verwenden deshalb einen anderen Sensor, der die Lage des iPhones erkennt.

«Das nächste grosse Feature wird ermöglichen, mehrere Einkaufslisten zu verwalten.»

Welche anderen Funktionen sind geplant?
Das nächste grosse Feature wird ermöglichen, mehrere Einkaufslisten zu verwalten. So kann man neben seiner Haushaltsliste auch eine Liste für die Büro-Küche oder das Ferienhaus anlegen und mit den entsprechenden Leuten teilen. Weiter machen wir uns Gedanken zum Thema Katalogpflege und Webzugang. Als Erstes werden wir aber die Ausweitung auf englischsprachige Märkte angehen und einen Weg schaffen, wie man die App vor dem Kauf ausprobieren kann.

Im Büro der App-Entwickler gibts tatsächlich Post-it-Zettel. Bild: watson/zvg

Auf der Website wird «Bring! Worldwide» angekündigt.
Im Moment ist unsere App nur in der Schweiz, Deutschland und Österreich verfügbar. Das wird sich in den nächsten Monaten ändern und Bring! wird weltweit verfügbar sein. Die App an sich ist bereit, was noch fehlt, sind die angepassten Produktkataloge. Aktuell fokussieren wir uns da auf die USA und Grossbritannien.

Screenshot Bring!-App, Spracheinstellung: Österreich

Hackfleisch auf österreichisch. Screenshot: Bring! (iOS)

Bleibt eure App werbefrei?
Ähnlich wie die Whatsapp-Entwickler in «Why we don't sell ads» schreiben, möchten wir einen Service anbieten, den die Leute verwenden, weil er gut funktioniert, weil er Zeit und Geld spart und weil er etwas mehr Spass in den Alltag bringt. Dabei entstehen laufende Kosten für die Infrastruktur und die Weiterentwicklung. Solange die Leute bereit sind, einen kleinen Betrag zu bezahlen, werden wir Bring! werbefrei halten können. Es ist aber schon spannend zu beobachten, dass man zwar ohne mit der Wimper zu zucken vier Franken für einen Espresso ausgibt, bei einer guten App aber dreimal überlegt.

Seit Dezember ist die Android-Version verfügbar. Ein Erfolg?
Wir sind sehr gut gestartet und waren fast zwei Wochen auf Platz 1 in den Schweizer Play-Store-Charts. Und demnächst knacken wir die 10'000er-Grenze. Das tönt im Vergleich mit «Flappy Bird» nicht nach sehr viel. Wenn man aber bedenkt, dass Gratis-Apps im Schnitt mindestens 10-mal häufiger heruntergeladen werden, und wir erst in einem relativ kleinen Markt verfügbar sind, ist das eine sehr gute Zahl.

Bild

In Zukunft gibts Einkaufslisten für Zuhause und fürs Büro. Bild: watson/zvg

Wann kommt die App für Windows Phone?
Im Moment besteht das Team hinter Bring! aus Sandro und mir sowie ein paar Studenten und Freiwilligen. Neben der Android- und der iPhone-App müssen wir uns auch um den Cloud-Server kümmern. Wir machen das Graphical Design selber, kümmern uns ums Marketing, koordinieren die Übersetzungen und vieles mehr. Eine weitere Plattform wie Windows Phone ist eine weitreichende Entscheidung und grosse Aufgabe. Leider schaffen wir es in jetzigen Zusammensetzung kaum, eine Windows-Phone-App aufzubauen. Aber man weiss ja nie ...

Was macht denn eine wirklich gute App aus?
Hier kommt das App-Erfolgsrezept zum Ausdrucken: Eine gute App sollte sich einem einzigen Problem widmen, dieses gilt es elegant zu lösen, den Nutzern dabei ein positives Erlebnis zu bereiten und Lust machen, die App möglichst bald wieder zu verwenden. Eigentlich ganz einfach – und trotzdem nicht immer richtig. Mein Erlebnis mit «Flappy Bird» war alles andere als positiv und trotzdem finde ich die App sehr gelungen.

Themawechsel: Wie ist das mit dem Kleingedruckten, das niemand liest beim App-Installieren? Welche Daten werden verwertet?
Zunächst mal: Wir geben keinerlei Daten an Dritte weiter. Wer die App allein verwendet und sich nicht registriert, ist für uns absolut anonym. Wenn man Bring! mit den Leuten im Haushalt teilt, wird neben der Einkaufsliste auch die E-Mail-Adresse auf unserem Server gespeichert. Ohne würde es nicht funktionieren. Die Artikel bleiben so lange auf dem Server gespeichert, wie sie auf der Einkaufsliste sind.

Marco Cerqui (links) und Sandro Strebel haben die Bring!-App entwickelt.

Die Illustrationen sind das Markenzeichen der Schweizer App. Bild: watson/zvg

Witzig sind die Symbolbilder. Wer zeichnet sie?
Sandro ist das Design-Genie bei uns im Team und zeichnet alle Produkte auf seinem Tablet. Lustig ist, dass die Idee mit den selber gezeichneten Icons zuerst eine Notlösung war, weil wir keine passende Bild-Bibliothek auftreiben konnten. Heute sind sie das Haupterkennungsmerkmal der App.

Und wie entscheidet ihr, ob ein bestimmtes Produkt ein eigenes Symbolbild erhält?
Wir haben uns von verschiedenen Quellen Informationen zu den Produkten geholt. Jede Sprachregion hat ja ihren eigenen Katalog mit den wichtigsten Artikeln. Für das Tessin haben wir Polenta und Kastanien aufgenommen, in Deutschland heisst der Rahm nicht Rahm, sondern Sahne. Ausserdem erhalten wir von vielen Benutzern Feedback und Wünsche zu neuen Artikeln. Diese lassen wir immer wieder einfliessen. Ein US-Katalog ohne Bagels geht zum Beispiel gar nicht. 

Welche Zahl möchtet ihr zum Schluss herausheben?
Der Bring!-Server verwaltet über eine Woche hinweg etwa eine halbe Million Artikel, die eingekauft werden müssen. Nun haben wir in Umfragen herausgefunden, dass eine durchschnittliche Einkaufsliste etwa 10 Artikel beinhaltet. Einfach gerechnet heisst das, dass mit Bring! jede Woche über 50'000 Papiereinkaufszettel gespart werden.

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