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Yonnihof

Und du so?
Neujahrsfragen 2017

Bild: shutterstock

Vorsätze allein sind nur Symptombekämpfung.



Das Jahr 2016 geht zu Ende. Vielen von uns kann das nicht bald genug passieren. Online reihen sich «Fuck you, 2016»-Videos aneinander.

Es war ein turbulentes Jahr für unseren Planeten, das steht ausser Frage. Die Erde bebte – geologisch wie politisch wie menschlich. Es verliessen uns einige der ganz Grossen. Und – da unterscheidet sich 2016 jedoch nicht von allen anderen Jahren – es geschahen zu viele menschliche Tragödien aufgrund unmenschlicher Motive.

So werden die Jahresrückblicke, die in den nächsten Tagen über die Bildschirme der Nation flackern, wohl einen eher düsteren Tenor haben. Vielleicht unterbrochen vom einen oder anderen «Riiiiiire, c'est bon pour la santé».

Nun steht also ein neues Jahr vor der Tür und viele von uns – auch ich immer wieder – erliegen dem etwas kindlichen Glauben, dass eine künstlich eingeführte Zeitgrenze wie ein Jahreswechsel einen Einfluss auf das Weltgeschehen haben soll. Ab jetzt wird's wieder besser. Für die Welt. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Aber was ist mit uns? Wir sind ja meist die einzige Entität, auf welche wir tatsächlich Einfluss nehmen können. So ist der Jahreswechsel auch die Zeit der Vorsätze. Nur wissen wir ja aber auch, was mit den meisten dieser Vorsätze passiert.

Ich habe die Theorie, dass das Scheitern von Neujahrsplänen oft auch damit zusammenhängt, dass Vorsätze Antworten sind, für welche wir uns die dazugehörigen Fragen gar nicht erst stellen. Wie wenn man Symptombekämpfung macht, jedoch die Grunderkrankung nicht angeht – fühlt sich zwar subjektiv meist besser an, heisst aber nicht, dass da nichts mehr brodelt.

Es soll nicht nur darum gehen, dass etwas geändert wird, sondern auch, warum es wichtig ist, dass sich etwas ändert, und auch, wie man in den änderungsbedürftigen Zustand geraten ist. Das sind die fundamentalen Fragen – also diejenigen, die das Fundament von Lebensveränderungen betreffen – und wenn das Fundament nicht stabil ist, dann kippt die mit Enthusiasmus gebaute Hütte darüber schon nach ein paar Wochen oder Monaten wieder zusammen.

Nun aber genug der beudeutungsschwangeren Metaphern. Ich habe mir ein paar Fragen überlegt, die ich mir selber stellen will, und die man sich (wenn man Lust hat) durch den Kopf gehen lassen kann. Vielleicht haben Sie, liebe Leserin, lieber Leser, zwischen Völlerei, Familienschlauch und gemütlichem Halbsuff ja ein paar Minuten Zeit dafür.

1. Kann ich mich grundsätzlich als guten Menschen bezeichnen?

Gibt es andere Menschen, die ich ihrer Ethik und Moral (Denkweise und Handlungen) wegen sehr bewundere? Falls ja, was machen sie anders/mehr als ich? Wo kann ich ihnen nachstreben? Wo muss ich das nicht?

2. Ist mein Leben ausgeglichen?

Zwischen Arbeit und Freizeit? Zwischen Askese und Hedonismus? Zwischen meinen Bedürfnissen und den Bedürfnissen anderer? Zwischen dem, was ich tun will und dem, was ich denke, tun zu müssen? Zwischen Intimität und Autonomie? Zwischen Nähe und Distanz?

3. Hinterfrage ich (mich) ausreichend?

Überprüfe ich Information auf ihren Wahrheitsgehalt, auch wenn sie meine Meinung bestätigt? Überlege ich mir, wo mein Gegenüber herkommt und wie es zu seiner Meinung kam? Entschuldige ich jedoch nicht jegliches Verhalten damit, denn irgendwann wird «ich bin halt so» zu Rücksichtslosigkeit, egal wo man herkommt? Bin ich zivilcouragiert; bzw. gibt es immer wieder Situationen, wo ich im Nachhinein denke «Ich hätte etwas sagen/tun sollen»? Bin ich ehrlich genug, meine Meinung zu revidieren und dazu zu stehen, wenn ich daneben/falsch lag?

4. Wie stehe ich zum Nichts-Tun?

Kann ich Streit aushalten? Kann ich Dinge ungelöst lassen? Kann ich Meinungen anderer unkommentiert lassen, auch wenn sie meinen nicht entsprechen? Kann ich zu meinem Schutz einfach mal aufstehen und gehen? Verstehe ich, wenn mich etwas nichts angeht?

5. Bin ich differenziert?

Kenne ich den Unterschied zwischen Dankbarkeit und Entschuldigung? Denjenigen zwischen Schuld und Verantwortung? Denjenigen zwischen Ehrlichkeit und Respektlosigkeit? Zolle ich andern den Respekt, den ich von ihnen verlange? Achte ich auf meine Wortwahl, auch wenn mein Gegenüber das nicht tut? Verstehe ich den Unterschied zwischen der Sache und menschlicher Meinung über die Sache? 

6. Wie sind meine Prioritäten?

Yonnihof Yonni Meyer

Gebe ich positivem Feedback mindestens genauso viel Platz wie negativem? Unterscheide ich, wessen Rückmeldungen mir nahe gehen? Kenne ich den Unterschied zwischen konstruktiver und destruktiver Kritik an mir/meinem Verhalten? Ziehe ich bei beidem die richtigen Konsequenzen? Kann ich über mich selber lachen? Wie weit gehe ich für Harmonie? Wann sollte ich Kompromisse eingehen, wann nicht? Wie wichtig ist es mir, Recht zu haben/behalten?

Yonni Meyer

Yonni Meyer (34) schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
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