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Rassismus am Arbeitsplatz muss man sich nicht gefallen lassen.

Down by Law

Muss ich rassistische Beleidigungen am Arbeitsplatz akzeptieren?

Nein. Deine Arbeitgeberin muss deine Persönlichkeit schützen und darf rassistische Äusserungen dir gegenüber nicht tolerieren. Strafbar sind rassistische Verbalattacken am Arbeitsplatz sehr oft nicht, weil sie privat sind.

Vera Beutler / lex4you by TCS
Vera Beutler / lex4you by TCS



Deine Arbeitgeberin muss im Arbeitsverhältnis deine Persönlichkeit achten und schützen. Im Rahmen dieser sogenannten Fürsorgepflicht hat sie dafür zu sorgen, dass ihre Mitarbeitenden – aber auch beispielsweise Kunden oder Lieferanten – keine rassistischen Bemerkungen machen, die dich in deiner Persönlichkeit verletzen. Ob die Bemerkung rassistisch war, beurteilt sich nach einem objektiven Massstab und nicht danach, wie sie gemeint war. «Ich bin kein Rassist und deswegen war meine Bemerkung auch nicht rassistisch» ist entsprechend keine Rechtfertigung und lässt eine rassistische Bemerkung das bleiben, was sie ist: rassistisch.

Der privatrechtliche Schutz gegen rassistische Bemerkungen ist weitgehend theoretischer Natur

Arbeitgeberin darf rassistische Bemerkungen nicht tolerieren

Weiss die Arbeitgeberin von den rassistischen Verbalattacken, muss sie Massnahmen ergreifen: Verhaltensregeln aufstellen, dem fehlbaren Arbeitskollegen die Anweisung geben, sich korrekt zu verhalten oder ihm gar kündigen. Sollte die Arbeitgeberin hingegen dir kündigen, weil du sie an ihre Fürsorgepflicht erinnert hast, ist die Kündigung zwar gültig. Aber in aller Regel missbräuchlich und die Arbeitgeberin riskiert, dir eine Entschädigung zahlen zu müssen.

Dieser privatrechtliche Schutz gegen rassistische Bemerkungen ist allerdings weitgehend theoretischer Natur: Es gibt praktisch keine Gerichtsurteile, kaum jemand wehrt sich mit zivilrechtlichen Mitteln gegen Rassismus am Arbeitsplatz.

Private rassistische Äusserung nicht strafbar

Contentpartnerschaft mit TCS / lex4you.ch

Dieser Blog ist eine Contentpartnerschaft mit TCS Rechtsschutz und seiner interaktiven Rechtsauskunftsplattform lex4you.ch. Die Fragen stammen direkt aus dem Alltag von Rechtsschutzversicherten – kompetent beantwortet von der Juristin und Leiterin von lex4you.ch, Vera Beutler. Es handelt sich nicht um bezahlten Inhalt.

Eine rassistische Bemerkung kann auch strafbar sein: Die Antirassismusstrafnorm schützt gemäss Bundesgericht «unmittelbar die Würde des einzelnen Menschen in seiner Eigenschaft als Angehöriger einer Rasse, Ethnie oder Religion». Nun stellt aber dieser Antirassismusartikel nur die öffentliche rassistische Äusserung unter Strafe. Keine Strafe ohne Gesetz – das sagten zwar noch nicht die Römer. Aber gleichwohl: Der Grundsatz ist fix in unserem Strafrecht verankert. Deswegen darf im Privaten weiterhin straflos gehetzt werden.

Für das Bundesgericht sind Äusserungen privat, wenn sie «im Familien- und Freundeskreis oder sonst in einem durch persönliche Beziehungen oder besonderes Vertrauen geprägten Umfeld» erfolgen. Der Arbeitsplatz ist dann ein derartiges Umfeld, wenn sich alle, welche die Äusserung mitgekriegt haben, persönlich kennen und niemand Externes die Bemerkung gehört hat. Lässt dein Arbeitskollege hingegen eine rassistische Bemerkung in einem Grossraumbüro mit ständig wechselnden Mitarbeitenden oder im Beisein eines Kunden fallen, riskiert er eine Freiheits- oder eine Geldstrafe.

Im Gegensatz zum zivilrechtlichen Schutz gegen rassistische Bemerkungen ist der strafrechtliche Schutz nicht ganz so theoretisch und es gibt dazu einige Gerichtsurteile. So kosteten die Bezeichnungen «Negerhure», «schwarze Sauschlampe» und weitere ähnliche rassistische Äusserungen gegenüber einer Servicefachkraft den Absender per Gerichtsentscheid 400 CHF. In einem Fall vor Militärstrafgericht kassierte ein Mann für die wiederholten und bewusst herabsetzenden Bezeichnungen «Halbneger» und «Schoggichopf» gegenüber einem Obergefreiten eine Strafe von insgesamt 800 CHF. Hingegen darf man eine Süssspeise ungestraft «Mohrenkopf» nennen. Ob das moralisch, historisch oder auf eine andere Weise korrekt ist, ist wiederum eine andere Frage.

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 19.06.2020 06:48
    Highlight Highlight ...
    Doch irgendwann in diesem Teufelskreis der Verelendung und des sozialen- und materiellen Abstiegs kommt vielleicht mal der Punkt, wo sich ein "Opfer" sagt:
    "Ihr könnt mich Alle mal! IHR seid doch verrückt und Euer Scheiss-System ist doch nicht zum aushalten!"
    An diesem ultimativen Wendepunkt beginnt dann die Freiheit und der "Innere Reichtum"!
    Und mit der Freiheit kommt auch die Fähigkeit zum Fliegen.
    Die Flüge sind aber vorerst gedanklicher Natur.
    Die realen Wunder kommen dann später.
    Probier's aus! Du wirst schon sehen!
  • rodolofo 19.06.2020 06:41
    Highlight Highlight Nein, weil das dann ein Scheiss-Arbeitsplatz ist!
    Wenn sich jemand gegen Rassismus und andere Arten von Mobbing wehrt und in den Gegenangriff geht, beginnt meistens die Maschinerie der strukturellen Gewalt zu laufen:
    - Rassismus und Mobbing werden von "Oben" gedeckt.
    - Opfer und Täter werden verdreht, so dass das Opfer nun "überempfindlich", "nicht kritikfähig", oder als "wenig belastungsresistent" bezeichnet- und weiter ausgegrenzt und für seinen Mut zum Widerstand bestraft wird.
    - Arbeitslosigkeit und Existenzängste führen dann zu weiteren Demütigungen im RAV
    - Psychiatrische Mühle
    ...
  • Name_nicht_relevant 17.06.2020 14:03
    Highlight Highlight Mir wurde beigebracht das wenn ich es nicht ignorieren oder drüber stehen kann von solchen Aussagen ich mich anderswo Bewerben und die Fliege machen soll. Wenn der Chef nicht hinter dir steht, bist du nur eine Nummer und ausstauschbar. Da man heute Offiziell keine Rassistischen oder Sexistische Inserate aufschalten kann und oft andere das Personal wählen, ist es immer ein Risiko genau in so einen Betrieb zu landen. Ich selber Arbeite seit 13 Jahren im Sicherheitsdienst und ich habe alles schon erlebt, selten stand der Betrieb hinder mir. Ich hab gelernt das Ignorieren die beste Waffe ist.
    • rodolofo 19.06.2020 06:59
      Highlight Highlight "Der Chinese lächelt."
      Aber irgendwie ist sein Lächeln undefinierbar und wirkt wie eigefroren, extra für die Überwachungskameras geübt.
      Denn die gefühlsarmen Kontrolleure, welche die Gesichter der Leute überwachen, können echtes Lächeln von falschem Lächeln kaum unterscheiden...
  • Weisser Mann 17.06.2020 11:16
    Highlight Highlight Uff... Als meine Zeit als Verkäufer habe ich ein paar sehr fragwürdige Dinge erlebt.

    Da wurde ein Kollege mal als der "Quoten-Schwarze" bezeichnet und ein andermal weigerte sich eine Kundin von ihm bedient zu werden. Als wir dann hinter dem Kollegen standen und sagten, dass wir sie ebenfalls nicht bedienen würden, gabs einen Rüffel vom Firmenchef, weil sie sich bei uns beklagt hat. Der Chef zeigte da, leider kein Verständnis für unsere Entscheidung, was ich bis heute nicht wirklich verstehe.

    Traurige sache.
    • Gawayn 17.06.2020 12:45
      Highlight Highlight Genau DAS ist das Problem und die Bedeutung von Rassismus.

      Menschen auf Grund anderer Ethnien zu diskreditieren und oder zu beschimpfen.
      Das darf nicht toleriert werden!

      Leider sieht die Realität anders aus. Raßistische Kunden müßen trotzdem bedient werden, dafür werden Süßigkeiten anders bezeichnet werden müßen oder aus dem Regal genommen werden. Weil offenbar der Name rassistisch ist.

      So kriegt man das Problem nicht in den Griff...
    • rodolofo 19.06.2020 06:54
      Highlight Highlight Ganz einfach:
      Diesem Chef ging es nur ums Geld und um das (altmodische) Prinzip des Frühkapitalismus:
      "Der Kunde ist König!"
      Heute lautet das (modernere) Prinzip:
      "Die KundInnen sind PartnerInnen."
      In einer Partnerschaft muss ich mich nicht erniedrigen lassen, wenn mir das nicht gefällt.
      Und ich kann zu einem Arschloch auch "Arschloch!" sagen.

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