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Autojournalismus unfucked

Klischeehafte Berichte, sexistische Idioten und kistenweise Bier – watsons erster Autotest



Was lernt man, wenn man eine Woche lang tagtäglich einen wunderschönen Alfa-Romeo-Sportwagen fährt? Der Lenker macht wichtige Erfahrungen über die Auto-Schweiz, wie sich herausstellt. Etwa ...

1. Autoberichte sind in der Regel grauenhafte Klischeeschleudern.

Watson darf den Alfa 4C fahren.

Yay. Guckt ihn euch schon nur mal an!

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Bild: Alfa Romeo

Gemäss dem ungeschriebenen Gesetz des Auto-Journalismus ist klar, was nun folgen muss: ein süffig geschriebener – dennoch aber seriös fundierter – Fahrbericht, der ehrbietungsvoll genug ist, um beim nächsten Autotest vom Hersteller wieder auf die Überholspur geschickt zu werden.

Dabei gilt: Keine Angst vor der Klischeeschleuder! Etwas von den «schön geschwungenen Formen der temperamentvollen Italienerin» zu faseln ist durchaus angebracht. Oder: «In der Kurvenlage spiegelt sich die typische Italianità wider». Ebenfalls beliebt sind kulinarische Gleichnisse: «Die Beschleunigung fährt ein wie ein kräftiger Espresso an einem Montagmorgen.» 

So. Das hätten wir also erledigt. Nun zu praktischeren Befunden:

2. Vielleicht sieht man gut aus, wenn man darin sitzt, aber wohl nicht, wenn man darin einsteigt.

3. Mit dem 4C lässt sich die Tochter wunderbar in den Kindsgi bringen.

Bliebe noch die Frage nach der Verhältnismässigkeit ...

4. Für den Biereinkauf gibt es aber bessere Gefährte.

Der Wocheneinkauf geht aber erstaunlich gut. Schau – drei ganze Migros-Säcke:

Alfa Romeo 4C Wocheneinkauf

Bild: watson/obi

5. Ihr seid alle sexistische Idioten. 

Die erste Reaktion so ziemlich genau aller beim Anblick des 4Cs: «Das ist ein Frauenauto!» 

Soso. Und was, bitte sehr, ist denn genau ein «Frauenauto»? Eine brettharte Rennmaschine, bei der man jedes Kieselsteinchen auf der Strasse spürt, die eine schwere, servofreie Lenkung hat und die 0-100 km/h in 4,5 Sekunden schafft?  

Bild: alfa romeo

«Frauenauto» haut in die ewig gleiche sexistische Kerbe: hübsch und süss, nicht aber kraftvoll. Form vor Funktion. Eine Handtasche.

Ihr seid alle Klischeeaffen. 

6. Selbst der «Mountain of Doom» (aka die Rampe zum watson-Parkdeck) lässt sich mit dem 4C bezwingen.

7. Der Alfa Romeo 4C ist das vielleicht ehrlichste Auto der Welt.

Hör' dich mal um und du wirst feststellen: Die meisten Menschen, die ein extravagantes Auto besitzen, rechtfertigen dies mit angeblich praktischen Attributen des Gefährts. Die SUV-Besitzerin wird dir vorschwärmen, dass ihr 4x4-Monster «total gäbig und bequem» sei – «man bringt dort alles rein, so viel Platz hat der!» Und der BMW-M3-Fahrer wird etwas von «problemlos im Alltag» faseln. In Wahrheit aber geniesst Frau Viermalvier die Grösse und das damit einhergehende Gefühl von Überlegenheit und Status, während Mister Midlifecrisis sich daran aufgeilt, dass er ein so sauschnelles Teil fährt. 

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bild: alfa romeo

Beim 4C gibt es kein Verstecken. Die Alltagstauglichkeit ist lächerlich. Das Geschoss ist für Menschen konzipiert, die Freude an sportlichem Fahren, am schicken Design, der überlauten Auspuforgel und der – okay, okay, ich gebe es ja zu! – Italianità haben. Für Menschen, die auch dazu stehen können.  

8. Der Sitzgurt-Piepser nervt auch im 4C.

Überwachungsstaat allüberall! Heutzutage ist selbst ein Alfa so bevormundend wie ein Volvo!

9. Auch in einem Alfa 4C fahren einem BMW-Fahrer hinten auf.

Aber vermutlich würde das auch in einem Ferrari passieren.

10. Der Cayman-Vergleich ist unausweichlich.

In der internationalen Fachpresse wird überall der Vergleich zum Porsche Cayman gezogen. Und nach den Tests kommen die meisten zum Schluss: Bei fast identischen Fahrleistungen ist am Schluss der Cayman das rundum bessere Fahrzeug.

Und auch das langweiligere. Er hat vermutlich besser verstellbare Sitze und einen praktischeren Kofferraum. Dafür ist er 500 Kilo dicker und muss deshalb um die 90 PS mehr mitbringen, um gleich flink zu sein. Ausserdem kostet er um die 30’000 Franken mehr.

Und: Wenn einem in seinem kompromisslosen Alfa 4C sitzt und an jeder Ecke einem all diese Caymans entgegenkommen, kommt man nicht umhin zu denken: Memmen.

11. Ein Sportauto zu fahren ist zuerst zum Brüllen lustig, dann etwas nervig und am Schluss eben doch verdammt schön.

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Hier noch einige technische Daten und ein paar Sprüche, um beim Feierabend-Bier mitdiskutieren zu können: 

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Kommentar

Truck. Yeah.

Ich bin Pickup gefahren und muss gestehen: Irgendwie versteh' ich die Amis.

Eigentlich ist's erstaunlich, dass es nicht früher passiert ist. Nachdem ich in der Vergangenheit so ziemlich jede Mietwagenkategorie unter der Sonne ausprobiert hatte, setzte man mich beim letzten USA-Besuch erstmals ans Steuer eines Pickup-Trucks.

Meist mietet man ja irgend eine billige Bänne. Manchmal aber einen etwas teureren Hybrid, in der Hoffnung, dass man dafür beim Benzin einspart. Und oft bekommt man ein Upgrade, weshalb ich mal von Phoenix nach Las Vegas in einem Dodge Challenger …

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