Afrika
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Die zehn vergessenen Krisen des Corona-Jahres

Corona, Corona, Corona: Die Viruskrise verdrängt andere wichtige Themen aus den Nachrichten. Die Hilfsorganisation Care hat ausgewertet, über welche zehn humanitären Krisen 2020 am wenigsten berichtet worden ist.

Anja Keinath / t-online



Ein Artikel von

T-Online

Der Ausbruch der Corona-Krise im letzten Jahr stellt für viele Menschen eine Ausnahmesituation dar. In einigen Teilen der Welt ist Covid-19 allerdings nur eine weitere Gefahr von vielen. Auch schon vor dem Ausbruch des Virus waren über eine Milliarde Menschen von Konflikten, Vertreibungen und der Klimakrise betroffen.

Der am heutigen Dienstag veröffentlichte Bericht «Suffering in Silence» der die Hilfsorganisation Care stellt die zehn am wenigsten medial beachteten Krisen des letzten Jahres vor. Auf Platz 1 liegt das von einer schweren Hungersnot geplagte Burundi.

Die Hilfsorganisation wurde 1945 in den USA gegründet, um die europäische Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg zu versorgen. Heute setzt sie sich für Menschen in mehr als einhundert Ländern weltweit ein.

Das sind die zehn vergessenen Krisen des Corona-Jahrs:

Burundi

 200521 -- GITEGA, May 21, 2020 -- Voters wait to cast their ballots in Gitega Province, central Burundi, on May 20, 2020. Burundian voters went to the polls on Wednesday to elect a new president, members of the National Assembly and district councillors. photo by /Xinhua BURUNDI-GENERAL ELECTIONS-VOTING EvrardxNgendakumana PUBLICATIONxNOTxINxCHN

Bild: www.imago-images.de

Nach relativ friedlichen Wahlen im vergangenen Jahr kehrten mehr als 50'000 geflüchtete Burundier wieder zurück in ihre Heimat. Gleichzeitig flüchteten mehr als 80'000 Menschen aus dem Nachbarland Kongo nach Burundi – zu viele Menschen, um alle mit ausreichend Land und damit Nahrung zu versorgen. Erdrutsche und Überschwemmungen verschlimmerten die Hungersnot zusätzlich.

Guatemala

Photo taken on October 26, 2019 that shows the 4-year-old Carla girl being carried by her adoptive father Roque in front of the cornfield of her property, they live in the village of El Ceibal in the municipality of Jocotn, Chiquimula in the Corredor Seco of Guatemala, where the drought causes dozens of cases of child malnutrition. She is losing her hair and is smaller than normal for his age. Carla, four, has a bloated belly. Does not speak. She does not walk either. It is one of the thousands of faces of the famine of the Corredor Seco of Guatemala. The Corredor Seco of Guatemala: the thousand and one faces of hunger ACHTUNG: NUR REDAKTIONELLE NUTZUNG PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xEstebanxBibax AME4128 20191113-637092722315418786

Ein Mann mit seiner vier-jährigen Adoptivtochter in einem Maisfeld in seinem Dorf El Ceibal. Aufgrund von Mangelernährung verliert sie Haare und entwickelt sich langsamer. Bild: www.imago-images.de

Seit 2015 sorgen Dürren für Ernteausfälle, die eine große Nahrungsmittelkrise in Guatemala ausgelöst haben, insbesondere entlang der Trockenwaldregion des Landes. Zu Beginn der Corona-Krise lebten bereits 10 von insgesamt 14,9 Millionen Guatemalteken unter der Armutsgrenze. Durch die Pandemie haben viele Familien ihr Einkommen verloren, was die Hungersnot verschlimmert.

Methode

Für den Bericht wurden von Januar bis September 2020 mehr als 1.2 Millionen Onlineartikel auf Arabisch, Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch ausgewertet. Ausgewählt wurden schliesslich die Konflikte oder Naturkatastrophen, von denen mindestens eine Million Menschen betroffen sind.

Zentralafrikanische Republik

CENTRAL AFRICA - FOREIGN LEGION Patrol of legionaries on the main road in search of weapons. Central African Republic - Bangui - June 2015. Bangui Centrafrique PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xJos xNicolasx HL_JNICOLAS_1074778

Die französische Fremdenlegion ist seit 2012 in der zentralafrikanischen Republik stationiert. Bild: www.imago-images.de

Neben Armut und Hunger herrscht seit 2012 Bürgerkrieg in der Zentralafrikanischen Republik. Die Menschen sind jeden Tag mit Attentaten, Folter und Vergewaltigungen konfrontiert. Seit der Corona-Krise hat sich insbesondere die Sicherheit von Frauen und Mädchen verschlechtert. Die Zahl der Meldungen über Gewalt hat sich fast verdoppelt. Besonders Kinder werden oft Opfer von sexualisierter Gewalt, Zwangsarbeit oder der Rekrutierung durch bewaffnete Gruppen.

Ukraine

SIEVIERODONETSK, UKRAINE - NOVEMBER 20, 2020 - An aerial view of Sievierodonetsk after a snowfall, Luhansk Region, eastern Ukraine. Sievierodonetsk Copyright: xKovalyovxOleksiyx

Sievierodonetsk in der Luhansk Region im Osten der Ukraine. Bild: www.imago-images.de

Im Osten der Ukraine verläuft die Grenze zwischen Regierungs- und Rebellengebieten. Landminen und Straßenschäden isolieren die in der Region lebenden 70'000 Menschen, von denen viele auf eine mobile medizinische Versorgung und humanitäre Hilfe angewiesen sind. Sie sind jetzt auf sich allein gestellt. Trotz des vereinbarten Waffenstillstands ist hier die zivile Wasser- und Stromversorgung immer wieder unterbrochen. Dazu kommt die Angst vor Granatenangriffen und gewalttätigen Zusammenstößen.

Madagaskar

People walking through dust storm during drought, Southern Madagascar PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY

Celebrities Walking Through Dust Storm during drought Southern MADAGASCAR PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY

Ein Staubstorm im südlichen Madagaskar während einer Dürre. Bild: imago stock&people

Der Klimawandel trifft Madagaskar besonders hart – das Land leidet besonders unter Wirbelstürmen und Dürren. Außerdem ist die Bevölkerung aufgrund der niedrigen Impfraten und der schlechten hygienischen Verhältnisse immer wieder von Epidemien wie Malaria, Beulen- oder Lungenpest betroffen.

Malawi

Afrika, Malawi, Dorf bei Zomba, Frauen mit Kindern, 28.11.2013

Africa Malawi Village at Zomba Women with Children 28 11 2013

Frauen mit Kindern in einem Dorf in der Nähe der Stadt Zomba. Bild: imago stock&people

Im letzten Jahr ist die Selbstmordrate in Malawi um 57 Prozent gestiegen. Die Bevölkerung leidet unter extremer Armut und Naturkatastrophen. Wegen der Corona-Krise sind die Schulen geschlossen, was zudem zu einem Anstieg von Frühheirat geführt hat. Zwischen März und Juli 2020 kam es zu 13'000 Fällen von Frühheirat und über 40'000 Teenagerschwangerschaften.

Pakistan

Pakistan: Heavy monsoon rain in Lahore Pakistani pedestrians and motorists wade through a flooded street during heavy monsoon rain in Lahore. More than 100 Pakistanis died in August because of the monsoon, which has also destroyed more than 1,000 homes.According to Met Department, heavy monsoon rain lashed Lahore and its adjoining areas in the wee hours of friday. The incessant rain has flooded roads and streets in many parts of the city, rainwater entered houses in several low-lying areas of Lahore while parts of the city witnessed power outage as more that 160 Lesco feeders tripped soon after the rain started. Lahore Punjab Pakistan Lahore Copyright: RanaxSajidxHussain

Zwei Männer bahnen sich ihren Weg durch die Fluten in Lahore, die zweitgrösste Stadt Pakistans. Bild: www.imago-images.de

Im letzten Jahr gab es extreme Überschwemmungen in Pakistan: Vieh verendete und es kam zu Ernteausfällen, die erst in vielen Jahren wieder ausgeglichen sein werden. Über 400 Menschen kamen durch die Überschwemmungen ums Leben, rund 68'000 Menschen verloren ihr Zuhause und 6,7 Millionen Menschen sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

Mali

Mali, Bamako, IDP camp Faladie MALI, Bamako, IDP camp Faladji , Peulh people settled here after ethnic conflicts with Dogon people in the region Mopti, shelter on dumping site *** Flüchtlingslager Faladi auf einem Müllplatz am Stadtrand von Bamako, Peulh Fluechtlinge aus der Region Mopti, zwischen Peul und Dogon kam es in der Region Mopti zu gewaltsamen Auseinandersetzungen Bamako Mali

Flüchtlinge haben sich nach ethnischen Konflikten auf einem Müllplatz am Stadtrand von Bamako niedergelassen. Bild: www.imago-images.de

In Mali leben 90 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze und 1,3 Millionen Menschen leiden Hunger. Wegen der Corona-Pandemie sind die Schulen geschlossen und die Kinder sind einem größeren Risiko für Missbrauch ausgesetzt. In den ersten drei Monaten im Jahr 2020 kam es bereits zu 228 Fällen schwerer Gewalt gegen Minderjährige. Sie wurden getötet, verstümmelt, vergewaltigt oder durch bewaffnete Gruppen rekrutiert.

Papua-Neuguinea

INDONESIA Papasena villagers welcome expedition members upon arrival by Cesna. June 2007. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY 1361563 TimxLaman

Papasena Dorfbewohner heissen ein Expeditions-Team willkommen. Bild: www.imago-images.de

In Papua-Neuguinea leiden die Menschen an Mangelernährung. Nur 46 Prozent der Bevölkerung hat Zugang zu sauberem Trinkwasser. Bereits vor Covid-19 war das Gesundheitssystem aufgrund von Krankheiten wie Tuberkulose, HIV/AIDS und Malaria überlastet.

Sambia

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Die Dürre macht sich besonders an den Viktoriafällen bemerkbar. Bild: www.imago-images.de

Sambia ist besonders betroffen von der globalen Klimakrise. Die Temperaturen steigen immer weiter an und die jährliche Niederschlagsmenge geht immer weiter zurück. Dürreperioden, Heuschreckenplagen und Überschwemmungen führten zu Ernteausfällen. Inzwischen benötigen 56 Prozent der Sambier humanitäre Hilfe.

Mehr als die Hälfte der Entwicklungsgelder fehlen

Die Vereinten Nationen (UN) schätzen, dass im Jahr 2021 mindestens 235.4 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen sein werden – das sind 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings fehlen dafür Entwicklungsgelder, da Regierungen weltweit die Gesundheit ihrer eigenen Bürgerinnen und Bürger und ihre angeschlagenen Volkswirtschaften in den Vordergrund stellen. Nach Angaben des Amtes der UN für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) vom Dezember 2020 ist die humanitäre Hilfe für dieses Jahr bisher nur zu 44.7 Prozent finanziert – insgesamt werden jedoch schätzungsweise rund 29 Milliarden Euro Nothilfe benötigt.

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Heuschreckenplage in Ostafrika

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