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Eine Frau bereitet den Impfstoff gegen das Covid-19 Coronavirus vor, im Referenz-Impfzentrum EBPI am Hirschengraben in Zuerich vor, aufgenommen am Montag, 4. Januar 2021. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Eine Frau bereitet den Impfstoff vor, Impfzentrum Hirschengraben, Zürich. Bild: keystone

Diese 4 Punkte zeigen, wie der Kanton Zürich zum Trödelkanton wurde

Zürich tauscht den Impfchef aus, sagt aber, dass es nicht mit dem aktuellen Stand der Impfkampagne zu tun hat. Die Zahlen zeigen hingegen, dass Zürich tatsächlich hinterherhinkt.



Was ist passiert?

Es ging bei den guten Nachrichten, dass weitere 50'000 Impftermine verfügbar seien, fast unter: Der Zürcher Impfchef Markus Näf gibt die Verantwortung für die Zürcher Impfkampagne ab.

Im letzten Abschnitt der Medienmitteilung wird darauf hingewiesen, dass es einen «Wechsel der Verantwortlichkeit für COVID-19-Impfung» geben werde. Ein Dank fehlt. Begründet wird der Schritt damit, dass die Aufbauphase des Impfprojekts abgeschlossen sei und nun in die Betriebsphase wechsle. Somit wird es in die «Linienorganisation der Gesundheitsdirektion» überführt und Peter Indra, designierter Leiter des Amtes für Gesundheit, übernimmt.

Projektleiter Markus Naef informiert ueber die naechsten Schritte zur Covid-19-Impfung im Kanton Zuerich, aufgenommen am Montag, 11. Januar 2020. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Markus Näf. Bild: keystone

Gegenüber der NZZ sagt Näf, dass der Wechsel von Anfang an so geplant gewesen sei, die Gesundheitsdirektion bestätigte dies.

Überrascht zeigt sich hingegen Lorenz Schmid, Präsident des Zürcher Apothekerverbands, der bei der Implementierung der Apotheken in die Impfstrategie eng mit Näf zusammenarbeitete. Gegenüber der NZZ sagt Schmid: «Dieser Schritt hat mich überrascht. Und ich weiss nicht, warum er sich gerade jetzt so aufgedrängt hat.»

Und betont, dass die Impfkampagne ja nicht mit einem Bauprojekt vergleichbar sei, wo, wie die NZZ ihn paraphrasiert, «der Generalunternehmer den Hut nehme, wenn das Haus fertig gebaut sei und der Facility-Manager mit seiner Arbeit beginne.»

Aber wie sieht die Lage in Zürich den aus? Folgende vier Punkte zeigen die Rücklage Zürichs.

Impftempo

Die vorher erwähnten 50'000 neuen Impftermine hören sich zwar gut an, wenn man aber das Impftempo des vergangenen Monats anschaut, relativiert sich die Situation.

Zürich fällt im Direktvergleich mit den drei bevölkerungsreichsten Kantonen ab. Mitte April sah es zwar noch nach einer Aufholjagd aus, mittlerweile ist das Tempo aber abgeflacht.

Der Rückstand auf die anderen grossen Kantone, den sich Zürich zu Beginn der Impfkampagne eingehandelt hat, verschärfte sich nicht, allerdings wurde er auch nicht aufgeholt. Der Tagesanzeiger rechnet vor: Man liegt etwa zweimal eine Stadt von der Grösse von Uster zurück, beim jetzigen Tempo entspräche das etwa einer Impfwoche.

Anzahl geimpfter Personen

Zürich ist nationales Schlusslicht. Total wurden bis jetzt (Daten stammen vom 2. Mai) 26,18 Impfdosen pro 100 Personen verimpft.

Klar ist, dass die Impfkampagne für bevölkerungsreiche Kantone eine grössere Herausforderung bedeutet. Aber die direkten «Konkurrenten» Bern und Waadt sind deutlich besser platziert.

Anteil nicht verimpfter Dosen

An den ausgelieferten Impfdosen kann es nicht liegen, wie obige Tabelle zeigt. Die Spitzenreiter verimpfen die verfügbaren Dosen schneller, die Trödler-Kantone haben im Gegensatz grössere Reserven.

Besonders auffällig im bevölkerungsreichen Kanton Zürich sind die absoluten Zahlen. Geliefert wurden 524'650 Dosen, davon verabreicht sind bislang aber erst 402'951 Dosen.

Gemäss Tagesanzeiger lag dies daran, dass man anfangs April die vergleichsweise grossen Lagerbestände als Vorsichtsmassnahme noch zurückhielt, aus Angst vor Lieferengpässen seitens der Hersteller. So sollte die Zweitimpfung gesichert werden.

Mittlerweile hat Zürich aber aufgeholt. Während im März noch jede zweite gelieferte Dosis verimpft wurde, ist die Rate Ende April auf 1,1 gestiegen – das heisst, der Lagerbestand wird langsam abgebaut.

Unterschiedliche Strategien, unterschiedliche Ergebnisse

Der Zürcher Rückstand lässt sich auch auf eine andere Strategie zurückführen. Während die Waadt und Bern von Anfang an eher auf Impfzentren setzten, wählte Zürich einen eigenen Weg. Zuerst wurden Risikopatienten in Arztpraxen und Alters- und Pflegeheimen geimpft, erst später wurde vermehrt auf Impfzentren gesetzt. Gemäss Verantwortlichen eine Strategie, die sich schlussendlich als sehr aufwendig erwies. Ob sich Zürichs Weg auszahlt, muss sich erst noch zeigen.

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