Jagdgesetz
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David Gerke ist Jäger und Teil des Komitees gegen das revidierte Jagdgesetz. Die Jägerin Rahel Frey befürwortet hingegen das Jagdgesetz-Referendum. bild: keystone/watson

Unsicher, was du beim Jagdgesetz abstimmen sollst? Diese Argumente helfen dir (vielleicht)

Gemäss den jüngsten Umfragen ist bei der Abstimmung über das Jagdgesetz-Referendum das Rennen für Gegner und Befürworter noch offen. Bist du auch noch unschlüssig? Das sind die Argumente beider Seiten.



Die Meldungen von gesichteten Wolfsrudeln und gerissenen Schafen und Kälbern häufen sich in den letzten Wochen – pünktlich zur Abstimmung über das revidierte Jagdgesetz am 27. September.

Die neusten Umfragen zeigen, dass die Meinung noch nicht gefasst ist. Gemäss 20 Minuten/Tamedia sind 49 Prozent gegen und 48 Prozent für die Vorlage, drei Prozent äussern sich unentschlossen. Gemäss SRG sind 46 Prozent auf der Ja-Seite und 48 Prozent auf der Nein-Seite.

Damit ist eine Pattsituation entstanden. Sechs Prozent der Stimmbürger sind noch unschlüssig. Die noch Unentschlossenen könnten das Zünglein an der Waage sein.

Auch noch unentschlossen? Hier die Argumente der Gegner und Befürworterinnen im Überblick:

Das sagen die Befürworter:

Die neuen Regeln zur Jagd hätten nichts mit einem «Abschussgesetz» zu tun, wie es die Gegner monieren. Laut Vertreterinnen und Vertretern von Jagdverband, Bauernverband, Berggebieten und bürgerlichen Parteien (SVP, CVP, BDP, FDP) verbessert die Reform vielmehr den Tierschutz. Tiere wie Biber und Luchs würden mit dem revidierten Jagdgesetz besser geschützt. Das sagt auch die Aargauer Jägerin Rahel Frey. Das neue Gesetz sei im Sinn vom Wildtier und dem Naturschutz. Im Video erklärt sie, weshalb das über 30 Jahre alte Jagdgesetz erneuert werden muss:

Video: watson/lea bloch

Viele der Befürworter sind in der Landwirtschaft tätig. So auch die 26-jährige Schafzüchterin Jeanette Saurer aus dem Berner Oberland. Vor zwei Jahren wurde eines ihrer Schafe vom Wolf gerissen und musste dann vom Wildhüter erlöst werden. Im Video erklärt sie, weshalb sie es problematisch findet, dass auch die Stadtbevölkerung über diese Vorlage abstimmen kann:

Jeanette Saurer, Schafzüchterin

Video: watson/jara helmi

Das sagen die Gegner:

Video: sda/SDA

Das revidierte Jagdgesetz zielt laut den Gegnern daneben. Statt einer vernünftigen Regelung für den Umgang mit dem Wolf habe das Parlament einen «völlig unverständlichen Angriff auf zahlreiche Arten geschützter Tiere» verabschiedet. Das von Umwelt- und Tierschutzorganisationen ergriffene Referendum unterstützen Parlamentarier aus verschiedenen politischen Lagern. Die Parteien SP, Grüne, GLP und EVP sind gegen die Vorlage.

Ein präventiver Abschuss – ohne dass sich Volk und Parlament dazu äussern könnten – geht ihnen gegen den Strich. Vielmehr sei auch die Landwirtschaft gefordert, sich im Umgang mit Wildtieren anzupassen. Dazu gehörten etwa wirksame Herdenschutzmassnahmen. Die öffentliche Hand könnte solche mitfinanzieren. Dass selbst viele Förster und Jäger gegen das Gesetz seien, zeige, dass das Jagdgesetz missraten sei.

Tatsächlich hat sich unter den Jägerinnen und Jägern Widerstand formiert. Entgegen den Ja-Parolen des Jagdverbandes haben sich zahlreiche Jägerinnen und Jäger zu einem Nein-Komitee formiert. «Wir wollen zeigen, dass es auch Jäger gibt, die kein Problem mit Wildtieren oder geschützten Tierarten haben», sagt David Gerke vom «Komitee Jäger für Artenschutz». Die Jäger würden nicht vom revidierten Gesetz profitieren, der Artenschutz würde hingegen geschwächt, das gälte es zu verhindern.

David Gerke, Praesident Gruppe Wolf Schweiz und Werner Mueller, Geschaeftsfuehrer BirdLife Schweiz, von links, sprechen bei der Lancierung des Referendums gegen das revidierte Jagd- und Schutzgesetz, am Dienstag, 8. Oktober 2019, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Der Jäger und Schafhirte David Gerke ist Teil des Nein-Komitees «Komitee Jäger für Artenschutz». Bild: KEYSTONE

Dass nun der Wolf die Debatte so dominiert habe, sei trügerisch. Denn die Gesetzesrevision hätte Auswirkungen auf die gesamte Tierwelt. «Geschützte Tierarten können reguliert werden, auch wenn sie keine Schäden angerichtet haben – so auch der Wolf», sagt Gerke.

Dennoch versteht der Jäger und Schafhirte die Anliegen der Landwirte: «Die Ängste sind real, diese müssen wir ernst nehmen. Aber die Lösung für dieses Problem ist nicht dieses Gesetz.» Denn auch mit dem revidierten Jagdgesetz würden die Sorgen der Landwirten nicht verfliegen. «Auch wenn man den Wolf dann leichter schiessen kann, sind die Tiere immer noch dem Risiko ausgesetzt.»

Deshalb müssen man in die Herdenschutzmassnahmen investieren. Auch wenn das neue Jagdgesetz angenommen werden würde, müssten die Landwirte noch immer Herdenschutzmassnahmen ergreifen. «Und dieses Problem, nämlich eine bessere Finanzierung der Herdenschutzmassnahmen, wird mit dem neuen Gesetz nicht gelöst», sagt Gerke.

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110 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Cirrum
17.09.2020 14:42registriert August 2019
Der Wolf bildet ein Rudel, dass ein riesen Teretorium hat. Wenn ein anderer Wolf in das Teretorium eintritt, wird er von den anderen Wölfen getötet.. Also regulieren sie sich selber. Wölfe sind sehr wichtig für die Natur, denn sie reissen schwache und kranke Wildtiere..
Das Schäfern ist ein Hobby, entweder man lässt dieses Hobby oder man investiert in einen vernünftigen Herdenschutz, funktioniert in Italien auch. Ein Hirte ist vor Ort und die Schafe sterben nicht an sonstigen Verletzungen und sie haben keine Probleme mit dem Wolf.
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GERTY
17.09.2020 14:39registriert September 2016
Sehr grob gesagt:
Bei einem Ja unterstütz wir eine (Land-)Wirtschaft, die sich weiterhin gegen Nachhaltigkeit wehrt und die Kultur über die Natur stellt.
Bei einem Nein geben wir der (Land-)Wirtschaft das nötige Signal, dass wir uns für einen langfristigen und nachhaltigen Weg einsetzen, bei der Kultur und Natur nebeneinander funktioniert.
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GERTY
17.09.2020 14:49registriert September 2016
"Jedes Wildtier hat seinen Schaden, den es anrichtet".
Ok. Dann lass uns mal rein fiktiv ganz out of the Box denken und sagen: Der Mensch ist im weitesten Sinne auch ein Lebewesen bzw. Tier auf diesem Planeten. Eines, dass sich offensichtlich beinahe grenzenlos an der Natur bedient. Man könnte dieses Verhalten (angesichts der sich häufenden menschengemachten Naturkatastrophen) genauso als "Raub" an der Natur definieren. Was uns global gesehen zum Raubtier mit dem grössten Schadens-potenzial machen würde.
...aber das wäre eine sehr gewagte Aussage, ich weiss ;)
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