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Hast du schon einmal das K├╝ssen hinterfragt? 5 Fakten, die dir dein Verhalten erkl├Ąren

K├╝ssen ist in den meisten romantischen Beziehungen in unseren Breitengraden gang und g├Ąbe. Mitunter darum gibt es den Internationalen Tag des Kusses. Der ideale Anlass, eine Alltagssch├Ânheit mal etwas genauer zu beleuchten.



Jaja, diese ┬źInternationalen Tage des Irgendwas┬╗ sind ein wenig ... naja ... gesucht. Einverstanden. Aber sie regen einen dennoch immer mal wieder dazu an, sich mit Themen auseinanderzusetzen, ├╝ber die man sich sonst nicht t├Ąglich aktiv den Kopf zerbricht.

Der 6. Juli ist zum Beispiel der Internationale Tag des Kusses. Das wirft indirekt diverse Fragen auf. Wieso k├╝ssen wir uns? Seit wann tun wir das? Wer k├╝sst sich nicht? Was passiert in uns, wenn wir uns k├╝ssen? Diese Fragen versuchen wir hier zu beantworten. Einfach damit wir ein wenig ├╝ber etwas Bescheid wissen, dass wir (im Idealfall) t├Ąglich tun.

Bakterienschleuder

Was nat├╝rlich alle wissen wollen (oder schon wissen oder besser wissen, als der Rest), ist, wie viele Bakterien da eigentlich so ausgetauscht werden, wenn man dem feuchten Lippentango fr├Ânt. Falls du also das befreundete Paar nerven willst, das wieder mal flegelhaft neben dir rumknutscht, kannst du getrost sagen:

┬źIhr tusched grad ├Âpe 80 Millione Bakterie uus. Imfall.┬╗

Wahlweise gerne mit diesem Gesicht:

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Bild: knowyourmeme

Bei einem 10-sek├╝ndigen, intensiven Kuss werden also zirka 80 Millionen Bakterien zwischen den K├╝ssenden ausgetauscht. Das ist ein wunderbarer Fakt, den man immer wieder problemlos als Romantikentsch├Ąrfer einwerfen kann. Willst du noch weiter mit deinem Kuss-Wissen angeben, kannst du Folgendes gleich noch hintendrein werfen:

┬źJe me ihr eu k├╝ssed, desto ├Ąhnlicher wird eues Muul. Imfall.┬╗

Wahlweise gerne mit diesem Gesicht:

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Bild: imgflip

Jene Studie, die bereits oben zitiert wurde, hat n├Ąmlich ebenfalls herausgefunden, dass eine deutliche Korrelation zwischen der ├ähnlichkeit der Bakterien im Speichel von Paaren und der Selbstauskunft ├╝ber die Kuss-H├Ąufigkeit mit dem Partner/der Partnerin besteht. Will heissen: Je mehr wir denselben Menschen k├╝ssen, desto ├Ąhnlicher wird die bakterielle Zusammensetzung ┬źunseres┬╗ Speichels. Unseres Speichels. Wow.

Nat├╝rlich ist diese ├ähnlichkeit auch abh├Ąngig von der vergangenen Zeit seit dem letzten Kuss. Oder aber davon, ob man seither die Z├Ąhne geputzt hat. Fakt ist jedoch: Verbringst du zum Beispiel ein Liebeswochenende irgendwo, knutschst lange und innig mit einer Person rum und vernachl├Ąssigst in diesem Kontext das Z├Ąhneputzen, setzen sich die ┬źfremden┬╗ Bakterien fest und formen eine widerstandsf├Ąhigere, neue bakterielle Zusammensetzung in deinem Mund.

Euer Mund dann so:

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Gif: fanpop

Unter dem Strich ist das dann auch nicht schlimm. Nur bereichernd f├╝rs Kopfkino.

Falls du noch mehr ┬źcoole┬╗ Fakten zum K├╝ssen brauchst:

- Ein Zungenkuss bedarf 34 verschiedener Gesichtsmuskeln, ein normaler Kuss gerade mal derer zwei.
- Intensives K├╝ssen verbrennt ungef├Ąhr 6.4 Kalorien in der Minute.
- Der durchschnittliche Mensch verbringt in seinem Leben zirka zwei Wochen am St├╝ck mit K├╝ssen.
- Das K├╝ssen wurde erstmals in den vier Veden (religi├Âse Texte des Hinduismus) schriftlich erw├Ąhnt. Diese Texte sind ungef├Ąhr 3'500 Jahre alt.

quelle: factretriever

Cool? Cool.

Wo wird eigentlich ├╝berall gek├╝sst?

Bei uns im globalen Westen ist das K├╝ssen so omnipr├Ąsent und kulturell verankert, dass man schnell darauf schliessen k├Ânnte, dass die K├╝sserei eine universelle, zutiefst menschliche Angelegenheit ist. Dem ist jedoch nicht so, wie eine kulturanthropologische Studie von 2015 zeigt.

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Fr├╝here Studien gingen von 90% aus. Die hier zitierte h├Ąlt zudem fest, dass es eine Korrelation zwischen K├╝ss-H├Ąufigkeit und sozialer Komplexit├Ąt der Gesellschaft gibt: Je mehr gek├╝sst wird, desto komplexer die Gesellschaft. Der indigene Stamm der Mehin├íko in Brasilien, der gesellschaftlich einer klassischen J├Ąger-Sammler-Gesellschaft ├Ąhnelt, erachtet K├╝ssen beispielsweise als ┬źeklig┬╗.

K├╝ssen und Umarmen hat man auch im Tierreich bereits beobachten k├Ânnen. So wurde bei unseren Verwandten, den Schimpansen und den Bonobos, bereits 1990 ein solches Verhalten festgestellt. Doch dabei handelt es sich nicht um eine romantische Geste. Viel eher ist es ein fixer Bestandteil des gesellschaftlichen Funktionierens. Wir sch├╝tteln uns die H├Ąnde nach einem beigelegten Streit, die Bonobos knutschen rum.

Das sieht bei den Bonobos so aus:

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gif: youtube

Und bei uns Menschen so:

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gif: youtube

Demnach ist es also nur ein gewisser Teil der Menschheit, der aus romantischen oder sexuellen Motiven k├╝sst.

Wieso k├╝ssen wir uns?

Eine seit den 1960ern weit verbreitete These geht davon aus, dass das K├╝ssen seinen Ursprung in der F├╝tterung des Kindes durch die Mutter hat. Dieses Vorgehen war gem├Ąss ├ťberlieferungen bei den Alten Griechen noch verbreitet und l├Ąsst sich auch heute noch in gewissen Stammesgesellschaften (beispielsweise in Namibia) beobachten.

Diese These stammt vom Zoologen Desmond Morris, der ein solches Verhaltensmuster bei den Schimpansen beobachtet hatte. Interessant dabei war, dass M├╝tter ihren Kindern in Zeiten, in denen das Futter knapp war, die Lippen auf den Mund dr├╝ckten, um diese f├╝rsorglich zu beruhigen.

Desmond Morris (Amerikaan) met zijn boek

Desmond Morris (nicht verwandt mit Kevin Spacey) mit seinem weltber├╝hmten Werk ┬źDer nackte Affe┬╗, das unter anderem seine Kuss-These enth├Ąlt. Bild: Anefo via wikipedia

Diese intime Geste wohnt mutmasslich auch dem Menschen in der einen oder anderen Form inne und w├╝rde ├╝ber die Jahre kulturell romantisiert. Sigmund Freud beispielsweise erachtete das K├╝ssen als menschlicher Instinkt, der im Bed├╝rfnis gr├╝ndet, von einer Brust gestillt zu werden.

Ein klassischer Siggi ...

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Gif: tenor

Neuere Studien zum Sinn und Zweck des K├╝ssens verfolgen einen anderen Ansatz. Prinzipiell geht es ihnen zufolge um Geruch und Geschmack. Da S├Ąugetiere, insbesondere der Mensch, einen verh├Ąltnism├Ąssig lausigen Geruchs- und Geschmackssinn haben, ist K├╝ssen eine Form der Kompensation sinnlicher Unzul├Ąnglichkeit. Durchs K├╝ssen kommen wir n├Ąher an m├Âgliche Partner heran und k├Ânnen uns ein olfaktorisches Bild von ihr/ihm machen.

Hier, f├╝r den n├Ąchsten Valentinstag:

Bild

Bild: watson / shutterstock

Dabei geht es um Pheromone und Hormone. Die sollen unseren eigenen m├Âglichst verschieden sein. K├╝ssen ist aber nicht nur Inzestpr├Ąvention. Es dient auch dazu, unseren potenziellen Nachwuchs so stark wie m├Âglich zu konzipieren. Deshalb suchen wir uns tendenziell Partner, deren MHC-Proteinkomplexe (welche die Immunit├Ąt f├╝r Krankheiten genetisch kodiert) m├Âglichst anders als unsere sind. So erh├Âhen sich die Chancen auf m├Âglichst fitten Nachwuchs.

Oder aber so:

Bild

bild: watson / shutterstock

Es ist unter dem Strich also egal, ob wir uns gegenseitig die Lippen auf den Mund pressen. Eigentlich w├╝rde es auch reichen, einander aus n├Ąchster N├Ąhe zu beschnuppern. Und eventuell eine Speichelprobe zu verk├Âstigen.

Was bedeutet eigentlich der Hochzeitskuss?

Auch wenn die Heirat punkto Populari├Ąt sicher schon bessere Tage erlebt hat, so ist der Hochzeitskuss dennoch etwas, das vor Symbolkraft, insbesondere in der christlichen Kultur, geradezu trieft. Die Vereinigung zweier Seelen unter der Obhut Gottes. Oder so. Doch woher stammt er?

Der Kuss als romantische Geste ist, wie wir nun alle gecheckt haben, eine j├╝ngere Erfindung. So war er bei den Alten Griechen (nebst der F├╝tterungstechnik) eine g├Ąngige Begr├╝ssungsform zwischen Gleichgeschlechtlichen. Heterosexuelle K├╝sse wurden hingegen eher verschm├Ąht.

Am Montagmorgen, nachdem sich alle gem├Ąchlich im Team-Meeting eingefunden haben:

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gif: giphy

Waren Alte Griechen beispielsweise von gleichem Status, kam der Kuss auf die Lippen zum Zug, bei ungleichem Status erwies sich der Kuss des ├ťberlegenen auf die Wange des Unterlegenen als ad├Ąquat. Auch im Christentum war der Kuss auf den Mund zwischen Gleichgeschlechtlichen als Begr├╝ssung einst gang und g├Ąbe.

Der Hochzeitskuss hingegen stammt vermutlich von einem Brauch der Alten R├Âmer ab. Diese besiegelten vor allem Vertragsabschl├╝sse mit einem innigen Kuss auf die Lippen des Vertragspartners. Da es sich auch bei der Ehe um einen Vertrag handelt, war dies auch dort der Fall und wurde vom Christentum ├╝bernommen und symbolisch umgedeutet.

Was der Kuss also eigentlich bedeutet:

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Bild: unsplash / watson

Kusskuriosit├Ąten

Zum Abschluss noch ein paar l├╝pfige Anekdoten aus aller Welt in Bezug auf das ungenierte Lippenspiel.

So ist es in Frankreich beispielsweise bis heute noch gesetzlich verboten, sich auf dem Perron zu k├╝ssen, wenn ein Zug auf dem Gleis steht.

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WAS F├ťR EIN WIDERLICHES NO-GO! Bild: flickr (Ian Livesey)

Der Grund dahinter? Nun, die Lokf├╝hrer beklagten sich einst, dass aufgrund der langen Abschiedsszenen von sich k├╝ssenden Liebenden immer mehr Versp├Ątungen entstehen. Grund genug, das K├╝ssen zu verbieten.

In China verlor eine Frau vor├╝bergehend ihr Geh├Âr aufgrund eines Kusses.

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bild. shutterstock

Ein besonders intensiver Kuss ihres Partners habe zu einem Unterdruck in ihrem Mund gef├╝hrt, was dazu f├╝hrte, dass das Trommelfell herausgezogen wurde und so den Zusammenbruch des Geh├Ârs verursachte, wie der damals behandelnde Arzt gegen├╝ber Reuters verlauten liess. Das Geh├Âr sollte sich aber nach gut zwei Monaten wieder erholt haben. Der Fall ereignete sich 2008.

Der Hays-Code reglementierte das K├╝ssen in Filmen bis ins Detail, ehe er 1967 abgeschafft wurde.

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Will Hays, der sich stark f├╝r die Implementierung des Production Codes in Hollywood einsetzte. Bild: wikipedia

So durfte auf der Leinwand zum Beispiel nicht in horizontaler Lage gek├╝sst werden ÔÇô zumindest nicht beide Kuss-Parteien. Nur solange einer der beiden Beteiligten stand, war's dem Publikum zumutbar. War es in einer Szene nicht m├Âglich, dies zu bewerkstelligen (zum Beispiel bei Bettgefl├╝ster-Sequenzen), so musste mindestens ein Fuss auf dem Boden platziert werden.

Da auch die Kuss-Zeit auf einige Sekunden beschr├Ąnkt war, mussten die Filmemacher dieser Zeit erfinderisch werden. So zum Beispiel Alfred Hitchcock, der im Film ┬źNotorious┬╗ (1946) die legend├Ąre Kussszene zwischen Cary Grant und Ingrid Bergman so konzipierte, dass sie sich zwar nur weniger Sekunden am St├╝ck daf├╝r mehrere Male k├╝ssten.

Bis heute eine der mutmasslich heissesten Kussszenen der Filmgeschichte.

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Video: YouTube/Antonis Theodoridis

Happy Kuss-Tag euch allen! ­čĺő

F├╝r die Faktenhungrigen unter euch hier noch mehr Wissenswertes:

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