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Ambri's fans respect the sanitary measures, during the preliminary round game of National League A (NLA) Swiss Championship 2020/21 between HC Ambri Piotta and HC Lugano at the ice stadium Valascia in Ambri, Switzerland, Friday, October 2, 2020. (Kesystone/Ti-Press/Alessandro Crinari)

Nicht normal: Blick in die Valascia beim Tessiner Derby Anfang Oktober 2020. Bild: keystone

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Drei Möglichkeiten, wie es mit der Eishockey-Meisterschaft weiter geht

Bis zum 1. November wird die Meisterschaft fortgesetzt. Anschliessend gibt es drei Optionen. Wir sollten uns mit dem Gedanken vertraut machen, dass die National League wirtschaftlich auf das Niveau der zweithöchsten Liga sinken wird.



Option I

Die Liga beschliesst eine Fortsetzung der Meisterschaft unter allen Umständen. Also spielen, solange es die Behörden erlauben. Notfalls auch ohne Zuschauer (Geisterspiele). Länger als für zwei Monate reicht das Geld für diese Variante das nicht mehr.

Eine Bedingung zum Überleben ist in diesem Fall, dass auch Zeitverträge (wie sie fast alle Spieler und Trainer haben) wieder unter die Kurzarbeitsregelung fallen und die Kurzarbeitsregelung bis Saisonende (Anfang Mai) verlängert wird. Der Sinn dieser Regelung ist es ja, einem Unternehmen (also einem Hockeyklub) das Durchstehen einer Krise zu ermöglichen, um die Arbeitsplätze zu retten.

Sicht in die fast leere Halle im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Biel und dem SC Bern, am Dienstag, 20. Oktober 2020, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Peter Schneider).

Biel – Bern durfte am Dienstag mit maximal 1000 Personen im Stadion stattfinden. Bild: keystone

Bei der Variante einer Fortsetzung unter allen Umständen fliessen wenigstens die TV-Gelder (insgesamt 35 Millionen Franken) und von den Sponsoren sind weniger Rückforderungen zu erwarten.

Das Problem: Sind keine oder ist nur eine limitierte Anzahl Zuschauer erlaubt, dann müssen alle Saisonticket-Inhaber für die Spiele entschädigt werden, die sie nicht besuchen können. Entweder durch Rückzahlung oder Übertragung auf die nächste Saison.

Ein Durchspielen der Saison unter allen Umständen bringt bei allen Klubs rote bis tiefrote Zahlen. Jahresverluste zwischen 4 und 7 Millionen Franken sind zu erwarten und es werden die Mäzene sein, die Gutes tun müssen. In Zürich, Zug und Lugano wird das dank Milliardären einfacher sein. An den übrigen Orten werden Männerrunden mit abgeschlossener Vermögensbildung für die Rettung sorgen. Bei keinem der 12 Klubs ist im Frühjahr der Konkurs zu befürchten. Am stärksten gefährdet ist allerdings Lausanne wegen der Abhängigkeit von unberechenbaren ausländischen Investoren.

Option II

Unterbruch der Meisterschaft. Allerdings kann höchstens eine Pause von zwei Monaten organisiert und finanziert werden. Bedingung für einen bis zu zwei Monaten dauernden Unterbruch ist ebenfalls eine Kurzarbeitslosenregelung für Zeitverträge und die Umwandlung der Bundeskredite für die Profiklubs in Subventionen.

Bei einem Unterbruch von maximal zwei Monaten können gewisse Aufwendungen reduziert werden und es bleiben genug Termine, um die ausgefallenen Spiele unter besseren Bedingungen (mehr Zuschauer) nachzuholen. Der Vorteil: Die Saisonticketinhaber können mehr Spiele sehen, es gibt nur begrenzte Rückforderungen der Sponsoren und die TV-Gelder sind ebenfalls gerettet.

SC Rapperswil-Jona Lakers Stuermer Kay Schweri vor halb leeren Zuschauerraengen waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen den SC Rapperswil-Jona Lakers und den ZSC Lions am Samstag, 10. Oktober 2020, in Rapperswil. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Halbleeres Stadion beim Spiel zwischen den Rapperswil-Jona Lakers und den ZSC Lions. Bild: keystone

Spielplan-General Willi Vögtlin sagt: «Ein Unterbruch von einem Monat ist vom Terminkalender her machbar. Aber dann müssten die Playoffs wahrscheinlich auf best-of-three verkürzt werden.»

Bis zu zwei Monate Pause sind möglich, wenn ganz auf die Playoffs verzichtet wird. Eine Meisterschaft ohne Playoffs ist eine Option, weil so alle Klubs die Qualifikation zu Ende spielen und die Verpflichtungen gegenüber den Saisonkarteninhabern eher erfüllen können.

Die Qualifikation zu verkürzen, um die Playoffs in voller Länge spielen zu können, hilft nur bedingt, weil davon nicht alle profitieren können. Eine Verkürzung der Qualifikation, der Playoffs oder ein Playoff-Verzicht erfordert die Zustimmung von drei Vierteln der Klubs (9 von 12).

Die Meisterschaft muss spätestens am zweiten Mai-Wochenende (Sonntag, 9. Mai) beendet werden. Damit eine minimale Vorbereitung auf die WM möglich ist. Die Titelkämpfe beginnen am 21. Mai in Minsk und Riga. So ist es wenigstens geplant und niemand weiss, ob die WM 2021 tatsächlich wie geplant ausgetragen werden kann.

Wenn sich die Verhältnisse nach einem Meisterschafts-Unterbruch nicht bessern, droht Option III.

Option III

Abbruch der Meisterschaft. Das Ende der Meisterschaft können im Extremfall die Behörden verfügen. Die Liga kann aber auch mit einer Dreiviertelmehrheit (9 von 12 Klubs) den Abbruch beschliessen.

Das vorzeitige Ende der Meisterschaft können die Klubs ohne Umwandlung der vom Parlament bereits bewilligten Kredite für den Profisport in Subventionen und der Kurzarbeitsregelung für Zeitverträge nicht überstehen.

Die Hälfte des TV-Geldes ist bei Saisonbeginn schon überwiesen worden und wird bei einem Meisterschafts-Abbruch wahrscheinlich nicht in vollem Umfang zurückgefordert. Aber die zweite Hälfte der 35 Millionen Franken wird dann nicht mehr ausbezahlt.

Eishockey TV Fernsehen Swisscom UPC MySports National League A Symbolbild Ice Hockey Kamera

Wird nicht gespielt, wird auch nicht gezahlt. bild: shutterstock

Wie hoch die Rückforderungen der Saisonkartenbesitzer und Sponsoren in einem solchen Fall sein werden, hängt vom Verhandlungsgeschick der Klubmanager ab. Weil die Hockeyklubs ein wichtiger Teil im örtlichen Wirtschaftsleben sind, ist finanzielle Hilfe von der Stadt oder vom Kanton möglich.

Wenn sich die Situation soweit bessert, dass wir davon ausgehen können, dass die neue Saison im Herbst 2021 unter normalen Bedingungen beginnen kann, dann ist das Überleben aller Klubs bei einem Abbruch der laufenden Meisterschaft wahrscheinlich.

Wenn die Unsicherheit bis im Frühjahr andauert und im Mai absehbar wird, dass es im Herbst immer noch nicht unter Normalbedingungen weiter gehen kann, dann ist eine Rettung der Hockeykultur wie wir sie kennen nur noch mit dramatischen Einschnitten möglich. Weil dann die Verlängerung der Sponsorenverträge wie wir sie heute kennen kaum mehr möglich sein wird und der Verkauf von Saisontickets dramatisch zurückgehen dürfte. Das Geschäftsmodell «Profisport als Massenveranstaltung» funktioniert in diesem Fall bis zur Normalisierung der Verhältnisse nicht mehr.

Die Spielersaläre müssen dann um bis zu 70 Prozent gekürzt und die Klubadministrationen auf ein Minimum reduziert werden. Ein Profibetrieb wie bisher ist nicht mehr finanzierbar, die Hälfte der Spieler brauchen neben dem Hockey einen Job.

Die National League wird im Falle einer zweiten Saison unter den Bedingungen dieser Saison kostenmässig auf das Niveau der Swiss League reduziert, die Swiss League auf das Level des Amateurhockeys («MySports League»).

Die internationale Konkurrenzfähigkeit unseres Hockeys muss bei einschneidenden Änderungen nicht zwangsläufig sinken. Weil auch alle anderen europäischen Hockey-Nationen mit den gleichen Problemen zu kämpfen und auch nicht bessere Bedingungen haben.

Wenn die Meisterschaft abgebrochen wird, dann gibt es in der National League und in der Swiss League keinen Meister und damit auch keinen Aufsteiger. Der Abstieg aus der National League und aus der Swiss League ist bereits ausgesetzt worden.

Als Trost bleibt eine Erkenntnis aus der Geschichte: Die Erholung nach einer überstandenen Krise ist in sehr vielen Fällen schneller gelungen als erwartet.

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