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The University of Fribourg, pictured on April 30, 2014, in Fribourg, Switzerland. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die Uni Fribourg, aufgenommen am Mittwoch, 30. April 2014 in Fribourg. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die medizinische Fakultät der Uni Fribourg holt Studierende aus den Sommerferien zurück. Grund dafür: Praxisnahe Kurse müssen nachgeholt werden, die wegen der Corona-Pandemie gestrichen wurden. Bild: KEYSTONE

Uni Fribourg pfeift Medizin-Studis aus Ferien zurück – wegen fehlenden Praxis-Kursen

Die Uni Fribourg holt Studierende der medizinischen Fakultät aus den Ferien zurück, obwohl viele bereits die Bachelor-Bestätigung erhalten haben. Die Studierenden sind empört – für sie kommt der Rückruf zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.



«Unser Gruppenchat explodiert gerade», sagt der Medizin-Student* der Universität Fribourg am Telefon. Am Montag wurden er und einige seiner Mitstudentinnen von der medizinischen Fakultät darüber informiert, dass gewisse praxisorientierte Kurse (sogenannte klinische Kurse) Ende August noch nachgeholt werden müssen. Betroffen sind diejenigen Bachelor-Absolventen, die für den Medizin-Master an die Uni Bern wechseln.

«Die Universität Bern hat uns informiert, dass es zwingend erforderlich ist, dass sie die Clinical Skills absolvieren, die wegen Covid-19 nicht durchgeführt werden konnten», heisst es im Mail an die Studierenden, gefolgt von Daten Ende August, die man sich vormerken sollte.

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Die E-Mail der medizinischen Fakultät, die an einen Teil der Medizin-Studierenden verschickt wurde. bild: zvg

«Damals hiess es von Seiten der Uni, dass die Praxis-Kurse wegen der Covid-19 komplett gestrichen werden und wir nichts nachholen müssen», so der Medizin-Student. Er und viele weitere hätten unterdessen bereits die Bachelor-Bestätigung erhalten.

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Ziel der klinischen Kurse ist es, die Medizin-Studierenden möglichst praxisnah auf zukünftige Patientinnen und Patienten vorzubereiten. bild: shutterestock

Dass die Fakultät sie nun mit einer Vorlaufzeit von drei Wochen zum Präsenzunterricht beordere sei für ihn und seine Kommilitonen unverständlich und extrem ärgerlich. «Viele von uns haben bereits Ferien gebucht oder Arbeitsverträge für den Sommer unterschrieben.» Doch das ist nicht die einzige Terminkollison.

Medizinstudium in Fribourg

Die Universität Fribourg bietet 120 Plätze für Medizinstudentinnen und -studenten im Bachelor an.

Seit dem Herbstsemester 2019 bietet die Medizinische Fakultät ebenfalls ein Masterprogramm an. Dieses ist jedoch auf eine humanmedizinische Ausbildung und auf 40 Studienplätze beschränkt. Ein Teil der Bachelor-Studentinnen und -studenten absolviert deshalb den Medizin-Master an den Universitäten in Zürich oder Basel.

«Das Absurdeste ist, dass einige dieser Pflicht-Kurse gleichzeitig mit den Nachholprüfungen stattfinden. Einige unserer Kommilitonen müssten also gleichzeitig eine Prüfung nachholen und die Präsenzkurse besuchen», so der Student weiter.

Auf Anfrage von watson gibt die Uni Fribourg zu Bedenken: «Die klinischen Kompetenzen sind zentral für die zukünftige Ausübung des Ärzteberufs. Die Universität Bern wird deshalb ihre Studierenden noch nachträglich ausbilden», so Mediensprecher Marius Widmer. In Bern habe man aber nicht ausreichend Kapazitäten, um auch die Fribourger Medizinstudenten zu schulen. Deshalb biete die medizinische Fakultät den Studierenden nun an, die Kurse in Fribourg noch zu absolvieren.

Die Kurzfristigkeit des Aufrufs sei nicht ideal, räumt Widmer ein. «Den verantwortlichen Stellen ist dabei bewusst, dass dies zu terminlichen Schwierigkeiten führen kann.» Die Studierenden hätten die Möglichkeit, sich bei Terminkollisionen direkt bei der Dozentin zu melden.

Die Frage, ob die Bachelorabsolventen auch ohne Nachholen der klinischen Studien an der Uni Bern mit dem Master starten können, kann Widmer nicht beantworten und verweist dafür an die Uni Bern.

Bei der Uni Bern widerspricht man dem Narrativ aus Fribourg. «Es ist nicht korrekt, dass die Clinical Skills nachgeholt werden müssen», klärt Mediensprecherin Nathalie Matter auf. «Das Nachholen geschieht auf freiwilliger Basis und auf Nachfrage der Studierenden. Die Universität Bern empfiehlt jedoch, die Nachholmöglichkeiten wahrzunehmen.»

Das Absolvieren der Clinical Skills sei jedoch keine Bedingung, um das Master-Studium anzutreten. Für die Nachholkurse werde «ein grosser Einsatz der Lehrpersonen und Ärztinnen und Ärzte geleistet, um dem Wunsch der Studierenden nachzukommen», so Matter weiter. Die Universität Bern hoffe, dass man bei Terminkollisionen Lösungen finden werde.

*Name der Redaktion bekannt

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24
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    Alle Leser-Kommentare
  • Sandlerkönig Eberhard 05.08.2020 21:31
    Highlight Highlight Also wenn zukünftige Mediziner keine Kurse absolvieren wollen, die sie „praxisnah auf zukünftige Patienten vorbereiten sollen“, dann, ja dann...

    Vielleicht sollte man dann die zukünftigen Zahltage ein bisschen kürzen und die Differenz allen Krankenschwestern, Hilfspflegerinnen und Reinigungsfrauen in den Spitälern auszahlen.

    Für die zukünftigen Mediziner kann man ja dann als gerechten Ausgleich ansonsten auch um 18.00 ein bisschen in die Hände klatschen wenn grad nichts im Fernsehen läuft, das hat sich ja schon mal bewährt und alle Beteiligten extrem glücklich gemacht.
  • Floule 05.08.2020 13:11
    Highlight Highlight Ein ganzer Artikel lang Drama nur um im letzten Absatz alles zu relativieren.
    Ich weiss es ist Sommerloch, aber das könnt ihr besser Watson!
  • wuaatson 05.08.2020 11:08
    Highlight Highlight Es heisst vorlesungsfreie Zeit und es sind keine Ferien, das Semester geht weiter, auch wenn keine Vorlesungen stattfinden. Jeder der nicht auf den Kopf gefallen ist, wusste, dass es sein kann, dass in dieser Sommerpause Ausfälle kompensiert werden. Das kann halt passieren, wenn eine unvorhergesehene Pandemie ausbricht. Zweck der Uni ist die Studis gut auszubilden, nicht die 14 Wochen Sommerpause unter allen Umständen zu garantieren.
    • Loe 06.08.2020 15:28
      Highlight Highlight Und wann verdienst du dein Geld um das Studium zu finanzieren? Gerade Medizinstudenten haben ja zu viel Zeit, neben dem Studium zu arbeiten. Und nicht allen zahlt Papi. Sowie wohl auch nicht alle in den Ferien sind.
    • wuaatson 06.08.2020 16:50
      Highlight Highlight Sorry es geht um 6 Tage, wenn ein Studi wegen diesen 6 Tagen finanziell nicht durch das Studium kommt, kann der er/sie sich gerne bei mir melden. Zusätzlich gibt es, wegen dieser unvorhregesehenen Pandemie noch Corona-Soforthilfen durch die Unis ausgezahlt, wenn man denn Anspruchsberechtigt ist. Also alles halb so wild. Aber schön, wie du suggerieren möchtest, dass mein Papi mein Studium bezahlt hat. In meinem Fall aber falsch, da ich zwei Mamis habe. Ich würde deinem Argument ein 4.5 geben.
    • wuaatson 06.08.2020 16:52
      Highlight Highlight Im Übrigen geht arbeiten neben dem Studium immer, es ist eine Frage des Wollens. Zeit hat man schon. (Mit dem Kommetar zerschiesse ich mir meine Herz/Blitz Ratio gewaltig.)
  • Thomas G. 05.08.2020 01:22
    Highlight Highlight Mimimi und gleich an die Medien eskaliert. Moll das sind sicher die richtigen Tugenden um als Arzt zu arbeiten. Überlegt, ruhig Optionen abwägend, lösungsorientiert. Man sucht das Gespräch und findet einen Weg.

    Hey ihr überzeugt mich echt. Bitte lasst uns alle wissen wenn ihr Eure Praxis eröffnet!
  • Derdada 04.08.2020 22:04
    Highlight Highlight Also, dass es ärgerlich ist verstehe ich... aber irgendwie scheint es mir schon einwenig „mimimi“-haft, daraus ein Riesen-Theater und einen Artikel zu machen...
    Ich finde das Nachholen eigentlich gut, ich möchte ja möglichst gut ausgebildete Ärzte. Aber ich stimme dem Grundgedanken hier zu und teile die Meinung, dass man dies etwas früher in Erfahrung hätte bringen können. Aber es ist keine Empörung wert.
  • Macrönli 04.08.2020 21:57
    Highlight Highlight Also man muss nicht, man kann.

    Aber ein Titel mit "Uni Fribourg teilt Studierenden mit, dass sie die Praxiskurse nachholen dürfen" gibt weniger Klicks oder?
    • Bits_and_More 05.08.2020 11:45
      Highlight Highlight Soweit ich verstanden haben, schreibt die Uni Fribourg von "müssen", obwohl es gemäss Uni Bern Freiwillig ist. In der Mail steht ja auch "...informé qu'll est impératif"... also zwingend notwedig.

      Der Titel passt also schon.
    • skater83 05.08.2020 11:52
      Highlight Highlight ...dann wärs wohl eher: "wegen fehlkommunikation von Uni Freiburg glauben Stidus, dass sie Urlaub abbrechen müssen"
    • Loe 06.08.2020 15:25
      Highlight Highlight Womit wir einmal mehr bei der unterirdisch schlechten Kommunikation der Uni wären - wie so oft.
  • Lichtblau550 04.08.2020 20:35
    Highlight Highlight Wegen fehlender Praxiskurse. Einfach mal so. 😉
  • Hardy18 04.08.2020 20:33
    Highlight Highlight Willkommen in der Realität, liebe Studis... 😏
  • Adam Gretener 04.08.2020 20:20
    Highlight Highlight Also ist da rein gar nichts? Kollegen in der Redaktion, die Kollegen in Fribourg haben? Danke, ich möchte in Zukunft nicht mehr mit solchen Dingen belästigt werden.
  • Sayonara 04.08.2020 20:00
    Highlight Highlight Ganz klar ein Wirrwarr und die Aufregung ist verständlich. Auf der anderen Seite, die Damen und Herren haben das Privileg ein Medizinstudium zu absolvieren, bei dem es im Endeffekt um den Dienst am kranken Menschen geht und nicht um ein gesteigertes Ego durch einen Doktorentitel. Es müsste also eigentlich im Interesse der Teilnehmer sein solche Praxiskurse absolvieren zu können um danach am lebenden Objekt bereits praktische Erfahrung aufzuweisen?!
    • Loe 06.08.2020 15:24
      Highlight Highlight Das Privileg ewige Überstunden auf Grund eines kaputten Systems zu leisten, dafür noch täglich angemotzt werden und von überall her zu hören man verdient zu viel?
      Von meinen ehemaligen Kommilitonen wünscht sich ein Grossteil, sie hätten besser was anderes studiert. Nichts Ego von wegen Doktortitel (welcher eh nichts bringt).
  • freifuchs 04.08.2020 19:16
    Highlight Highlight Offenbar war es also ein Missverständnis. Die Kurse müssen nicht absolviert werden.
  • givemeajackson . 04.08.2020 18:11
    Highlight Highlight als frischer Bachelorabsolvent an der uni Bern... Wieso genau hab ich noch nichts von all dem gehört? kein Sterbenswörtchen über Nachholmöglichkeiten für Clinical Skills Kurse. das einzige was ich weis ist dass der nähkurs im 4ten jahr nachgeholt wird, sonst gar nichts. Universitäre Kommunikation...
    • Loe 06.08.2020 15:21
      Highlight Highlight Ist ja bekannt, dass alles immer möglichst spät kommuniziert wird...
      Auch wenn etwas 6 Monate im voraus bekannt war, geht die Info erst 2 Wochen vorher raus...
  • flubi 04.08.2020 17:50
    Highlight Highlight Jetzt hatten die Studenten monatelang Ferien und müssen jetzt einmal kurzfristig etwas besonderes tun und leiden bereits an Überbelastung. Oh ihr Armen!
  • Loe 04.08.2020 17:29
    Highlight Highlight Also sitzt in der medizinischen Fakultät in Fribourg nicht das einzige Dekanat, welche Organisatorisches absolut nicht im Griff hat und es nicht einsehen will... In Basel seit Jahren das selbe Theater - schon ohne Corona.
    • Thomas G. 05.08.2020 11:09
      Highlight Highlight Willkommen im Leben. Selber machen macht glücklich!
    • Loe 06.08.2020 15:19
      Highlight Highlight Danke für den Tipp. Leider ist man von der Organisation da abhängig und hat keine Wahl.

      Zum selber machen: Arbeite offiziell 60h pro Woche (das es inoffiziell deutlich mehr ist erfordert unser System ja, aber das interessiert keinen). Das die Leute bei uns an der Uni damals auch nur annähernd so viel gearbeitet haben. daran zweifle ich.

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