Spanien
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Ganz Spanien fragt sich: «Wo ist Juan Carlos?»



FILE - In this file photo dated Sunday, June 2, 2019, Spain's former King Juan Carlos waves at the bullring in Aranjuez, Spain.  The royal family

Weg: Juan Carlos Bild: keystone

Als das spanische Königshaus am Montagabend völlig unerwartet das Exil von Altkönig Juan Carlos bekannt gab, da war der 82-Jährige offenbar schon über alle Berge. Der von einem Korruptionsskandal und von Justizermittlungen bedrängte Vater von König Felipe VI. hatte den Zarzuela-Palast nordwestlich von Madrid - seine Residenz der vergangenen 58 Jahre - nach Medienberichten bereits am Sonntag verlassen. Er sei mit einem Wagen nach Galicien und von dort über die Grenze nach Portugal gefahren, hiess es.

In Porto soll Juan Carlos dann einen Flieger Richtung Karibik bestiegen haben, wie unter anderem auch die den Royals sehr nahe stehende Zeitung «ABC» versicherte. In der Dominikanischen Republik habe das frühere Staatsoberhaupt Zuflucht bei einem engen Freund, dem Zuckermagnaten Pepe Fanjul, gesucht, hiess es.

Eine Stellungnahme der «Casa Real» oder der Regierung gab es dazu vorerst nicht. Das sorgte für Verwirrung. Der staatliche TV-Sender RTVE und auch die Menschen in den Cafés überall im Lande stellten deshalb immer wieder dieselbe Frage: «Wo ist Juan Carlos?»

Pablo Iglesias, der Chef des Juniorpartners der sozialistischen Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez, des Linksbündnisses Unidas Podemos, beklagte eine «Flucht» des Altkönigs und erneuerte seine Forderung nach Abschaffung der Monarchie. «Eine demokratische Regierung darf da nicht wegschauen», schrieb er auf Twitter. Juan Carlos' Anwalt Javier Sánchez-Junco beteuerte, sein Mandant stehe der spanischen Justiz weiter zur Verfügung.

ARCHIV - Juan Carlos, damals König von Spanien, nimmt an einer Militärveranstaltung im spanischen San Lorenzo de El Escorial teil. Foto: Daniel Ochoa De Olza/AP/dpa

Bild: sda

Die in Sachen Monarchie sehr gut informierte Zeitung «El Mundo» versicherte unterdessen, das Exil von Juan Carlos sei von Felipe und Sánchez vereinbart worden. Das Königshaus habe Juan Carlos zum Verlassen Spaniens «gezwungen», um die konstitutionelle Monarchie zu retten, so das Blatt. Ob es etwas bringt? «El Mundo» meint, die «dramatische Geste» von Juan Carlos werde «den Kreuzzug» der Monarchiegegner um Iglesias nicht stoppen. Sorge auch im Ausland: Die Londoner «Times» warnte, die spanische Monarchie sei so beschädigt, «dass ihr langfristiges Überleben ungewiss ist».

Dabei galt Juan Carlos, der selber 1938 im Exil geboren wurde, jahrzehntelang als Vorzeige-König. Spätestens seit er 1981 die damals noch sehr junge spanische Demokratie nach einem Putschversuch energisch verteidigt hatte. Doch in den letzten zehn Jahren erregte er immer wieder Ärger: eine umstrittene Elefantenjagd, Medienberichte über angebliche Seitensprünge, ein Betrugsskandal, der sich über Jahre hinauszog und bei dem sein Schwiegersohn Iñaki Urdangarin zu knapp sechs Jahren Haft verurteilt wurde.

Und dann wurde zu allem Übel auch der ominöse Deal um den «Wüstenzug» aufgedeckt: Juan Carlos soll 2008 Schmiergeld in Höhe von 100 Millionen US-Dollar kassiert haben, damit der Bau einer rund 450 Kilometer langen Schnellbahnstrecke zwischen Mekka und Medina durch ein spanisches Konsortium zustande kam. Das Oberste Gericht leitete im Juni offiziell Ermittlungen gegen den von rund 20 Operationen körperlich stark geschwächten Juan Carlos ein.

Für die vier Jahrzehnte, die er König und Staatsoberhaupt von Spanien war (vom 22. November 1975 bis zum 14. Juni 2014) geniesst Juan Carlos Immunität. Doch obwohl die mutmassliche Schmiergeldzahlung 2008 erfolgte, könnte der Ex-König in Zusammenhang mit dem Skandal unter anderem der Geldwäsche und des Steuerbetrugs in der Zeit nach 2014 beschuldigt werden. Nach seinem Thronverzicht zugunsten seines Sohnes hat Juan Carlos zwar auch heute noch Sonderrechte, kann aber vom Obersten Gericht auf die Anklagebank gesetzt werden.

Juan Carlos hatte zuvor bereits im März einen heftigen Schlag erlitten, als sein Sohn nach einem Bericht des «Telegraph» mit ihm brach. Das britische Blatt hatte enthüllt, dass Felipes Name - offenbar ohne sein Wissen - als Begünstigter einer dubiosen Offshore-Stiftung aufgetaucht war, in der auch Teile der Saudi-Dollars deponiert sein sollen. Der König verzichtete auf sein Erbe und strich dem Vater auch noch das Jahresgehalt von 194 000 Euro.

Ans Licht waren die offenbar unsauberen Saudi-Geschäfte gekommen, als Medien 2018 Aufnahmen eines Gesprächs veröffentlichten, bei dem eine Deutsche dem Altkönig Korruption und Geldwäsche vorwirft. Die heute 55-Jährige war dem Bourbonen nach eigenen Angaben bis 2012 eng verbunden. Sie sei «eine innige Freundin» gewesen, sagte sie den Medien, die immer wieder gern über ihr Leben berichten.

epa08583122 News of Spain's former King Juan Carlos, 82, leaving Spain to protect the Spanish Monarchy's image after corruption allegations surfaced against him, dominate the frontpages of Spain's newspapers, Madrid, Spain, 04 August 2020. Juan Carlos, in a letter addressed to his son and Spain's current King Felipe on 03 August, announced his departure from Spain after corruption allegations had surfaced about him.  EPA/EFE ONLY EDITORIAL USE / NO SALES

Bild: keystone

In einem vom Königshaus veröffentlichten Brief an seinen Sohn schrieb der Altkönig nun: Er wolle mit seiner Entscheidung, ins Ausland zu ziehen, die Arbeit von Felipe als Staatschef «erleichtern», «angesichts der öffentlichen Auswirkungen, die gewisse vergangene Ereignisse meines Privatlebens derzeit verursachen». «Es ist eine Entscheidung, die ich mit tiefen Gefühlen, aber mit grosser Ruhe treffe.»

Gattin Sofía wird laut Medien nicht mit ins Ausland gehen. Die 81-Jährige ist bereits seit einigen Tagen auf Mallorca und wartet in der Sommerresidenz der Royals auf der Mittelmeerinsel, dem Palacio Marivent, auf die für Freitag vorgesehene Ankunft von Felipe (52), Königin Letizia (47), Kronprinzessin Leonor (14) und Infantin Sofía (13). Auf alle warte ein «bewegter Sommer», so RTVE. (aeg/sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • famu 05.08.2020 00:32
    Highlight Highlight Falls in der Schweiz wurde er in Quarantäne geschickt...
  • malu 64 04.08.2020 21:59
    Highlight Highlight Er spielt Verstecken mit der Justiz!
  • Free Catalunya 04.08.2020 18:46
    Highlight Highlight Fragt doch die Fluchthelfer. Die spanische Regierung mittels ihrer Vizepräsidentin Carmen Calvo hat die Flucht mittorganisiert. Die Gespräche vor seiner Flucht zwischen Pedro Sanchez und Don Juan Carlos werden als Privat taxiert und tun nichts zur Sache. Bleibt wohl nur eins: Follow the Money
  • Locutus70 04.08.2020 18:26
    Highlight Highlight Er ist in der Dom. Rep. bei einem seiner langjährigen Amigos ^^
    Da hockt er nun allein oder Frau und ohne Kinder. So endet das Leben, wenn man jahrzehntelang ein Raffgeier und Hurenbock ist.
  • MartinZH 04.08.2020 18:23
    Highlight Highlight Gemäss den Aussagen von Hausi Leutenegger soll sich der gefallene König Juan Carlos in Gran Canaria aufhalten. Er sagt, er würde sich unmittelbar in seiner Nachbarsvilla aufhalten.

    Weiter ist zu vernehmen, dass momentan noch unklar sei, wie lange der Ex-König auf Gran Canaria weilen wird.

    Gemäss spanischen Medien stehen als langfristige Ziele die Dominikanische Republik und Marokko auf der Liste.
  • Free Catalunya 04.08.2020 17:47
    Highlight Highlight Fragt die Fluchthelfer. Die spanische Regierung mittels Carmen Calvo Vizepremierministerin war bei der Planung mitdabei. Und wenn das nicht hilft just follow the money
  • fools garden 04.08.2020 17:08
    Highlight Highlight Man ließ ihn einfach gehen, anders kann ich mir das heutzutage nur schlecht vorstellen.
  • N. Y. P. 04.08.2020 17:03
    Highlight Highlight Entweder erschiesst er Löwen oder Elefanten oder er betrügt seine Frau oder er bringt schlicht als Erstes seine 100 Millionen Dollar von seinen scheichenen Freunden in Sicherheit.

    Er ist also im Kongo oder bei Berlusconi in Italien oder in der Schweiz.
    • Franz Schütz 05.08.2020 03:11
      Highlight Highlight Falsch. Er ist angeblich in der Dom Rep. Wenn man der Spanischen Regierung glauben will in Portugal. Da er quasi "pleite" vom Hof gejagt wurde und die Pension futsch ist, bleibt ihm nicht mehr viel mehr als der neuen Regierung der ehemaligen Kolonie Nachhilfe in "sauberen" Geschäften zu geben. Nur die brauchen das nicht. Haben alle eine Professur in "sauberen" Geschäften.

      65 von 100 Mio hat er ohnehin Corinna "geschenkt". Die war aber genug doof damit in der CH Häuser zu kaufen oder zu renovieren. Weswegen in Genf ein Verfahren derzeit gegen alle Beteiligten ausser SM Emerito JC läuft.
    • N. Y. P. 05.08.2020 12:03
      Highlight Highlight Ja, seine Majestät ist tief gesunken.

      Auch scheints, er ist nicht ganz der Hellste auf der Platte.

      Seine Majestät müsste eigentlich ins Gefängnis. Aber das wird jetzt wohl nix mehr.
    • Franz Schütz 06.08.2020 11:11
      Highlight Highlight Der Schein trügt. Ferner war - ob er das noch ist wird teures Juristenfutter- er in Spanien aufgrund der Verfassung eh unantastbar und keinerlei Rechenschaft schuldig.

      Was man aber immer wieder beobachten kann:
      "Gier frisst Hirn". Als Grüssaust mit 200 Mille pro Jahr bekommt man m. E. mit allem sparen und Bescheidenheit keine angeblichen 2,3 Milliarden zusammen.

      Süss war auch sein Auftritt nachdem er angeblich erheblich blau (ist die Blutgruppe) auf Elefantenjagd ganz schrecklich zerknirscht nach langem Spitalaufenthalt in die Kameras sagte: "entschuldigung, es kommt nicht wieder vor".
  • Snowy 04.08.2020 16:52
    Highlight Highlight Ich tippe auf die Schweiz.
    • Filzstift 04.08.2020 17:40
      Highlight Highlight Dann muss er angesichts der Fallzahlen sich aber beeilen. Sonst winkt die Quarantäne samt obligatem Anruf beim Kanton. „Hi, hier ist der König von Spanien“ - „Und ich bin Napoleon“ 😂😂😂
    • bernhardmat 04.08.2020 19:04
      Highlight Highlight Interessanter Zufall. Als er als König anfing, hat er mal in ein Geschäft telefoniert, um etwas zu bestellen. Er sagte: „Guten Tag, ich bin Juan Carlos, der König.“ Die Antwort: „Wenn du der König bist, bin ich Napoleon.“
  • H. L. 04.08.2020 15:52
    Highlight Highlight «Wo ist Juan Carlos?» – Auf Elefantenjagd natürlich.

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