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bild: shutterstock / watson

Emma Amour

Hoi Max. Siehst du, ich hab dir doch gesagt, dass ich Emma Amour bin!

Max ist neu im Haus. Er wohnt im zweiten Stock rechts. Nach dem Bier bei mir im Dachgeschoss landen wir bei ihm. Und haben super Sex im zweiten Stock rechts. So weit, so super. Dann aber treffe ich die Superblondine, die zerzaust seine Wohnung verlässt.



Zum ersten Mal begegne ich Max bei den Briefkästen. Da ich den Schlüssel zu meinem schon vor zehn Ewigkeiten verloren habe, muss ich meine Post jeweils mit einem Ast rausgrübeln. Das dauert je nach Menge der Post eine kleine Ewigkeit.

Als ich neulich also mal wieder einmal eine kleine Ewigkeit da stand und versuchte, den sehr vollen Briefkasten zu leeren, war Max da. Er lächelte. Ob er helfen kann. Ob er eine Bohrmaschine habe, fragte ich. Nicht für den Briefkasten, für ein Bild, das schon eeeeewig darauf wartet aufgehängt zu werden.

Das Bild war eine Notlüge.

Max' Bohrer hole ich noch am gleichen Abend im zweiten Stock rechts. Uns trennen drei Etagen. 40 Minuten und kein frisch aufgehängtes Bild später bringe ich den Bohrer zurück. Er will das Bild sehen, sagt Max.

Ich nehme ihn mit hoch. Glücklicherweise hängt da schon lange ein Bild in meinem Wohnzimmer, das ich als neu verkaufen kann. Ich biete Max ein Bier an.

Wir reden. Und trinken. Und reden. Und trinken.

Hübsch ist der Gute.

Etwas älter. Mitte 40.

Melierte Schläfen. Sehr heiss.

Single. Gerne Single, sagt er.

Ganz neu in der Stadt. Max hat zehn Jahre in Genf gearbeitet. Jetzt also der Neuanfang in Zürich.

Was mir ebenfalls sehr gut gefällt: Max stellt Fragen. Und hört zu. Das tun wenige Männer. Frauen wahrscheinlich auch. Das weiss ich halt nicht so recht. Aber Max fragt. Und fragt nach.

Sexy.

Sehr sexy.

Dann geht uns das Bier aus. Auf Wein haben wir keine Lust. Er habe noch zwei Sixpacks auf dem Balkon. Ich soll mit zu ihm kommen.

Bei ihm sitzen wir auf seinem Bett. Max hat noch kein Sofa. Praktisch so. Will nämlich sehr ins Bett mit Max.

Eine SUPER Sex-Einweihung!

Zwei Biere später frage ich ihn also, ob er die Wohnung denn schon eingeweiht habe. Ich weiss, nicht sehr originell. Aber effizient. Er hat nicht, will aber gerne. Er will, ich will, also tun wir es.

Und es ist genial. Dieser erste Sex fühlt sich null wie erster unsicherer Sex an. Dieser Sex sitzt. Das passt perfekt. Und die Küsse. Wooow. Nur schon die alleine lassen die Schmetterlinge in meiner Bauchgegend Achterbahn fahren.

Nach dem Sex gehe ich. Er sagt zwar, ich könne easy bleiben. Mir ist aber bei mir wohler. Findet er easy. Und hofft, dass «wir das bald wiederholen».

Sehr gerne. In Zeiten von Corona gibts ja nichts Praktischeres als eine Amour im Haus.

Wir tauschen keine Nummern. Sind ja nur drei Etagen dazwischen. Können also jederzeit sehr spontan klingeln. Super unkompliziert und so.

Er muss nackt singen!

Drei Tage später bin ich schon um 8 Uhr wach. Ich hole beim Bäcker ums Eck Gipfeli und Kaffee. Für mich und für Max. Mega unkompliziert klingeln halt. Ev. gibts dann mega unkomplizierten Morgensex. Voll toll.

Und dann stehe ich quasi vor seiner Tür, als diese aufgeht und eine Superblondine mit sehr zerzausten Haaren und demoliertem Make-up in High Heels und Glitterjacke seine Wohnung verlässt. Sie lächelt mich mit diesem Walk-of-Shame-Lächeln an. Ich lächle zurück.

Soll ich nun bei Max klingeln? Eher nicht, oder? Noch während ich überlege, habe ich dennoch schon geklingelt. Warum weiss ich nicht genau. Aber ich weiss, dass das soeben nicht schlimm war. Wir sind uns ja nichts schuldig.

Er macht jedenfalls auf, streckt mir eine Packung von so dünnen Zigaretten und ein Playboy-Feuerzeug hin: «Das hast du vergessen!», sagt er und hält inne. «Soll ich ihr husch hinterher rennen und ihr die Zigis überreichen?», frage ich und lache.

Max ists unangenehm. «Never fuck the neighbourhood», sagt er.

Ich sag, es ist easy. Dann sage ich nein, nicht easy, es ist lustig. Vor allem aber ist es okay.

Max ist erleichtert.

Ob es sich wenigstens gelohnt hat, frage ich.

Nöö, sagt er.

Ob ich helfen kann, frage ich. Er zieht mich an sich. Der Kaffee ist ausgeleert, mein Shirt dahin.

«Schlimm?», fragt er. «Null, ich muss es einfach ausziehen», sage ich.

Max strahlt.

Wir vögeln. Wir vögeln bis weit in den späten Nachmittag rein. Dann kochen wir Spaghetti. Und schauen eine Schnulze.

Dann frage ich, ob ich diesen Text schreiben darf. Dann flippt er aus. Er glaubt mir nicht, dass ich Emma Amour bin.

Nun, lieber Max. Here we go. Die Wette habe ich gewonnen. Und nun sag mir, wann wirst du nackt unter meinem Dachfenster «All I Have To Give» singen?

All I Have To Give für Max zum üben!

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Video: YouTube/BackstreetBoysVEVO

PS: Sorry für die Bilderlüge.

Adieu,

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emma amour buch cover

«EMMA AMOUR UND KID CLEO – Liebe, Sex und andere Eskapaden»
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Sexpannen, Liebeskummer und verrückte Dates: Niemand erzählt in der Schweiz so authentisch und unverblümt wie Emma Amour. Seit Januar 2018 lässt die Zürcherin die watson-User an ihrem Leben teilhaben. Wenn sie eine Auszeit nimmt, springt ihre beste Freundin Cleo ein.

Emma und Cleo könnten unterschiedlicher nicht sein, was sie jedoch verbindet: ein zeitweise fantastisches, zeitweise frustrierendes, aber nie langweiliges Liebes- und Sexleben.

Hier kannst du das neue Buch bestellen >>

Informationen zum Buch
Herausgeberin: watson
Erscheinungstermin: 12.02.2021
ISBN: 978-3-03902-124-6
Einband: Broschur mit Klappe
Umfang: 160 Seiten, 8 Illustrationen
Format: 13,5 x 21

Buchpreis
CHF 18.00 (CH)
EUR 18.00 (D)
EUR 19,00 (A)

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Video: watson/lea bloch

Emma Amour ist ...

… Stadtmensch, Single, Mitte 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deiner Fragen annimmt. Und keine Sorge: Du wirst mit deinen Fragen anonym bleiben – so wie auch Emma. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.

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Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe. bild: watson

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