Wintersport
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Finish area and grandstand of the 2017 FIS Alpine World Ski Championships, in St. Moritz, Switzerland, on January 30, 2017. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Das Zielgelaende und die Haupttribuene der Ski-WM 2017, aufgenommen am 30. Januar 2017 in St. Moritz. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Aufbau des Zielraums in St.Moritz vor der Ski-WM 2017. Bild: KEYSTONE

Wieso die Veranstalter lieber Skirennen ohne Fans haben als gar keine

Am kommenden Wochenende stehen im Ski-Weltcup die nächsten Rennen an – die Frauen bestreiten in St.Moritz zwei Super-G. Doch machen Wettkämpfe ohne Zuschauer überhaupt Sinn?



Die Durchführung von Weltcup-Events ist mit viel Arbeit verbunden. Der Lohn sind normalerweise wahre Skifeste. An die Lauberhornrennen beispielsweise kommen an den drei Renntagen insgesamt über 60'000 Zuschauer. Die Wertschöpfung für die ganze Region ist riesig. Die Destinationen betreiben mit den Veranstaltungen nichts anderes als Event-Marketing, sie sind auf den Tourismus angewiesen.

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie sind aktuell jedoch keine Zuschauer zugelassen. Insofern stellt sich die Frage nach dem Sinn. Eine Antwort darauf geben die Rennen Mitte Oktober in Sölden. Da hatte der österreichische Sender ORF gemäss Jürg Capol, dem Schweizer Marketingchef des internationalen Skiverbandes FIS, 25 Prozent mehr Zuschauer bei der Liveübertragung. «Das zeigt mir, dass der Skisport verfolgt werden möchte. Es ist nicht nur für die FIS wichtig, dass wir Rennen durchführen können.»

St.Moritz ohne Shiffrin

Die Amerikanerin Mikaela Shiffrin verlängert ihre Wettkampfpause und verzichtet auf die zwei Super-G-Rennen in St.Moritz. Die 25-Jährige konzentriert sich vorerst auf die technischen Disziplinen. Shiffrin soll am 12./13. Dezember für die beiden Riesenslaloms in Courchevel in den Weltcup zurückkehren.

Unter allen Umständen soll es Rennen geben

Diesbezüglich sieht es bislang gut aus, die Schutzkonzepte scheinen zu funktionieren. «Wir haben sehr, sehr rasch mit all unseren Stakeholdern, den Veranstaltern, der FIS, den Sponsoren, geschaut, was machbar ist», führte Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann anlässlich des digital durchgeführten «Sport.Forum.Schweiz» aus.

«Uns war relativ schnell klar, dass wir die Weltcup-Veranstaltungen unter allen Umständen halten müssen, egal unter welchen Prämissen, damit der Wert des Produkts Skisport bleibt», so Lehmann. «Es war für uns alle eine unglaublich herausfordernde und extrem intensive Zeit. Wir hatten schon im Mai die ersten Konzepte, wie eine Weltcup-Saison ausschauen könnte, waren zu jeder Zeit auf Augenhöhe mit der Krise.»

Dr. Urs Lehmann, President de Swiss-Ski, parle lors de la conference de presse a l

Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann. Bild: keystone

Dabei half, dass von den Sommersportarten gelernt werden konnte. Lehmann betonte die Notwendigkeit, das Gedankengut über den einzelnen Event auf den ganzen Sport auszuweiten. «Jeder muss irgendwo Abstriche machen. Wir müssen zusammenstehen und uns gegenseitig helfen. Bis wir über einen Impfstoff verfügen, geht es ums nackte Überleben. Erst danach können wir wieder über Impulsprojekte sprechen. Die Schweizer Sportlandschaft hat das übergreifend begriffen.»

Die Hoffnung, dass die Krise auch eine Chance ist

Überhaupt sieht der Aargauer den Sport auf einem guten Weg: «Ich glaube, dass die Wertschätzung gegenüber dem Sport gewachsen ist, er trotz allen Leidens, was das Ansehen angeht, gestärkt aus der Krise herausgehen wird – in der Schweiz und vielleicht gar weltweit.» Dazu kommen die Unterstützungspakete des Bundes, die ein Überleben ermöglichen. Diesbezüglich nahm Lehmann das Wort privilegiert in den Mund.

Zudem ist eine Krise immer auch eine Chance. So wird nun das Digitale vorangetrieben. Die FIS stellte beispielsweise die «Predictor Challenge» auf die Beine, die sich in erster Linie auf die Skirennen fokussiert. Auf der Plattform können Fans Vorhersagen treffen wie: «Wer gewinnt? Welche Nation ist am häufigsten in den Top Ten vertreten? Wie viel beträgt die Zeitdifferenz zwischen dem Ersten und dem Zweiten?» Es gibt Preise zu gewinnen und ist auch für Sponsoren oder mögliche neue Partner attraktiv.

epa08755226 Peter Schroecksnadel, President of the Austrian Ski Federation, reacts during the second run of the men's Giant Slalom race of the FIS Alpine Skiing World Cup season opener in Soelden, Austria, 18 October 2020.  EPA/CHRISTIAN BRUNA

Ob er auch mitspielt? Peter Schröcksnadel, der Präsident des österreichischen Skiverbands. Bild: keystone

Capol ist jedenfalls überzeugt, dass das Digitale einen Boost geben kann. Es bietet auch die Gelegenheit, Verbände mehr zu integrieren, voneinander zu lernen, Gemeinschaftsprojekte zu machen. In der Digitalwelt gebe es keine Grenzen. «Wer dahintersteht, hat Möglichkeiten, die ausgenützt werden können, wer das nicht sieht, der verpasst halt etwas», sagte Capol.

Es droht eine Überalterung

In die gleiche Richtung äusserte sich Lehmann, der im E-Gaming eine «Riesengeschichte sieht. Es ist wichtig, dort einen grossen Effort zu machen. Das wird die Volksfeste nicht ersetzen, hilft uns aber, neue Kundengruppen abzuholen, die Basis unserer Fans zu erweitern.» Lehmann ist sich nämlich bewusst, dass das Publikum «tendenziell älter wird».

Mit der digitalen Welt kann nun eine jüngere, nicht so outdooraffine Generation angesprochen und das Durchschnittsalter der Fans gesenkt werden. Schliesslich sind bloss «drei, vier Prozent» der Bevölkerung (Capol) Mitglied in einem Skiklub. «Der Wintersport lebt von Veranstaltungen, er lebt aber auch davon, dass viele ihn ausüben.» (ram/sda)

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