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Pajtim Kasami von Basel feiert sein Tor zum 0:2 beim Super League Meisterschaftsspiel zwischen dem FC Luzern und dem FC Basel vom Mittwoch, 23. Dezember 2020 in Luzern. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Pajtim Kasami ist sich sicher: «Wenn man erfolgreich sein will, muss man nicht lieb zueinander sein.» Bild: keystone

Interview

FCB-Antreiber Pajtim Kasami: «Wir dürfen keinen Angsthasen-Fussball spielen»

Pajtim Kasami ist seit rund drei Monaten in Basel und bereits Wortführer. Vor dem Spiel in Sion spricht er mentale Probleme beim FC Basel an.

céline feller / ch media



Pajtim Kasami, nach dem verlorenen Spiel gegen Zürich fanden Sie sehr deutliche Worte für die Leistung Ihrer Mannschaft. Sie sprachen von einer Katastrophe. Konnten Sie sich mittlerweile beruhigen?
Pajtim Kasami:
Ich habe mich beruhigt, ja. Aber die Leute, die mich kennen, wissen, dass ich nicht gerne verliere. Wenn das passiert, versuche ich, mich zurückzunehmen, mit weniger Leuten Kontakt zu haben. Ich gehe dann in meine eigene Welt. Aber ich bin eben auch ein ehrlicher Mensch und sage in den Momenten was ich denke. Daher auch meine Aussagen nach dem Spiel. Niederlagen nehme ich immer sehr persönlich. Ich denke auch, dass man nicht besser wird, wenn man das nicht tut. Ich versuche, aus allen meinen Fehlern zu lernen.

Wie haben Sie Ihren persönlichen Start ins Jahr erlebt?
Ich bin sicherlich noch nicht 100 Prozent fit. Das war ich auch noch nicht, als wir im Dezember in die Winterpause gingen. Dann kam die Verletzung dazu, welche ich mir in den Weihnachtsferien zugezogen hatte. So konnte ich vor dem Zürich-Spiel nur vier Trainings absolvieren. Nichtsdestotrotz bin ich glücklich hier. Und glücklich, dass es der Staff geschafft hat, dass ich am Samstag wieder auf den Beinen war.

«Es zählt nur die Leistung. Ausreden sind ein Alibi.»

Mit dem Start der Mannschaft können Sie aber nicht glücklich sein.
Ich wusste um die Bedeutung dieses Duells für den FC Basel. Aber es war kein Final, sondern ein Drei-Punkte-Spiel. Wir haben als Kollektiv verloren und müssen jetzt gegen Sion eine Reaktion zeigen.

Basels Cheftrainer Ciriaco Sforza im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel 1893 und dem FC Zuerich im Stadion St. Jakob-Park in Basel, am Samstag, 23. Januar 2021. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Trainer Ciriaco Sforza stand mit dem FCB gegen den FCZ ziemlich im Regen. Bild: keystone

Im vergangenen Jahr wurde oft als Argument gebracht, dass der FCB vor der neuen Saison und unter dem neuen Trainer keine Vorbereitung hatte. Diese Ausrede zählt jetzt nicht mehr.
Ausreden haben eh keinen Wert. Alle Teams in der Liga haben im Sommer zum gleichen Zeitpunkt angefangen. Es zählt nur die Leistung. Ausreden sind ein Alibi. Dass wir jetzt aber eine Vorbereitung hatten, müssen wir auf dem Platz zeigen. Das muss zum Standard werden. Das, was gegen Zürich passiert ist, darf nicht sein.

Am Samstag sagten Sie auch, dass Sie von der Mannschaft mehr Charakter sehen wollen. Was genau erwarten Sie?
Von den erfahrenen Spielern erwarte ich, dass sie mehr Persönlichkeit zeigen. Wir müssen frecheren Fussball zeigen und dürfen keinen Angsthasen-Fussball spielen. So, wie wir das in der ersten Halbzeit gegen Zürich gemacht haben, war es gut. Das war schöner Fussball, zwischen den Linien, wir haben viel kreiert. Daran müssen wir weiter arbeiten. Ich muss aber auch sagen, dass mit Valentin Stockers Auswechslung zur Pause unser Spiel viel an Dynamik eingebüsst hat.

In der Tat gab es nach der Pause einen Bruch. Etwas, was auch vor dem Jahreswechsel oft zu beobachten war. Die mangelnde Fitness kann nicht mehr das Problem sein. Woran liegt es?
Ich denke auch nicht, dass es die Fitness war. Es ist etwas Mentales. Bei jedem Spieler. Und mentale Probleme sind immer schwierig zu erklären. Aber diese zweite Halbzeit war klar eine Frage des Kopfes.

Wie arbeiten Sie an solchen mentalen Dingen?
Sehr privat. Ich versuche, komplett abzuschalten, an andere Dinge wie Fussball zu denken oder mal gar nicht an irgendwas herum zu studieren. Ich habe aber auch genug Erfahrung, um Spiele, wo solche mentalen Probleme auftauchen, zu analysieren. Mit mir, aber auch mit dem Trainerstab.

Sie sind seit rund drei Monaten beim FC Basel. Wie fällt Ihr erstes Fazit aus?
Es war eine sehr turbulente Zeit. Ich versuche, mich in die Mannschaft einzufügen, meinen Beitrag zu leisten, sie weiter zu bringen. Vor allem will ich meine Mentalität reinbringen. Dafür wurde ich geholt. Ich bin aber sicher noch nicht da, wo ich sein möchte. Gerade auch wegen dem kleinen Verletzungs-Rückschlag. Ich hatte gegen Zürich auch noch etwas Angst, ob der Muskel hält. Aber das Vertrauen wird wachsen, von Spiel zu Spiel.

Zuerichs Ousmane Doumbia, links, im Kampf um den Ball gegen Basels Pajtim Kasami, rechts, im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel 1893 und dem FC Zuerich im Stadion St. Jakob-Park in Basel, am Samstag, 23. Januar 2021. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Pajtim Kasami stand gegen den FCZ wieder im Einsatz. Bild: keystone

Inwiefern war diese Zeit turbulent für Sie?
Ich war ablösefrei und bin ohne Vorbereitung zu einem neuen Team gestossen. Das ist nie einfach. Kaum war ich da, hatten wir jeden dritten oder vierten Tag ein Spiel. Als ich in der Nati-Pause durchatmen wollte, kam das Aufgebot. Als ich zurückkam, folgten sechs weitere Spiele. Ich hatte nie Zeit, mich zu erholen. Es war Stress non-stop. Auch in den Ferien, weil ich da Reha machen musste. Da kann man nicht abschalten. Das ist aber auch mein Job, dafür werde ich bezahlt. Und dann ist auch die ganze Saison sehr speziell und unberechenbar unter diesen Coronabedingungen und ohne Fans. Daher würde ich schon sagen, dass es eine turbulente Zeit ist. Finden Sie nicht?

Doch, absolut. Insofern sind Ihre Statistiken umso stärker: sechs Tore in zwölf Spielen. Sie sagen aber, sie sind noch nicht, wo Sie sein möchten. Was darf man denn noch erwarten?
Ich will noch mehr Chancen kreieren, die Stürmer mit Bällen füttern, sie in bessere Positionen bringen. Ich will immer einen Beitrag am Offensivspiel haben. Immer. Und selber so effizient wie möglich sein. Jeder hier weiss, wie ich ticke: Ich gebe Vollgas. Wenn man erfolgreich sein will, muss man nicht lieb zueinander sein. Was zählt, sind Leistungen auf dem Platz. Und die angesprochene Mentalität neben dem Platz. Die muss man verkörpern. Dann bin ich zuversichtlich, dass wir noch etwas Grosses erreichen können.

Etwas Grosses wie den Meistertitel, trotz neun Punkten Rückstand auf YB?
Stand heute müssen wir uns nicht auf die Tabelle konzentrieren. Ich sage nur so viel: Wir sind noch in zwei Wettbewerben drin. Wir sind ja sogar noch in der Hinrunde, rein vom Spielplan her. Was am Ende sein wird, werden wir sehen. Aber wir rechnen erst dann ab.​

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