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Elon Musk vs. Bitcoiner: Eine Twitternovela (einfach ohne Frauen)

18.05.2021, 11:17
Mehr «Wirtschaft»

Verrat, Fehden, Gerüchte, Intrigen. Der Beziehungsstatus zwischen Elon Musk und namhaften Persönlichkeiten aus dem Bitcoin-Kosmos nimmt am Wochenende telenovelaesque Qualitäten an. In den Hauptrollen: der Tesla-Gründer Elon Musk als undurchsichtiger Tyrann, verschiedene Bitcoin-Persönlichkeiten als Ritter in verbeulten Rüstungen – und ein Hühnerhaufen in Form von Spekulanten.

Offenlegung der Interessenverbindung

Der Autor dieses Artikels besitzt verschiedene Kryptowährungen, darunter auch Bitcoin.

Erster Akt: Musk macht am Donnerstag bekannt, dass der Autobauer bis auf Weiteres die Zahlungen mit Bitcoin einstellen und dass sich sein Team nach alternativen Kryptowährungen umschauen werde. Er verspricht, keine weiteren Bitcoins zu verkaufen.

Vor allem die (fast unbrauchbare) Spasswährung Doge-Coin hat Elon Musk den Kopf verdreht. Wie ein verliebter Teenager (etwas unbeholfen) flirtet er seit Monaten mit der Hundewährung – in einem Tweet verkündete er, er sei nun bereit für den nächsten Schritt. Konkret: Er sei mit Doge-Entwicklern daran, Lösungen der diversen Probleme zu finden. Das sei möglicherweise vielversprechend.

Mit diesem Tweet bricht Musk endgültig das Herz vieler Bitcoiner. Doch alsbald erklingt das Gelächter der Verschmähten. Seit die Doge-Erfinder Jackson Palmer und Billy Markus (er verkaufte alle seine Coins für einen gebrauchten Honda Civic) das Projekt 2015 verliessen, geschah in Sachen Entwicklungen nicht mehr viel. Die Verschmähten wittern einen Steilpass für Rache.

Auftritt des Doge-Vaters Jackson Palmer. Niemand hat mit seiner Rückkehr gerechnet, denn er lebt zurückgezogen wie ein Eremit. Sein komplett verwaister Twitteraccount erhält plötzlich einen Eintrag.

«Zur Erinnerung: Elon Musk ist und bleibt ein egozentrischer Betrüger.»
Doge-Erfinder Jackson Palmer (Dieser Tweet wurde wie angekündigt wieder gelöscht. Palmers Timeline ist nun wieder leer.)

Ein einziger Satz und der König Musk liegt am Boden.

Nun treten Bitcoins Ritter nach. Der noble Nic Carter, ein eloquenter Redner / Schreiber und gern gesehener Gast in diversen amerikanischen Wirtschafts-TV-Formaten, vergisst kurz seine guten Manieren.

Auch der britische Bitcoin-Pitbull Peter McCormack fletscht mit den Zähnen. Der Podcaster aus Bedford, dessen grösster Wunsch es ist, den lokalen Fussballclub zu kaufen, hat das Kunststück vollbracht, sich bei Freund und Feind gleichermassen unbeliebt zu machen. Er wittert nun die Chance, sich wenigstens in der Bitcoin-Community wieder beliebt zu machen.

Doch Musk ist noch lange nicht geschlagen. Gestählt von jahrelangem Kampf gegen Kritiker gibt er nicht so schnell auf.

Musk stemmt sich nun mit allen Mitteln gegen den Strom an Vorwürfen, dass er in Sachen Bitcoin erstaunlich wenig Fachkenntnis beweise – obwohl er mit über einer Milliarde investiert sei – und verweist dabei auf Theorien, die eingefleischte Bitcoiner als widerlegt sehen.

Die neutralen Zuschauer wundern sich, wieso sich ein so mächtiger König die Zeit nimmt, sich mit dem einfachen Volk zu duellieren. Muss er nicht sein Reich regieren? Es kann darauf nur eine Antwort geben: Stolz. Und der ist sichtlich gekränkt.

King Musk droht mit einer Trotzreaktion. Musks Intelligenz ist unbestritten. Doch wie sieht es mit seiner emotionalen Intelligenz aus?

«Widerliche Threads wie dieser lassen in mir den Wunsch aufkommen, alles auf Doge zu setzen.»

Szenenwechsel. Noch ein anderer CEO buhlt um die Liebe von Bitcoin-Twitter: Michael Saylor. Und Bitcoin-Twitter liebt Michael Saylor. Musk stahl ihm allerdings in letzter Zeit ein bisschen die Show. Nun glaubt Saylor, mit einem wohlwollenden Video (zum Energieverbrauch von Bitcoin), die Herzen wieder zurückzugewinnen. Doch das Video versandet im Getöse des kindischen Geschreis – und vor allem sitzt der Konter seines Widersachers.

Böse Zungen behaupten, Musks Tweet sei lustiger gewesen als sein gesamter Auftritt bei «Saturday Night Live». Vor allem die Doge-Hyänen lachen heiser. Sie sind Musks Bodyguards in diesem Twitter-Krieg. Doch irgendwann ist auch Musks Sinn für Humor überstrapaziert. Und dann macht er Ernst.

«Allerdings» – aus dem Mund von Musk haben die drei Silben Machtwortcharakter. Sie können so ausgelegt werden, dass Musk seine Bitcoin-Besitztümer bereits verkaufte – oder dies im Sinn hat. Das Wort des schlauen Fuchses zeigt Wirkung, und Angst und Schrecken breiten sich über den Hühnerstall der (neuen) Spekulanten. Es kommt zu Panikverkäufen und der Preis von Bitcoin fällt erneut. Auch alle anderen Kryptos tauchen.

Der Krypto-Mob ist wütend. Und der Pitbull aus Bedford findet die Stelle, an der Musk verwundbar ist. Er ruft dazu auf, gegen den Aktienkurs von Tesla zu wetten (Die Tesla-Aktie zu shorten).

Schon bald geht der Hashtag #shorttesla viral. Musk kennt die Macht von Memes – setzt er sie doch selber sehr erfolgreich ein. Deshalb weiss er: Jetzt wird's brenzlig. Sogleich stellt er klar, dass er keine weiteren Bitcoins verkauft hat.

Etwas Ruhe kehrt nun ein. Der Bitcoin-Kurs kullert weiter nach unten und als die Börsen öffnen, macht Tesla gleich zu Beginn etwas Boden gut. Der Bitcoin-Pitbull hingegen hat sich mit seiner aggressiven Strategie wieder einmal vor allem Feinde gemacht. Wieder einmal erhält er beleidigende Nachrichten, die wir so nicht veröffentlichen wollen (obwohl er es tut). Etwas differenzierter äussert sich Lex Fridman

Und dann, es läuft schon fast der Abspann, kommt noch der Cliffhanger. Am Horizont zeichnet sich der Umriss eines fremden Reiters ab, der Musk zu Hilfe eilt. Als er näher kommt, gibt er sich als Ross Nicoll zu erkennen. Ein Doge-Entwickler aus alten Tagen (2018). In einem Interview mit dem Fachmagazin «Decrypt» bestätigt er Musks Erzählungen. Er arbeite seit 2019 mit drei anderen Kollegen an einem Update für Doge. Und Elon Musk berate sie. Finanzielle Hilfe hätten sie aber abgelehnt.

Tatatataaaaaaa! (Dass vier Entwickler die Geschicke einer Weltwährung in den Händen halten sollen, weckt nicht wirklich Vertrauen). Anyway.

Und mit diesem Knaller – oder ist es mehr ein Knallerchen – beenden wir mit Fug und Recht erneut einen Elon-Musk-Kontroverse-Artikel mit den berühmten drei Worten: To be continued.

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