Extremsport
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Kevin Escoffier PRB, Yannick Bestaven Maitre CoQ IV, Armel Tripon L Occitane en Provence, Jeremie Beyou Charal, Charlie Dalin Apivia, Nicolas Troussel Corum l Epargne VOILE : Depart du Vendee Globe - Les Sables d Olonne - 08/11/2020 RonanHoussin/Panoramic PUBLICATIONxNOTxINxFRAxITAxBEL

Da waren sie noch alle beisammen: Der Start zur Vendée Globe am 8. November mit Kevin Escoffier ganz links. Bild: www.imago-images.de

«Es war wie im Kino, nur schlimmer» – dramatische Rettung an der Vendée Globe

Sie segeln alleine um die ganze Welt – wenn sie es denn schaffen. Die Teilnehmer der Vendée Globe gehen grosse Risiken ein. Der Franzose Kevin Escoffier musste nun im südlichen Pazifik nach einem Schiffbruch gerettet werden.



Rund drei Wochen sind die Teilnehmer der Weltumseglung Vendée Globe mittlerweile unterwegs, alleine auf hoher See. Alan Roura, der einzige Schweizer, belegt derzeit Platz 18. Das ist zwar nicht das, was sich Roura vorgestellt hat, sein Ziel sind die Top 10. Doch immerhin ist der Genfer nach wie vor im Rennen. So musste etwa der britische Mitfavorit Alex Thomson in Führung liegend aufgeben, weil er erst Schäden am Bug hatte und dann ein Ruder brach.

Gar um sein Leben fürchten musste der Franzose Kevin Escoffier. Er hatte rund 1500 Kilometer südwestlich von Kapstadt Schiffbruch erlitten. Escoffier hatte sein Team an Land am Montagnachmittag darüber informiert, dass Wasser in seine Yacht eindringe: «Ich brauche Hilfe, ich sinke! Das ist kein Witz!» Danach war er nicht mehr erreichbar.

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Hier wurde Escoffiers Signal letztmals registriert. Rechts von seiner Yacht sind die vier Segler, die ihm zur Hilfe eilten, ganz rechts der Führende Charlie Dalin. karte: vendée globe

Der 40-jährige Escoffier konnte noch Notsignale absetzen. So funkte die Rennleitung einen Konkurrenten an, der einigermassen in der Nähe segelte. Der Vendée-Globe-Routinier Jean Le Cam machte sich unverzüglich auf die Suche nach dem Schiffbrüchigen.

Stundenlanges Ausharren in der Rettungsinsel

Es dauerte rund zweieinhalb Stunden, bis er am Ort eingetroffen war, von dem Escoffiers Boot «PRB» letztmals eine Positionsangabe gefunkt hatte. Nach Angaben der Rennleitung konnte Le Cam rasch Sicht- und Sprechkontakt mit seinem Landsmann herstellen. Escoffier befand sich in seiner Rettungsinsel – und musste zunächst im Überlebensanzug darin ausharren. Denn hoher Wellengang und starker Wind machten eine Bergung unmöglich.

Als Le Cam es geschafft hatte, näher an die Rettungsinsel heran zu segeln, war es bereits dunkel – und zwar so dunkel, dass sich die beiden Segler nicht mehr sehen konnten. Es gelang ihnen auch nicht, einen Funkkontakt herzustellen und das Signal, das der Überlebensanzug abgibt, konnte Le Cam bei nach wie vor schwerem Seegang nicht empfangen.

So rief die Rennleitung drei weitere Segler zur Mithilfe auf. Diese machten sich, den Regeln entsprechend, ebenfalls auf. Doch es benötigte sie glücklicherweise nicht. Um 2.18 Uhr gelang es Jean Le Cam, den verunglückten Kevin Escoffier an Bord zu nehmen. Ein Video zeigt die zwei Franzosen nach der geglückten Rettungsaktion gut gelaunt:

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Kevin Escoffier im Video-Interview. Video: YouTube/VendeeGlobeTV

«Es war wie im Kino, nur schlimmer»

Zunächst habe er nach den ersten, missglückten Versuchen ins Auge gefasst, es erst nach Tagesanbruch wieder zu versuchen, erläuterte Le Cam. «Doch dann fiel mir ein, dass ich in der Nacht vielleicht ein Lichtsignal besser sehen kann und tatsächlich entdeckte ich etwas und als ich in diese Richtung segelte, sah ich es besser und besser», beschrieb er seine Mission in der Finsternis.

«Ich entschuldigte mich bei Jean, dass ich ihm sein sehr starkes Rennen versaut habe», sagte Escoffier. «Aber es gab auch schon den umgekehrten Fall, dass die PRB ihn gerettet hatte.» Tatsächlich hatte Le Cam an der Vendée Globe 2009 ebenfalls südlich des Kaps der Guten Hoffnung Schiffbruch erlitten. Er wurde damals von PRB-Skipper Vincent Riou gerettet.

Escoffier beschrieb den Moment des Sinkens als filmreif. «Es war wie im Kino, nur schlimmer. Es dauerte bloss etwa vier Sekunden, da war das Boot senkrecht. Eine Welle kam und ich hatte gerade noch Zeit für eine einzige Textnachricht, dann legte das Wasser die Elektronik an Bord still. Es war absolut verrückt.» Sein Schiff sei in zwei Teile zerbrochen. «Ich habe schon vieles gesehen, aber so etwas …», staunte Escoffier, der mit dem Leben davon gekommen ist. Angst habe er in der Rettungsinsel nicht gehabt: «In dem Moment als ich Jean gesehen habe, war ich mir sicher, dass ich gerettet werde.»

An einer Stelle des Videos kämpfte er indes sichtlich mit den Tränen. Er bedauerte den Verlust seines Boots, woraufhin ihm der 61-jährige Le Cam ins Wort fiel und betonte, dass dies nur ein materieller Verlust sei. Viel wichtiger sei, dass er lebe.

Die «Yes We Cam» von Skipper Jean Le Cam nach dem Start im Golf von Biskaya.

Renndirektor Jacques Caraës sagte, man habe stets ein Signal empfangen. Es sei aber unklar gewesen, ob Escoffier den Sender auf sich getragen oder ob er sich gelöst habe: «Die Positionsangabe war mal hier, mal da und wirkte eher zufällig.»

Aufatmen bei den Veranstaltern

Retter Le Cam sprach von einem unwirklichen Moment. «Erst herrschte eine Hoffnungslosigkeit, aber dann war ich bei ihm. Ich warf ihm meinen Rettungsring zu, er ergriff ihn und konnte sich schliesslich an meinem Boot festhalten. Und das war es.»

Alan Roura über seine erste Teilnahme an der Vendée Globe:

«Das ist der Ausgang, auf den wir gehofft haben», sagte der erleichterte Rennleiter Caraës. «Es war stockdunkel, die Konditionen waren schwierig, aber das Ergebnis ist beinahe ein Wunder. Das Glück war auf unserer Seite.»

Wie Kevin Escoffier nun an Land gelangen wird, ist noch unklar. Jean Le Cam darf sein Rennen fortsetzen. Üblicherweise erhalten Segler, die einem in Not geratenen Kollegen helfen, eine Zeitgutschrift.

Mehr über die Vendée Globe:

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