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Die Fussballerinnen Martina Moser und Isabelle Meyer nehmen kein Blatt vor den Mund. bild: aya baalbaki

Zwei erfahrene Profis erklären uns, warum sich heutige Fussballerinnen falsch einschätzen

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Martina Moser und Isabelle Meyer legten mit dem SC LUwin.ch den Grundstein für den heutigen Frauenfussball. Damals entstand eine bis heute enge Freundschaft. Ich habe die beiden zu einem ehrlichen, tiefgründigen Gespräch getroffen.

Aya Baalbaki
Aya Baalbaki

«Ist das jetzt dein Ernst?», fragt die schlagfertige Moser lachend, als ich die St. Pölten-Leaderin Meyer auf den Champions-League-Achtelfinal-Sieg gegen die FCZ-Frauen anspreche. Die Beine übereinander gelegt, sitzen die Fussballerinnen auf dem grauen Ecksofa, trinken einen frisch gepressten Orangensaft und erinnern sich zurück. Die besten Freundinnen duellierten sich im Dezember letzten Jahres; das österreichische Team fuhr zwei Siege ein. Ein emotional herausfordernder Moment einer Freundschaft, wie sich sofort bemerkbar macht.

Wer ist die bessere Verliererin?

«Ich wusste, dass es für Martina keine angenehme Situation war. Wir hatten uns danach zwei, drei Tage nicht mehr gehört.» Diese Niederlage sei für eine solch emotionale Spielerin bitter. Moser macht währenddessen einen ziemlich genervten Eindruck. «Und wenn sich St. Pölten freut, als hätten sie die Champions League gewonnen, wirkt sich das natürlich auf meine Gemütslage aus.» Bei dieser Aussage schmunzelt nicht nur Meyer, auch die FCZ-Mittelfeldregisseurin kann sich ihr Lachen nicht verkneifen. «Ich will jedes Spiel gewinnen», erklärt Moser, als wäre das selbstverständlich. Sie hat 129 Länderspiele absolviert, an der WM 2015 und EM 2017 teilgenommen und ist mehrfache Schweizer Meisterin und Cupsiegerin. Meyer, Schwester von Luzern-Sportchef Remo Meyer, gibt zu, nicht einmal im Ligretto verlieren zu können.

SC LUwin.ch: Das heutige FCZ

Was diese Freundschaft so langlebig macht, sei das Menschliche. Sie erinnern sich viel mehr an Geschichten, die neben dem Platz stattfanden. Kennengelernt beim SC LUwin.ch, dem heutigen FC Luzern, feierten die beiden ihre ersten grossen, sportlichen Erfolge: Meistertitel, Cupsiege und Champions-League-Teilnahme. Die gebürtige Burgdorferin Moser spielte dort von 2005-2007, Meyer von 2003-2007.

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Und nun zurück zur Story ...

«Wer sich nach Erfolg sehnte, musste einige Opfer bringen.»

LUwin.ch war damals die begehrteste Adresse im Frauenfussball, so zum Beispiel auch für Rekord-Nationalspielerin Lara Dickenmann oder PSG-Stürmerin Ramona Bachmann. «Heute gibt es in der Schweiz im Vergleich zu früher mehr Vereine, die interessant sind. Zu meiner Zeit dominierte der SC LUwin.ch», erklärt die 157cm kleine Zürcherin Moser. Ihre eher schüchterne Kollegin nickt und lässt ihre gelbe Mütze auf dem Kopf gleich mitbaumeln.

«Das hatte zur Folge, dass man als Spielerin seine Grenzen überwinden musste, Training für Training. Wer sich nach Erfolg sehnte, musste einige Opfer bringen», fährt Moser fort. «Während andere am Abend und an Wochenenden Freunde trafen, standen wir auf dem Trainingsgelände oder mussten den Schulstoff nachholen. Die heutigen Spielerinnen wirken nicht mehr so hungrig und es fehlt teilweise auch an Disziplin. Schon ab dem Juniorinnen-Alter werden sie mit viel Aufmerksamkeit und Ansehen überschüttet, sei es in der Schule, zu Hause oder im Verein. Sie wirken teilweise früh gesättigt. Das kann durchaus auch zu einer falschen Selbsteinschätzung führen.

«Die Erholung fehlt teilweise gänzlich, das beeinflusst vorwiegend die Fitness sowie die mentalen Aspekte»

Meyer, die gebürtige Langenthalerin, fügt an: «Es ist schon erstaunlich, von welchen Möglichkeiten die heutigen Spielerinnen profitieren. Es wird professioneller trainiert und gezielter auf individuelle Fähigkeiten eingegangen.»

Moser liegt diese Thematik am Herzen. Sie ergreift das Wort einmal mehr und gestikuliert dabei heftig: «Nichtsdestotrotz wird von Spielerinnen der höchsten Schweizer Frauenfussball-Liga einiges abverlangt. Ein 100%-Job nebst Trainings und Spielen ist nichts aussergewöhnliches. Dies hat teilweise auch einen Einfluss auf das Niveau, das darunter leiden kann. Die Erholung fehlt teilweise gänzlich, das beeinflusst vorwiegend die Fitness sowie die mentalen Aspekte.»

Um den Betrieb aufrecht zu erhalten, seien finanzielle Mittel erforderlich. Der für sie wichtigste Punkt: die Akzeptanz in der Schweizer Bevölkerung. Der Frauenfussball sei noch immer keine Selbstverständlichkeit. Beide sind überzeugt, dass das neue Liga-Sponsoring und die Livespiele im Schweizer Fernsehen längerfristig einen positiven Einfluss haben. Es passiere Schritt für Schritt immer mehr.

Die Privilegien des Profi-Lebens

Weil die Schweizer Liga zu wenig attraktiv und lukrativ war, packte Moser im Jahr 2007 ihre Koffer und schnürte sich die Fussballschuhe in der Bundesliga beim SC Freiburg. Trotz eines Kreuzbandrisses unterschrieb sie den Vertrag nahe der Schweizer Grenze. Für sie war das der logische, nächste Schritt.

«So ein privilegiertes Profi-Leben hätte ich lieber hier geführt als im Ausland, ganz klar.»

Ihre beste Freundin folgte drei Jahre später ins Ausland, auch zum SC Freiburg, nach Rat von Moser, die direkt darauf aber beim Bundesligisten Wolfsburg ihren ersten Profi-Vertrag unterschrieb. «Ich meinte zu Lissi immer, sie soll nach Freiburg kommen.»

Der Schritt ins Ausland war die logische Konsequenz. «So ein privilegiertes Profi-Leben hätte ich lieber hier geführt als im Ausland, ganz klar», bestätigt Moser. Meyer wechselte nach zwei Jahren in Freiburg zum SC Sand in die 2. Bundesliga, wo auch sie einen Profivertrag unterschrieb und eine wichtige Rolle spielte im Team. Im Jahr 2014 gelang dem Team der Aufstieg in die Bundesliga.

Das Profi-Leben genossen sie in vollen Zügen. Finanzielle Absicherung durch den Sport, das sei als Frau keine Selbstverständlichkeit. Die Augen funkeln, als sie von ihren Privilegien erzählen. Es sei schön, sich die freie Zeit nach eigenen Wünschen einzuplanen. Bevor sie die Schweiz verliessen, absolvierten beide eine Ausbildung. So, wie es sich die Eltern wünschten. Moser schloss eine KV-Lehre bei einer Bank ab, Meyer ist gelernte Bäckerin-Konditorin.

«Alles unter einen Hut zu bringen ist eine Herausforderung.»

Zurück in die Realität

2012 verliess Moser die Wölfinnen und wechselte für fünf Jahre zur TSG 1899 Hoffenheim. Im Jahr 2017 hiess es für die flinke Spielerin, bye bye Deutschland, hallo Schweiz. Von da an wurde ihr Alltag komplett auf den Kopf gestellt. Neu stand eine 100%-Festanstellung im Team-Management des FC Zürichs an.

Heute verbringt sie als FCZ-Spielerin mehr Zeit im Büro als auf dem Rasen. «Du gehst früh aus dem Haus, arbeitest, trainierst am Abend und kommst spät wieder zurück. Es bleibt wenig Zeit für Freunde, Familie und weitere Hobbys. Alles unter einen Hut zu bringen ist eine Herausforderung.» Trotz allem sei sie glücklich mit ihrem Alltag und schätze die Dinge, die sie habe.

Meyer wechselte nach acht Jahren beim SC Sand schliesslich zu St. Pölten in Österreich. Heute engagiert sie sich nebenbei am Projekt «Kick it like Nina» und ist Trainerin der U9-Juniorinnen in ihrem Verein. Ihr Vertrag wurde aufgrund der Corona-Pandemie angepasst. Ohne die zusätzlichen Einnahmen käme die 33-Jährige nur knapp über die Runden.

Eine Rückkehr in die Schweiz schliesst sie aktuell aus. Moser interveniert: «Du kommst nicht, weil du nicht jeden Tag arbeiten willst.» Sie liefern sich einen offenen Schlagabtausch, bis sie nur noch darüber lachen können. Die SKN-Spielerin möchte ihr Leben geniessen, ohne 100% zu arbeiten, solange dies möglich sei. Ihr Lebensmotto laute schliesslich nicht umsonst «Lebe, Mensch.»

Was nun, Mensch?

Im 33. und 34. Lebensjahr gehört es dazu, sich Gedanken über das Karriereende zu machen. «Wenn dich etwas so prägt und du von dir aus den Schlusspunkt setzen musst; das ist hart. Vor allem, wenn du dich fit fühlst und Freude empfindest«, schildert die ein Jahr ältere FCZ-Leaderin etwas bedrückt. Nun gehe es aber primär darum, das Feld von hinten aufzurollen. Der Rekordmeister belegt unüblich den zweiten Platz in der Liga, jedoch mit einem Spiel mehr auf dem Konto als der Drittplatzierte. «Ich will der Mannschaft alles geben, was in mir steckt.»

Auch Meyers Hunger ist noch lange nicht gestillt. Bei St. Pölten ist das oberste Ziel die Meisterschaft und der Pokalsieg. Zudem steht im Achtelfinale der Women's Champions League am 10. März das Rückspiel zu Hause gegen den FC Rosengård an. Das Hinspiel endete in eiserner Kälte mit einem Unentschieden (2:2). «Es ist schwierig, den Schritt ins neue Kapitel zu wagen. Ich muss in den nächsten ein bis zwei Jahren anfangen, mir Gedanken zu machen»

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